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Falten unter den Augen: woher die feinen Linien kommen und was wirklich hilft

Autorenbild: Prof. Dr. Mohamed Omar
Prof. Dr. Mohamed Omar
19. Okt.
8 Min. Lesezeit

Falten unter den Augen gehören zu den ersten Zeichen, die viele Menschen an sich bemerken. Oft fallen sie zuerst im Spiegel am Morgen auf, manchmal erst auf einem Foto mit seitlichem Licht. Dabei sind es selten tiefe Furchen, sondern feine, knittrige Linien, die beim Lachen deutlicher werden und sich über den Tag mal stärker, mal schwächer zeigen.

Wer nach Hilfe sucht, findet zwei Lager: Cremes, die viel versprechen, und Behandlungen, die oft pauschal angeboten werden. Beides geht an der eigentlichen Frage vorbei. Entscheidend ist, was genau die Linien verursacht. Trockenheit, ein Verlust an Elastizität, Volumenverlust darunter oder überschüssige Haut verlangen jeweils etwas anderes.

Dieser Beitrag erklärt, warum die Haut unter den Augen so früh Falten zeigt, wie sich die verschiedenen Ursachen unterscheiden lassen, was Pflege leisten kann und welche Behandlungen in Frage kommen. Er benennt auch die Grenzen, denn gerade an dieser Stelle richtet eine falsch gewählte Methode mehr Schaden an als gar keine.

Warum die Haut unter den Augen so früh Falten zeigt

Die Haut am Unterlid gehört zu den dünnsten Hautarealen des Körpers. Sie besitzt kaum Unterhautfettgewebe, wenig Talgdrüsen und liegt direkt auf dem Ringmuskel des Auges. Dieser Muskel arbeitet ständig: beim Blinzeln, beim Lachen, beim Zusammenkneifen der Augen in hellem Licht. Jede dieser Bewegungen faltet die dünne Haut zusammen.

In jungen Jahren glättet sich die Haut nach jeder Bewegung sofort wieder. Kollagen und elastische Fasern halten sie gespannt, die Feuchtigkeit in der Haut polstert sie von innen. Mit den Jahren nimmt die Bildung von Kollagen ab, die elastischen Fasern werden weniger und ungeordneter. Die Haut kehrt langsamer in ihre Ausgangslage zurück, und aus Bewegungslinien werden mit der Zeit Ruhelinien.

Hinzu kommt das Licht. UV-Strahlung schädigt die Fasern in der Haut über Jahrzehnte, und die Augenpartie bekommt viel davon ab, weil Sonnenschutz dort häufig ausgespart wird. Auch Rauchen, chronischer Schlafmangel und häufiges Reiben, etwa bei Allergien oder beim Abschminken, beschleunigen den Prozess.

Auch die Veranlagung spielt mit. Manche Menschen haben von Natur aus eine besonders dünne, helle Haut am Unterlid, bei der feine Linien schon mit Ende zwanzig sichtbar werden. Andere behalten bis weit in die Vierziger eine glatte Augenpartie, obwohl sie ähnlich leben. Das ist kein Versäumnis in der Pflege, sondern schlicht Biologie.

Schließlich verändert sich das, was unter der Haut liegt. Das Fettpolster am Unterlid und an der Wange verliert an Volumen, der Knochen um die Augenhöhle bildet sich langsam zurück. Die Haut liegt dann weniger gestützt auf, und feine Falten wirken tiefer, als sie eigentlich sind.

Falten unter den Augen, Augenringe oder Tränensäcke: was liegt vor

Im Alltag werden drei verschiedene Befunde oft mit denselben Worten beschrieben. Für die Behandlung ist die Unterscheidung jedoch entscheidend, denn was beim einen hilft, kann beim anderen schaden.

Feine Falten unter den Augen sind ein Problem der Hautqualität. Die Haut ist dünn, trocken oder hat an Spannkraft verloren. Typisch ist ein knittriges Bild, das sich verstärkt, wenn man lächelt, und das sich mit zwei Fingern leicht glatt ziehen lässt. Die Farbe der Haut ist dabei meist unverändert, und eine Wölbung fehlt.

