top of page

Tränensäcke behandeln — was ohne OP geht und wann nur eine Operation hilft

Autorenbild: Prof. Dr. Mohamed Omar
Prof. Dr. Mohamed Omar
1. Okt.
8 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 2 Tagen

Wer Tränensäcke behandeln lassen möchte, bekommt im Internet zwei Arten von Antworten. Die eine Hälfte empfiehlt gekühlte Teebeutel, Gurkenscheiben und mehr Schlaf. Die andere Hälfte bietet eine Operation an. Beides kann richtig sein, aber selten für dieselbe Person. Denn unter dem Begriff Tränensäcke werden im Alltag sehr unterschiedliche Befunde zusammengefasst: morgendliche Schwellungen, die bis zum Mittag verschwinden, eine dauerhafte Vorwölbung von Fettgewebe unter dem Unterlid und eine Rinne unter dem Auge, die eine Vorwölbung nur vortäuscht.

Welche dieser Formen vorliegt, entscheidet darüber, was hilft. Eine Schwellung durch Wassereinlagerung lässt sich durch Kälte und Lebensstil beeinflussen. Eine echte Fettvorwölbung lässt sich durch keine Creme, keine Massage und keine Injektion entfernen. Und eine tiefe Tränenrinne kann eine Vorwölbung stärker wirken lassen, als sie ist, und lässt sich dann ohne Operation ausgleichen.

Dieser Beitrag erklärt, wie die drei Formen entstehen, woran man sie unterscheidet, was ohne Operation möglich ist und wo die Grenze liegt, ab der nur noch die Lidchirurgie das Problem an seiner Ursache löst.

Was Tränensäcke eigentlich sind

Das Auge liegt in der knöchernen Augenhöhle, gepolstert von Fettgewebe. Nach vorne wird dieses Fett von einer dünnen Bindegewebsschicht zurückgehalten, dem sogenannten Septum. Im jungen Gesicht ist diese Schicht straff, das Fett bleibt hinter ihr, und das Unterlid geht glatt in die Wange über.

Mit den Jahren lässt die Spannkraft des Septums nach. Das Fett der Augenhöhle drängt nach vorne und wölbt das Unterlid sichtbar vor. Gleichzeitig verliert die Wange an Volumen und sinkt leicht ab. Dadurch entsteht zwischen Vorwölbung und Wange eine Stufe, die das Licht als Schatten abbildet. Das, was man im Spiegel als Tränensack wahrnimmt, ist also meist eine Kombination aus Vorwölbung oben und Vertiefung darunter.

Bei manchen Menschen ist diese Veranlagung familiär. Sie haben schon mit Mitte zwanzig deutliche Tränensäcke, ohne dass Schlafmangel oder Lebensstil eine Rolle spielen. Das ist wichtig zu wissen, weil gerade diese Patientinnen oft jahrelang Pflegeprodukte ausprobieren, die bei einer anatomischen Ursache nichts ausrichten können.

Warum habe ich plötzlich so dicke Tränensäcke?

Wenn Schwellungen unter den Augen plötzlich auftreten, ist die Ursache in aller Regel nicht die Anatomie, denn die verändert sich langsam. Plötzliche oder stark wechselnde Schwellungen sprechen eher für Wassereinlagerungen im lockeren Gewebe unter dem Auge. Typische Auslöser sind salzreiches Essen am Vorabend, Alkohol, wenig Schlaf, Weinen, flaches Liegen, hormonelle Schwankungen und Allergien.

Solche Schwellungen sind morgens am stärksten und bilden sich im Laufe des Tages zurück, weil die Flüssigkeit im Stehen abfließt. Gegen diese Form helfen die bekannten Maßnahmen tatsächlich: Kälte, ein etwas höheres Kopfkissen, weniger Salz und ausreichend Schlaf. Ein medizinischer Eingriff ist hier weder nötig noch sinnvoll.

Es gibt aber eine wichtige Ausnahme. Schwellungen, die plötzlich auftreten, einseitig sind, schmerzen, jucken, gerötet sind oder mit Sehstörungen einhergehen, gehören ärztlich abgeklärt. Auch dauerhafte Schwellungen an beiden Augen können auf eine Erkrankung der Schilddrüse, der Nieren oder auf eine Allergie hinweisen. In diesen Fällen ist der Hausarzt oder der Augenarzt die richtige erste Adresse, nicht eine ästhetische Praxis.

