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Schlaffalten: warum sie entstehen und was gegen die Falten vom Kissen hilft

Autorenbild: Prof. Dr. Mohamed Omar
Prof. Dr. Mohamed Omar
vor 6 Tagen
8 Min. Lesezeit

Viele Menschen kennen das: Am Morgen zieht sich eine Linie quer über die Wange oder schräg über die Stirn, die am Abend noch nicht da war. In jüngeren Jahren ist sie nach einer Stunde verschwunden. Irgendwann bleibt sie bis zum Mittag, und schließlich ist sie auch am Abend noch zu sehen. Aus dem Abdruck des Kissens ist eine Falte geworden. Solche Schlaffalten betreffen vor allem Menschen, die auf der Seite oder auf dem Bauch schlafen, und sie zeigen sich meist ab dem mittleren Lebensalter, bei manchen auch schon früher.

Schlaffalten sind ein eigener Faltentyp, der sich von Mimikfalten deutlich unterscheidet. Sie entstehen nicht durch Muskelarbeit, sondern durch Druck und Zug im Schlaf. Das hat Folgen für die Behandlung, denn was gegen Lachfalten oder die Zornesfalte hilft, wirkt bei Schlaffalten oft nicht. Dieser Beitrag erklärt, wie Schlaffalten entstehen, woran man sie erkennt, was Schlafposition, Kissen und Pflege bewirken, welche Behandlungen sinnvoll sind und wann wir abraten.

Was Schlaffalten sind und wie sie entstehen

Wer auf der Seite oder auf dem Bauch schläft, drückt das Gesicht über Stunden gegen das Kissen. Dabei wirkt nicht nur Druck, sondern auch Scherkraft: Die Haut wird gestaucht, verschoben und in eine Richtung gezogen, die sie im Wachzustand nie einnimmt. Jede Nacht, oft sieben bis acht Stunden lang, an denselben Stellen.

Junge Haut steckt das weg. Sie enthält viel Kollagen und elastische Fasern und federt nach dem Aufstehen schnell zurück. Mit den Jahren nimmt diese Spannkraft ab. Die Haut braucht länger, um sich zu glätten, und irgendwann reicht die Zeit zwischen zwei Nächten nicht mehr aus. Die Linie wird dauerhaft.

Dazu kommt, dass die meisten Menschen eine Lieblingsseite haben. Wer seit Jahrzehnten bevorzugt auf der rechten Seite schläft, hat dort meist deutlichere Linien als links. Diese Asymmetrie ist eines der verlässlichsten Zeichen dafür, dass eine Falte im Schlaf entstanden ist und nicht durch Mimik. Sie fällt vielen Betroffenen erst auf, wenn sie Fotos von vorn genau betrachten.

Typische Stellen sind die seitliche Stirn, die Schläfe, die Wange zwischen Auge und Mundwinkel und der Bereich neben dem äußeren Augenwinkel. Auch am Dekolleté entstehen Schlaffalten, wenn man auf der Seite liegt und die Brust gegen den Oberkörper gedrückt wird. Welche Rolle Schlafposition und Hautqualität dort spielen, beschreibt der Beitrag Falten am Dekolleté: woher sie kommen und was die Haut wirklich verbessert.

Schlaffalten oder Mimikfalten: wie man sie unterscheidet

Die Unterscheidung ist wichtig, weil die beiden Faltentypen unterschiedlich behandelt werden. Mimikfalten entstehen dort, wo Muskeln die Haut bei Bewegung falten. Sie verlaufen quer zur Zugrichtung des Muskels: Querfalten auf der Stirn, Krähenfüße strahlenförmig am Auge, die senkrechte Zornesfalte zwischen den Brauen.

Schlaffalten folgen keiner Muskelrichtung. Sie verlaufen häufig schräg oder senkrecht, oft auf einer Gesichtshälfte stärker als auf der anderen, nämlich auf der Seite, auf der man bevorzugt schläft. An der Stirn kreuzen sie manchmal die waagerechten Mimikfalten. Neben dem Auge stehen sie eher senkrecht, während die Krähenfüße waagerecht oder fächerförmig verlaufen.

Ein einfacher Hinweis: Mimikfalten werden tiefer, wenn man die entsprechende Grimasse zieht, und flacher, wenn man das Gesicht entspannt. Schlaffalten verändern sich bei Mimik kaum. Sie sind morgens am deutlichsten und werden im Laufe des Tages etwas weicher, solange sie noch nicht vollständig eingeprägt sind.

In der Praxis kommen oft Mischformen vor. Eine Krähenfußfalte kann durch nächtlichen Druck zusätzlich vertieft werden, und eine Querfalte auf der Stirn wird von einer schrägen Schlaffalte gekreuzt. Gerade an der Stirn und an den Schläfen ist die Einordnung deshalb nicht immer eindeutig. Eine Untersuchung in Ruhe und in Bewegung, möglichst zu unterschiedlichen Tageszeiten, schafft hier Klarheit.

Was sind die Ursachen für Gesichtsfalten insgesamt?

Schlaffalten sind ein Baustein im Gesamtbild der Hautalterung. Jede Falte im Gesicht hat einen oder mehrere von vier Hauptursachen. