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Krähenfüße: warum sie entstehen und wann eine Behandlung sinnvoll ist

Autorenbild: Prof. Dr. Mohamed Omar
Prof. Dr. Mohamed Omar
28. Aug.
8 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 2 Tagen

Von allen mimischen Falten des Gesichts sind Krähenfüße die sympathischsten. Sie entstehen beim Lachen, sie sitzen dort, wo ein Gesicht freundlich wird, und sie gehören zu den wenigen Falten, die in der Wahrnehmung anderer Menschen selten als Makel ankommen. Ein Gesicht, in dem sich um die Augen nichts mehr bewegt, wirkt oft nicht jünger, sondern distanzierter.

Das ist kein Argument gegen eine Behandlung, aber es verschiebt die Frage. Sie lautet nicht: Wie bekomme ich diese Fältchen weg? Sie lautet: Sind sie so ausgeprägt, dass sie auch in Ruhe stören — und was ist in diesem Fall ein maßvoller Weg?

Dieser Beitrag erklärt, wie Krähenfüße entstehen, warum sie oft früher auftreten als andere Falten, welche Faktoren sie verstärken, was eine Behandlung leisten kann und wo sie an ihre Grenzen kommt. Und er nennt die Situationen, in denen wir von einer Behandlung abraten.

Was sind Krähenfüße — und warum sitzen sie ausgerechnet dort

Krähenfüße sind die fächerförmigen Fältchen, die vom äußeren Augenwinkel nach außen laufen. Der Name beschreibt das Bild recht genau: mehrere feine Linien, die sich von einem Punkt aus auffächern. Umgangssprachlich heißen sie Lachfältchen — und dieser Begriff trifft die Entstehung sogar besser.

Verantwortlich ist ein einzelner Muskel, der Musculus orbicularis oculi. Er verläuft ringförmig um die Augenhöhle und schließt das Lid. Jedes Mal, wenn Sie blinzeln, zusammenkneifen oder lächeln, zieht er sich zusammen und schiebt die darüberliegende Haut in Falten. Weil die Muskelfasern ringförmig verlaufen, stehen die entstehenden Linien quer dazu — deshalb der Fächer nach außen.

Anfangs sind diese Linien reine Bewegungsfalten: Sie erscheinen beim Lächeln und verschwinden wieder, sobald das Gesicht ruht. Mit den Jahren hinterlässt die immer gleiche Faltung eine bleibende Spur in der Haut. Aus einer dynamischen Falte wird eine statische. Diese Unterscheidung ist für die Behandlung entscheidend, und wir kommen weiter unten darauf zurück.

Warum die Haut am Auge früher Falten zeigt als anderswo

Viele Menschen bemerken Krähenfüße als erste Falte überhaupt — oft deutlich vor Stirn- oder Nasolabialfalten. Dafür gibt es drei nüchterne anatomische Gründe.

Die Haut der Augenregion ist die dünnste des gesamten Gesichts. Was sie an Substanz nicht hat, kann sie an Faltung nicht abpuffern. Hinzu kommt, dass unter dieser Haut kaum Unterhautfettgewebe liegt. Fett wirkt an anderen Stellen wie ein Polster, das Bewegung verteilt; hier fehlt dieses Polster weitgehend, sodass die Haut der Muskelbewegung fast unmittelbar folgt.

Der dritte Grund ist schlicht Häufigkeit. Der Lidschluss ist eine der meistwiederholten Bewegungen des Körpers überhaupt — wir blinzeln unwillkürlich und den ganzen Tag. Kein anderer mimischer Muskel arbeitet so oft. Dünne Haut, wenig Polster und sehr hohe Bewegungsfrequenz ergeben zusammen die Region, in der sich Mimik am frühesten einschreibt.

Was Krähenfüße im Gesicht verstärkt — und was Sie selbst dagegen tun können

Die Veranlagung und die Mimik selbst lassen sich nicht ändern. Mehrere Faktoren, die den Prozess beschleunigen, aber sehr wohl.

UV-Strahlung ist der mit Abstand größte einzelne Faktor. Sie schädigt Kollagen- und Elastinfasern in der Lederhaut und lässt die Haut ihre Rückstellkraft verlieren. Eine Falte, die sich nach dem Lächeln nicht mehr vollständig zurückbildet, ist meistens eine Folge dieses Verlusts. Konsequenter Sonnenschutz ist deshalb keine Nebensache, sondern die wirksamste vorbeugende Maßnahme, die es in diesem Zusammenhang gibt — und sie kostet praktisch nichts. Eine Sonnenbrille mit ausreichendem UV-Schutz wirkt doppelt: Sie schützt die Haut und verhindert gleichzeitig das reflexhafte Zusammenkneifen bei Blendung.