Können sich Tränensäcke zurückbilden? Wassereinlagerungen bilden sich zurück, sobald die Ursache wegfällt. Eine anatomische Fettvorwölbung bildet sich dagegen nicht zurück. Sie bleibt in der Regel über Jahre gleich oder nimmt langsam zu, weil das Bindegewebe weiter nachgibt.

Häufig wirken Tränensäcke an manchen Tagen deutlich stärker als an anderen. Das liegt meist daran, dass beide Formen gleichzeitig vorliegen: eine feste Vorwölbung, auf die sich an schlechten Tagen zusätzlich Flüssigkeit legt. Kälte und Schlaf nehmen dann den wechselnden Anteil weg, der feste Anteil bleibt. Wer das einmal verstanden hat, kann einschätzen, welche Erwartungen an welche Maßnahme realistisch sind.

Ein einfacher Selbsttest hilft bei der Einordnung. Schauen Sie bei gleichmäßigem Licht in einen Spiegel und blicken Sie dabei nach oben. Wird die Vorwölbung unter dem Auge deutlicher, spricht das für Fettgewebe aus der Augenhöhle, das beim Blick nach oben nach vorne gedrückt wird. Ersetzen kann dieser Test die Untersuchung nicht, aber er macht den Unterschied sichtbar. Ein zweiter Hinweis ist die Tageszeit: Was abends genauso aussieht wie morgens, ist mit großer Wahrscheinlichkeit Gewebe und keine Flüssigkeit. Wer beides beobachtet, kommt schon gut vorbereitet in die Beratung.

Tränensäcke behandeln ohne OP: was möglich ist

Ohne Operation lässt sich eine Fettvorwölbung nicht entfernen. Was sich aber verändern lässt, ist die Umgebung, und die entscheidet oft stärker über den Gesamteindruck als die Vorwölbung selbst.

Die Tränenrinne ausgleichen. Ist die Vertiefung unterhalb der Vorwölbung der eigentliche Grund für den müden Blick, kann ein weicher Hyaluronsäure-Filler diese Stufe ausgleichen. Die Vorwölbung ist dann noch vorhanden, fällt aber weniger auf, weil der Schatten darunter verschwindet. Diese Behandlung eignet sich für eine geringe bis mäßige Vorwölbung mit deutlicher Rinne. Mehr dazu steht auf unserer Seite zur Behandlung von Augenringen und Tränenrinne.

Die Hautqualität verbessern. Die Haut am Unterlid ist die dünnste des Gesichts. Ist sie zusätzlich knittrig oder durchscheinend, verstärkt das den Eindruck von Müdigkeit. Verfahren wie die PRP-Behandlung der Augenpartie können die Hautqualität verbessern. An der Vorwölbung selbst ändern sie nichts.

Schwellungen verringern. Kälte, Lymphdrainage und ein angepasster Lebensstil helfen gegen den wechselnden Anteil. Auf eine dauerhafte Wirkung sollte man dabei nicht hoffen, die Maßnahmen wirken nur, solange man sie anwendet.

Was nicht funktioniert: Cremes, Seren und Augenpads, die mit dem Versprechen beworben werden, Tränensäcke in wenigen Minuten verschwinden zu lassen. Solche Produkte ziehen die Haut kurzfristig zusammen oder kühlen sie. Das kann für einige Stunden einen glatteren Eindruck erzeugen. Das Fettgewebe hinter dem Septum erreichen sie nicht.

Wann eine Unterspritzung die Tränensäcke verschlimmert

Die Tränenrinne ist eine anspruchsvolle Region. Die Haut ist dünn, das Gewebe locker, und darunter liegen Gefäße, die geschont werden müssen. Wird hier zu viel oder zu oberflächlich gespritzt, kann das Material sichtbar werden, bläulich durchschimmern oder Flüssigkeit binden. Dann entsteht eine Schwellung, die sich wie ein zusätzlicher Tränensack anfühlt.

Besonders ungünstig ist eine Unterspritzung, wenn die Vorwölbung groß ist. Wer versucht, eine große Vorwölbung durch Auffüllen der Rinne auszugleichen, braucht viel Material. Das Gesicht wirkt dann am Unterlid aufgedunsen statt erholt. In dieser Situation ist eine Unterspritzung nicht der schonendere Weg, sondern der falsche.