Augenringe sind dagegen Schatten oder Verfärbungen. Sie entstehen durch durchscheinende Gefäße, durch Pigment oder durch eine Vertiefung zwischen Unterlid und Wange, die sogenannte Tränenrinne. Welche Form vorliegt, erklärt der Beitrag Augenringe: Ursachen unterscheiden und die passende Behandlung finden ausführlicher.

Tränensäcke schließlich sind Vorwölbungen. Hier drückt Fettgewebe aus der Augenhöhle nach vorn, weil die haltende Bindegewebsschicht nachgibt. Unter einer Wölbung bildet sich oft eine Falte, die man leicht für eine reine Hautfalte hält. Wird sie mit einem Filler behandelt, verstärkt sich das Problem meist, statt zu verschwinden.

Bei vielen Menschen liegen mehrere Befunde gleichzeitig vor. Deshalb steht am Anfang jeder sinnvollen Behandlung eine Untersuchung im Sitzen und in wechselndem Licht, mit und ohne Mimik. Erst dann lässt sich sagen, welcher Anteil das Bild bestimmt.

Ein einfacher Hinweis lässt sich auch zu Hause prüfen. Wenn Sie den Kopf leicht nach unten neigen und in einen Spiegel über sich schauen, treten Wölbungen und Schatten deutlicher hervor, während feine Hautfalten kaum stärker werden. Diese Beobachtung ersetzt keine Untersuchung, hilft aber, die eigenen Fragen für das Gespräch zu sortieren.

Plötzlich tiefe Falten unter den Augen: was dahinterstecken kann

Viele berichten, die Falten seien praktisch über Nacht aufgetaucht. Tatsächlich entwickeln sie sich meist über Jahre, werden aber an einem bestimmten Punkt sichtbar, an dem mehrere Faktoren zusammenkommen. Das kann eine Phase mit wenig Schlaf sein, ein trockener Winter mit Heizungsluft oder eine Zeit, in der viel Gewicht verloren wurde.

Gerade der Gewichtsverlust spielt eine unterschätzte Rolle. Wenn das Fettpolster im Gesicht schrumpft, fehlt der Haut am Unterlid die Unterlage. Die Haut selbst ist dann nicht schlechter geworden, sie liegt nur lockerer auf. In diesem Fall hilft keine Creme, weil das Problem eine Etage tiefer liegt.

Auch Austrocknung kann Falten kurzfristig vertiefen. Trockene Haut zeigt Linien deutlicher, die sich nach einigen Tagen konsequenter Pflege wieder abschwächen. Wer also nach einer anstrengenden Woche einen deutlichen Unterschied bemerkt, sollte zunächst abwarten, bevor er eine Behandlung plant.

Treten Falten zusammen mit einer Schwellung, Rötung, Juckreiz oder schuppender Haut auf, steckt mitunter eine Reizung oder ein Ekzem dahinter. Dann gehört der Befund zuerst in hautärztliche Hände. Eine ästhetische Behandlung auf entzündeter Haut ist nicht sinnvoll.

Was Pflege und Alltag leisten und wo sie aufhören

Pflege kann viel, wenn man ihre Grenzen kennt. Eine gut verträgliche, feuchtigkeitsspendende Augencreme macht Trockenheitsfältchen weniger sichtbar, weil die oberste Hautschicht praller wird. Der Effekt ist real, aber er hält nur so lange, wie man die Creme verwendet.

Bei Wirkstoffen aus der Gruppe der Retinoide ist die Studienlage für die Haut im Gesicht vergleichsweise gut. Sie können die Erneuerung der Haut anregen und auf Dauer die Struktur verbessern. Die Haut unter den Augen reagiert jedoch empfindlich, deshalb sollte man niedrig dosiert beginnen und auf Rötung oder Brennen achten.

Der wichtigste Schutz ist der Sonnenschutz. Täglich aufgetragen, verlangsamt er den Abbau der Fasern, die die Haut glatt halten. Eine Sonnenbrille hilft doppelt: Sie schützt vor Licht und verhindert, dass man die Augen ständig zusammenkneift.

Was Pflege nicht kann: verlorenes Volumen ersetzen, überschüssige Haut straffen oder einen Tränensack zurückdrängen. Wer nach mehreren Monaten konsequenter Pflege keinen Unterschied sieht, hat sehr wahrscheinlich ein Problem, das tiefer liegt als die Hautoberfläche. Mit welchen Zeiträumen man bei den einzelnen Verfahren rechnen muss, zeigt der Beitrag Haltbarkeit im Vergleich: wie lange hält welche Behandlung.

Welche Behandlungen bei Falten unter den Augen in Frage kommen

Welche Methode sinnvoll ist, richtet sich nach der Ursache. Bei Falten unter den Augen, die vor allem auf dünne und trockene Haut zurückgehen, setzen wir zunächst an der Hautqualität an. Erst wenn Volumen fehlt oder Haut übrig ist, kommen andere Verfahren in Betracht.

Skinbooster bringen nicht vernetzte oder nur leicht vernetzte Hyaluronsäure in vielen kleinen Depots in die Haut. Sie füllen keine Falte auf, sondern verbessern die Feuchtigkeit und Elastizität der Haut von innen. Für die dünne Haut am Unterlid ist das oft der passendere Ansatz als ein klassischer Filler. Wie das genau funktioniert, beschreibt die Seite zu Skinboostern.

Polynukleotide sind ein neueres Verfahren, das die Regeneration der Haut unterstützen soll. Erste Studien zeigen Verbesserungen der Hautstruktur, die Datenlage ist aber noch begrenzt und die Studien sind meist klein. Wir besprechen das offen, bevor jemand sich dafür entscheidet. Details stehen auf der Seite zu Polynukleotiden.

Microneedling und Mesotherapie setzen ebenfalls an der Hautqualität an. Beim Microneedling entstehen mit feinen Nadeln winzige Kanäle, die die Haut zur Erneuerung anregen, bei der Mesotherapie werden zusätzlich Wirkstoffe in die oberen Hautschichten eingebracht. Am Unterlid arbeiten wir dabei mit geringer Eindringtiefe und großer Vorsicht. Mehr dazu auf der Seite zu Mesotherapie und Needling.

PRP, also aufbereitetes Eigenplasma, wird ebenfalls an der Augenpartie eingesetzt. Auch hier ist die Studienlage gemischt: manche Untersuchungen zeigen eine Verbesserung der Hautqualität, andere kaum einen Unterschied. Was das Verfahren am Unterlid leisten kann, erklärt die Seite zu PRP an den Augen.

Hyaluronsäure-Filler sind bei feinen Falten unter den Augen selten die erste Wahl. Sie gleichen Volumen aus, etwa in einer tiefen Tränenrinne, aber direkt in die dünne Haut gespritzt können sie bläulich durchschimmern oder Wasser binden und eine Schwellung erzeugen. Wenn ein Filler sinnvoll ist, dann meist tiefer und mit kleinen Mengen.

Botulinumtoxin wird am äußeren Augenwinkel bei Krähenfüßen eingesetzt. Direkt unter dem Auge sind wir sehr zurückhaltend, weil der Ringmuskel dort das Unterlid stützt. Wird er zu stark entspannt, kann das Unterlid erschlaffen und eine Wölbung sogar deutlicher werden.

Operativ kommt eine Unterlidstraffung in Frage, wenn tatsächlich überschüssige Haut vorliegt oder ein Tränensack die Falten verursacht. Sie ist ein Eingriff mit Heilungszeit und eigenen Risiken, löst aber Probleme, die keine Injektion lösen kann. Wann eine Operation der sinnvollere Weg ist, beschreibt der Beitrag zum Thema Tränensäcke behandeln.

Fast alle Verfahren an der Hautqualität wirken nicht nach einer Sitzung. Rechnen Sie mit einer Serie von drei bis vier Terminen im Abstand einiger Wochen und mit Auffrischungen. Wer das von Anfang an einplant, erlebt weniger Enttäuschung.

Häufig ist eine Kombination sinnvoll, etwa ein Verfahren für die Hautqualität und, falls nötig, eine kleine Menge Volumen in der Tiefe. Wichtig ist die Reihenfolge: zuerst das, was die Ursache am stärksten beeinflusst, dann die Feinarbeit. Wer mit dem Filler beginnt, obwohl die Haut das eigentliche Problem ist, verschenkt Zeit und Geld.

Risiken und Nebenwirkungen

Die Haut unter den Augen ist dünn und gut durchblutet. Blaue Flecken nach Injektionen kommen deshalb häufiger vor als an anderen Stellen und können ein bis zwei Wochen sichtbar bleiben. Auch Schwellungen sind in den ersten Tagen üblich und am Morgen meist stärker.

Bei Hyaluronsäure kommen Knötchen, eine bläuliche Verfärbung bei zu oberflächlicher Lage und anhaltende Schwellungen vor. Selten, aber ernst, ist der Verschluss eines Gefäßes, wenn Material in ein Blutgefäß gelangt. Das erfordert sofortige Behandlung, unter anderem mit Hyaluronidase. Deshalb gehört eine Unterspritzung an dieser Stelle in ärztliche Hände.

Bei Botulinumtoxin am Unterlid drohen ein erschlafftes Unterlid, ein unvollständiger Lidschluss und trockene Augen. Diese Wirkungen gehen zurück, halten aber so lange an wie die Wirkung des Wirkstoffs selbst, also einige Monate.

Bei Verfahren wie PRP, Polynukleotiden oder Skinboostern stehen Rötung, Schwellung und kleine Blutergüsse im Vordergrund. Infektionen sind selten, wenn steril gearbeitet wird. Allergische Reaktionen auf Inhaltsstoffe sind möglich und werden vorher abgefragt.

Wann wir davon abraten

In der Schwangerschaft und Stillzeit führen wir keine Injektionen an der Augenpartie durch. Auch bei akuten Infektionen im Gesicht, etwa Herpes, Gerstenkorn oder einer Bindehautentzündung, warten wir ab, bis alles abgeheilt ist. Bei Gerinnungsstörungen oder der Einnahme von Blutverdünnern wägen wir sehr genau ab und sprechen uns gegebenenfalls mit dem behandelnden Arzt ab.

Bei bekannten Autoimmunerkrankungen, einer Neigung zu überschießender Narbenbildung oder bei Unverträglichkeiten gegen Bestandteile der Präparate ist Zurückhaltung geboten. Wer an einer neuromuskulären Erkrankung leidet, sollte kein Botulinumtoxin erhalten.

Wir raten außerdem ab, wenn die Erwartung nicht zur Methode passt. Wer sich von einer Behandlung der Hautqualität eine völlig glatte Haut unter den Augen erhofft, wird enttäuscht sein. Feine Linien beim Lachen gehören zu einem lebendigen Gesicht, und ein Gesicht ohne jede Bewegung um die Augen wirkt nicht jünger, sondern starr.

Ebenso raten wir ab, einen Tränensack mit einem Filler zu kaschieren. Das kann kurzfristig glätten, macht die Wölbung auf Dauer aber oft schwerer und eine spätere Operation aufwendiger.

Fazit

Falten unter den Augen sind kein einheitliches Problem. Hinter demselben Spiegelbild können trockene Haut, nachlassende Elastizität, fehlendes Volumen oder überschüssige Haut stecken, und jede dieser Ursachen verlangt etwas anderes. Wer das nicht unterscheidet, wählt leicht eine Methode, die an der falschen Stelle ansetzt.

Für die meisten Menschen mit feinen Linien ist die Konsequenz unspektakulär: guter Sonnenschutz, eine verträgliche Pflege und, wenn das nicht reicht, ein Verfahren, das die Hautqualität verbessert, statt aufzufüllen. Ein Filler oder eine Operation ist erst dann der richtige Schritt, wenn die Untersuchung zeigt, dass das Problem tiefer liegt.

Wenn Sie wissen möchten, welche Ursache bei Ihnen im Vordergrund steht, nehmen wir uns in unserer Praxis in Hannover Zeit für eine gründliche Untersuchung. Sie erreichen uns über die Seite Kontakt.

Prof. Dr. Mohamed Omar, Chiq Aesthetics, Karmarschstraße 33–35, 30159 Hannover

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt kein ärztliches Beratungsgespräch. Ob eine Behandlung im Einzelfall geeignet ist, lässt sich nur nach persönlicher Untersuchung beurteilen.


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