Rauchen wirkt in dieselbe Richtung. Es verschlechtert die Durchblutung der Haut und greift in den Kollagenstoffwechsel ein; das gespitzte Zusammenkneifen der Augen im Rauch kommt hinzu.

Schlafmangel lässt die Augenregion kurzfristig müder und faltiger erscheinen. Dieser Effekt ist reversibel, verzerrt aber die Selbstwahrnehmung — beurteilen Sie Ihre Augenpartie nicht nach einer kurzen Nacht.

Unkorrigierte Fehlsichtigkeit ist der Faktor, der am häufigsten übersehen wird. Wer über Jahre die Augen zusammenkneift, um scharf zu sehen, trainiert genau die Muskelbewegung, die die Falten erzeugt. Wenn Sie bemerken, dass Sie beim Lesen, am Bildschirm oder im Straßenverkehr blinzeln und kneifen, ist eine augenärztliche oder optometrische Abklärung sinnvoll — medizinisch ohnehin, und in diesem Zusammenhang zusätzlich.

Pflegeprodukte können in diesem Gefüge unterstützen, aber sie können die Ursache nicht aufheben. Eine gut abgestimmte Augenpflege verbessert den Feuchtigkeitsgehalt und damit die Optik feiner Linien. Sie entspannt keinen Muskel und baut keine Haut wieder auf, die über Jahre UV-geschädigt wurde. Wer nur eine einzige Maßnahme umsetzen möchte, sollte den Sonnenschutz wählen, nicht die Creme.

Dynamisch oder statisch: die Unterscheidung, die alles entscheidet

Vor jeder Behandlungsüberlegung steht eine einfache Prüfung. Halten Sie Ihr Gesicht vollkommen ruhig, ohne zu lächeln. Sind die Fältchen dann noch sichtbar?

Nur bei Bewegung sichtbar (dynamisch). Die Haut selbst ist intakt, die Linien entstehen ausschließlich durch die Muskelkontraktion. Hier ist eine Behandlung des Muskels der logische Ansatz, weil sie genau an der Ursache greift.

Auch in Ruhe sichtbar (statisch). Die Falte ist bereits in die Haut eingeschrieben. Eine Muskelbehandlung nimmt dann den Anteil heraus, der aus der Bewegung stammt, und lässt der Haut Zeit, sich zumindest teilweise zu erholen. Die eingegrabene Linie verschwindet dadurch in aller Regel nicht vollständig. Wer das weiß, bevor er sich entscheidet, bewertet das Ergebnis später anders.

Ob man Lachfältchen behandeln lässt, ist danach keine Geschmacksfrage mehr, sondern eine Frage des Befunds: Dynamische Falten sprechen anders an als statische, und beide brauchen unterschiedliche Verfahren.

Diese Einordnung nehmen wir bei jeder Beratung in Hannover vor, bevor über ein Verfahren gesprochen wird — sie bestimmt, ob überhaupt behandelt wird und womit.

Krähenfüße an den Augen mit Botulinumtoxin behandeln

Das medizinische Standardverfahren für dynamische Krähenfüße ist die Injektion von Botulinumtoxin. Es handelt sich um ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel, das ausschließlich ärztlich angewendet werden darf; die Auswahl und Dosierung erfolgt nach persönlicher Untersuchung.

Wirkprinzip und Zeitverlauf

Botulinumtoxin hemmt die Signalübertragung zwischen Nerv und Muskel. Der behandelte Anteil des Augenringmuskels zieht sich dadurch schwächer zusammen, die Haut wird beim Lächeln weniger stark gefaltet.

Die Wirkung setzt nicht sofort ein. Erste Veränderungen zeigen sich typischerweise nach einigen Tagen, das endgültige Bild lässt sich in der Regel nach etwa zwei Wochen beurteilen. Deshalb erfolgt eine Nachkontrolle sinnvollerweise erst in diesem Abstand und nicht früher.

Die Wirkung ist zeitlich begrenzt. Der Muskel nimmt seine Funktion nach einigen Monaten wieder auf; die Dauer schwankt individuell und hängt unter anderem von Dosis, Muskelstärke und Stoffwechsel ab. Eine Behandlung ist damit keine einmalige Entscheidung, sondern eine wiederkehrende.

Warum diese Region besondere Zurückhaltung verlangt

Die Augenregion unterscheidet sich in einem wesentlichen Punkt von Stirn oder Glabella: Der Muskel, um den es geht, hat eine wichtige Funktion. Er schließt das Lid, verteilt den Tränenfilm und schützt das Auge. Er darf geschwächt, aber nicht ausgeschaltet werden.

Dazu kommt der ästhetische Aspekt. Das Lächeln entsteht im Zusammenspiel von Mund- und Augenpartie. Wird der Augenringmuskel zu großflächig oder zu stark behandelt, verändert sich der Ausdruck — das Lächeln kann starr oder unecht wirken, obwohl die Fältchen verschwunden sind. Das ist kein seltener Ausnahmefall, sondern die typische Folge einer zu ambitionierten Dosierung.

Aus beiden Gründen wird in dieser Region grundsätzlich zurückhaltend dosiert, mit klarem Abstand zum knöchernen Augenhöhlenrand und ohne den Anspruch, jede Linie zu tilgen. Wer besonders vorsichtig vorgehen möchte, findet in einem bewusst niedrig dosierten Vorgehen den passenden Rahmen. Details zum Ablauf in dieser Region haben wir auf der Seite zur Behandlung von Krähenfüßen zusammengefasst.

Wenn die Muskelbehandlung allein nicht reicht

Bei statisch eingegrabenen Fältchen stößt die Muskelbehandlung an eine Grenze, die in ihrem Wirkprinzip liegt: Sie beeinflusst Bewegung, nicht Hautbeschaffenheit. Ist die Haut dünn, trocken und arm an Kollagen, bleibt die Linie sichtbar, auch wenn der Muskel ruhiger ist.

Sinnvoll ergänzen lässt sich das durch Verfahren, die auf die Qualität der Haut selbst zielen. Skinbooster verbessern über schwach vernetzte Hyaluronsäure die Feuchtigkeitsbindung im Gewebe. Microneedling und Mesotherapie setzen über kontrollierte Mikroverletzungen beziehungsweise eingebrachte Wirkstoffe einen Reiz zur Kollagenbildung. Beide Wege wirken langsam, über Wochen und über mehrere Sitzungen — sie sind eine Investition in die Hautqualität, keine schnelle Korrektur.

Ein Punkt, der offen gesagt gehört: Klassische, stärker vernetzte Filler spielen am äußeren Augenwinkel praktisch keine Rolle. Die Haut ist zu dünn und der Raum zu knapp, um Volumen unauffällig unterzubringen; das Risiko sichtbarer Unregelmäßigkeiten steht in keinem Verhältnis zum Nutzen. Wenn Ihnen jemand Krähenfüße mit Unterspritzung von Volumen anbietet, ist Nachfragen angebracht.

Warum man Krähenfüße nicht isoliert betrachten sollte

Die obere Gesichtshälfte funktioniert als Einheit. Wer ausschließlich die Krähenfüße behandelt und die Zornesfalte zwischen den Brauen unbehandelt lässt, kann ein unausgewogenes Bild erzeugen: Die Augenpartie ist entspannt, die Glabella arbeitet unverändert weiter, und der Gesamtausdruck bleibt angespannt oder wirkt sogar strenger als vorher. Ob eine Mitbehandlung sinnvoll ist, entscheidet der Befund — die Frage sollte aber gestellt werden.

Ebenfalls klar zu trennen sind Krähenfüße von der Problematik der Augenringe und der Tränenrinne. Beide werden oft im selben Atemzug genannt, weil beide die Augenregion betreffen und beide für einen müden Eindruck sorgen. Sie haben aber nichts miteinander zu tun: Krähenfüße sitzen außen und entstehen durch Muskelbewegung; Augenringe und Tränenrinne liegen unterhalb des Auges und beruhen auf Volumenverlust, Schattenwurf oder Pigmentierung. Wer das eine behandelt, verändert das andere nicht.

Risiken und mögliche Nebenwirkungen

Jede Injektion in diese Region ist ein Eingriff mit Risiken. Die folgenden gehören ins Gespräch, bevor eine Entscheidung fällt.

Blutergüsse. Die Augenregion ist dicht mit feinen Gefäßen versorgt und neigt deutlich stärker zu Einblutungen als andere Gesichtsareale. Ein sichtbarer Bluterguss ist hier keine Seltenheit; er kann mehrere Tage bis über eine Woche bestehen und lässt sich mit Make-up abdecken, aber nicht verhindern. Wer einen wichtigen Termin vor sich hat, sollte zeitlich planen.

Schwellung und Rötung an den Einstichstellen, meist kurzzeitig.

Asymmetrisches Lächeln oder verändertes Ausdrucksbild, wenn die Wirkung auf beiden Seiten unterschiedlich ausfällt oder benachbarte Muskelanteile miterfasst werden.

Beeinträchtigung des Lidschlusses und herabhängendes Unterlid. Bei zu tiefer, zu weit unten oder zu ausgedehnt gesetzter Injektion können Muskelanteile miterfasst werden, die für den vollständigen Lidschluss und die Position des Unterlids zuständig sind. Das ist selten, aber real. Die Folge kann ein unvollständiger Lidschluss oder ein sichtbar tiefer stehendes Unterlid sein.

Trockene Augen und Fremdkörpergefühl. Der Lidschlag verteilt den Tränenfilm. Wird er schwächer, kann sich eine vorbestehende Trockenheit verstärken oder erstmals auftreten.

Kopfschmerzen und grippeähnliches Gefühl in den ersten Tagen sind beschrieben.

Diese unerwünschten Wirkungen bilden sich zurück, wenn die Wirkung des Präparats nachlässt — aber eben erst dann, und das kann Wochen bis Monate dauern. Eine unerwünschte Wirkung lässt sich in dieser Region nicht kurzfristig rückgängig machen. Das ist der stärkste Grund für eine zurückhaltende Dosierung und für die sorgfältige Auswahl der behandelnden Person.

Wann wir davon abraten

Schwangerschaft und Stillzeit. Es wird nicht behandelt. Aus Vorsicht, da belastbare Daten fehlen.

Neuromuskuläre Erkrankungen. Myasthenia gravis, Lambert-Eaton-Syndrom und verwandte Erkrankungen sind eine Gegenanzeige, weil die Wirkung unvorhersehbar verstärkt ausfallen kann.

Infektion im Behandlungsgebiet. Eine Lidrandentzündung, eine Bindehautentzündung oder ein Herpes in der Augenregion ist ein Grund zu verschieben, nicht abzuwägen.

Vorbestehende Lidschlussprobleme. Wer nach einer Fazialisparese, nach Lidoperationen oder aus anderen Gründen das Auge nicht vollständig schließt, wird an diesem Muskel nicht behandelt. Das Risiko für die Hornhaut ist zu hoch.

Bekanntes Trockenes-Auge-Syndrom. Eine bestehende Sicca-Symptomatik kann sich verschlechtern. Hier ist gegebenenfalls die augenärztliche Einschätzung vorrangig.

Ausgeprägte Hauterschlaffung am Unterlid. Wenn nicht die Mimik, sondern der Elastizitätsverlust der Haut im Vordergrund steht, ist eine Muskelbehandlung das falsche Verfahren. Sie kann den Eindruck sogar verstärken, weil der Muskeltonus wegfällt, der die erschlaffte Haut bisher gestrafft hat.

Bekannte Unverträglichkeit gegenüber einem Bestandteil des Präparats.

Die Erwartung, dass die Fältchen beim Lachen vollständig verschwinden. Das ist mit einer verantwortungsvoll dosierten Behandlung nicht erreichbar und auch nicht das Ziel. Wer diese Zusage sucht, wird sie bei uns nicht bekommen.

Der Wunsch nach einem gänzlich bewegungslosen Ausdruck. Ein Gesicht, das um die Augen nicht mehr reagiert, wirkt nicht jünger. Es wirkt verschlossen. Wenn dieser Wunsch im Gespräch auftaucht, sprechen wir ihn an, statt ihn umzusetzen.

Fazit

Krähenfüße sind die Falten, bei denen sich die Frage nach dem richtigen Maß am deutlichsten stellt. Sie entstehen aus einer Bewegung, die man niemandem nehmen möchte, und sie sitzen in der empfindlichsten Region des Gesichts — dünne Haut, wenig Polster, ein funktionell wichtiger Muskel.

Daraus folgt eine nüchterne Reihenfolge. Zuerst kommt das, was nichts kostet und am meisten bewirkt: konsequenter UV-Schutz, eine Sonnenbrille, eine korrigierte Sehschärfe. Dann die Frage, ob die Fältchen dynamisch oder statisch sind — davon hängt ab, ob überhaupt der Muskel oder eher die Hautqualität behandelt gehört. Und erst am Ende, zurückhaltend dosiert, die Injektion. Wer diese Reihenfolge umdreht, behandelt mehr, als nötig wäre.

Wenn Sie einordnen möchten, wo Ihre Augenpartie zwischen diesen Punkten steht und ob eine Behandlung in Ihrem Fall überhaupt sinnvoll ist, sehen wir uns das in Ruhe an — auch mit dem möglichen Ergebnis, dass wir davon abraten. Sie erreichen uns über unser Kontaktformular oder telefonisch.

Warum die Zornesfalte oft schon früher sichtbar wird als Krähenfüße, lesen Sie in Zornesfalte: warum sie oft schon früh entsteht und wie sie behandelt wird.

Prof. Dr. Mohamed Omar, Chiq Aesthetics, Karmarschstraße 33–35, 30159 Hannover

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt kein ärztliches Beratungsgespräch. Ob eine Behandlung im Einzelfall geeignet ist, lässt sich nur nach persönlicher Untersuchung beurteilen.

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