Kommt es trotzdem zu einer Überkorrektur, lässt sich Hyaluronsäure mit dem Enzym Hyaluronidase wieder auflösen. Wie das funktioniert und welche Risiken dabei bestehen, beschreibt unser Beitrag Hyaluron auflösen – und warum es ohne Enzym nicht funktioniert. Besser ist es, eine Überkorrektur gar nicht erst entstehen zu lassen, und das beginnt bei der ehrlichen Einschätzung vor der Behandlung.

Wann nur eine Operation hilft

Eine ausgeprägte Fettvorwölbung ist ein chirurgisches Problem. Die einzige Methode, die das vorgefallene Fett tatsächlich entfernt oder zurückverlagert, ist die Unterlidplastik, in der Fachsprache Blepharoplastik. Dabei wird das Fettgewebe über einen feinen Schnitt direkt unter der Wimpernlinie oder über einen Zugang von der Innenseite des Lids erreicht, reduziert oder in die Rinne darunter umverteilt. Bei überschüssiger Haut wird zusätzlich ein schmaler Streifen Haut entfernt.

Der Zugang über die Lidinnenseite hinterlässt keine sichtbare Narbe und kommt vor allem bei jüngeren Patientinnen mit guter Hautqualität infrage, bei denen die Vorwölbung das Hauptproblem ist. Liegt zusätzlich schlaffe Haut vor, ist in der Regel der Zugang unter der Wimpernlinie nötig.

Eine Operation ist ein Eingriff mit eigenen Risiken: Blutergüsse und Schwellungen über ein bis zwei Wochen, selten Infektionen, Asymmetrien oder eine Veränderung der Lidstellung, bei der das Unterlid nach unten gezogen wird. Deshalb braucht es vorher eine gründliche Untersuchung, auch der Lidspannung und des Tränenflusses. Wer trockene Augen hat, sollte das vor jedem Eingriff am Lid ansprechen.

Die Frage ist also nicht, ob Operation oder Unterspritzung grundsätzlich besser ist. Die Frage ist, welche Ursache bei Ihnen im Vordergrund steht. Eine große Vorwölbung mit wenig Rinne spricht für die Operation. Eine kleine Vorwölbung mit tiefer Rinne spricht für den Ausgleich der Rinne. Viele Befunde liegen dazwischen, und genau dort ist eine ehrliche Beratung wichtiger als jede Methode.

Risiken und Nebenwirkungen der Behandlung ohne OP

Auch eine Unterspritzung der Tränenrinne ist ein ärztlicher Eingriff. Häufig sind Rötungen, Schwellungen und kleine Blutergüsse an der Einstichstelle, die sich meist innerhalb weniger Tage zurückbilden. Gelegentlich treten tastbare Knötchen oder Unebenheiten auf. Bei zu oberflächlicher Platzierung kann das Material bläulich durchschimmern.

Selten, aber ernst ist der Verschluss eines Blutgefäßes durch das Material. Er kann zu einer Durchblutungsstörung der Haut führen und in sehr seltenen Fällen das Sehvermögen gefährden. Dieses Risiko besteht in der Augenregion grundsätzlich. Deshalb gehört die Behandlung in ärztliche Hand, mit genauer Kenntnis der Anatomie, mit Techniken, die das Risiko senken, und mit einem Plan für den Notfall, einschließlich vorrätiger Hyaluronidase.

Die Wirkung eines Fillers in der Tränenrinne hält häufig länger als in beweglichen Gesichtsregionen, weil das Material hier wenig Bewegung ausgesetzt ist. Wie lange genau, ist individuell verschieden und lässt sich nicht versprechen. Kalkulieren Sie ein, dass eine Auffrischung irgendwann nötig wird.

Wann wir davon abraten

Es gibt Situationen, in denen wir von einer Unterspritzung der Tränenrinne abraten, auch wenn sie ausdrücklich gewünscht wird.

Bei einer großen Fettvorwölbung. Wie beschrieben, würde die Unterspritzung das Problem vergrößern statt lösen. Hier ist eine Unterlidplastik der richtige Weg, und wir sagen das offen.

Bei ausgeprägten wechselnden Schwellungen. Wer morgens regelmäßig stark geschwollene Unterlider hat, neigt zu Flüssigkeitseinlagerungen. Hyaluronsäure bindet Wasser und kann diese Neigung verstärken.

Bei medizinischen Gegenanzeigen. Dazu gehören Schwangerschaft und Stillzeit, akute Entzündungen oder Infektionen im Behandlungsgebiet, etwa ein Herpes oder eine Bindehautentzündung, eine bekannte Unverträglichkeit gegen Bestandteile des Präparats, Gerinnungsstörungen und die Einnahme blutverdünnender Medikamente ohne Rücksprache mit dem behandelnden Arzt sowie bestimmte Autoimmunerkrankungen.

Bei ungeklärten Schwellungen. Solange nicht klar ist, ob eine Erkrankung hinter den Schwellungen steckt, wird nicht behandelt. Erst die Abklärung, dann die Ästhetik.

Bei falschen Erwartungen. Eine Unterspritzung verändert Licht und Schatten, sie entfernt kein Gewebe. Wer erwartet, dass die Vorwölbung verschwindet, wird mit dem Ergebnis nicht zufrieden sein. Auch der Wunsch, möglichst viel Material in einer Sitzung einzubringen, ist ein Grund, innezuhalten. Unter dem Auge führt weniger meist zu einem natürlicheren Bild.

Tränensäcke behandeln: die Untersuchung entscheidet

Tränensäcke lassen sich nicht aus der Ferne beurteilen. Fotos geben einen ersten Eindruck, aber sie zeigen weder die Spannung des Unterlids noch die Qualität der Haut, noch wie sich die Vorwölbung beim Blick nach oben verändert. In der Untersuchung schauen wir uns das Unterlid in Ruhe und in Bewegung an, prüfen die Hautqualität, das Verhältnis von Vorwölbung zu Rinne und die Wangenregion, die oft mitbeteiligt ist.

Hilfreich ist es, zur Beratung ältere Fotos mitzubringen. Sie zeigen, ob die Tränensäcke veranlagt sind oder sich erst in den letzten Jahren entwickelt haben, und ob sie mit einem Volumenverlust der Wange einhergehen. Wie Augenringe insgesamt zu unterscheiden sind, erklärt unser Beitrag Augenringe: Ursachen unterscheiden und die passende Behandlung finden.

Am Ende der Beratung sollte eine klare Aussage stehen: Was ist die Ursache, was lässt sich ohne Operation erreichen, was nicht, und wie sieht der realistische Weg aus. Wenn der Befund für eine Operation spricht, sagen wir das, statt eine Behandlung anzubieten, die nur einen Teil des Problems berührt.

Fazit

Wer Tränensäcke behandeln lassen möchte, sollte zuerst klären, welche Form vorliegt. Morgendliche Schwellungen verlangen keinen Eingriff, sondern Geduld, Kälte und einen Blick auf Schlaf und Ernährung. Plötzliche, einseitige oder schmerzhafte Schwellungen gehören ärztlich abgeklärt. Eine anatomische Fettvorwölbung verschwindet durch keine Pflege und keine Injektion.

Ohne Operation lässt sich die Rinne unter der Vorwölbung ausgleichen und die Haut verbessern. Das kann bei kleinen bis mäßigen Befunden viel bewirken. Bei großen Vorwölbungen ist die Unterlidplastik der Weg, der die Ursache tatsächlich behebt. Der teuerste Fehler ist nicht die falsche Methode, sondern der Versuch, ein chirurgisches Problem mit einer Unterspritzung zu lösen. Er kostet Zeit, Geld und manchmal eine Korrektur.

Wenn Sie wissen möchten, welche Form bei Ihnen vorliegt und was in Ihrem Fall realistisch ist, können Sie über unsere Kontaktseite einen Termin zur Untersuchung in unserer Praxis in Hannover vereinbaren. Eine Übersicht über die Kosten der einzelnen Leistungen finden Sie auf unserer Preisseite.

Prof. Dr. Mohamed Omar, Chiq Aesthetics, Karmarschstraße 33–35, 30159 Hannover

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt kein ärztliches Beratungsgespräch. Ob eine Behandlung im Einzelfall geeignet ist, lässt sich nur nach persönlicher Untersuchung beurteilen.

Nicht jede Veränderung unter dem Auge ist ein Tränensack: Oft sind es feine Linien in der dünnen Haut des Unterlids, die ganz andere Ursachen haben. Woher diese Falten kommen und welche Ansätze dort sinnvoll sind, beschreibt der Beitrag Falten unter den Augen: woher die feinen Linien kommen und was wirklich hilft.


Passend dazu

bottom of page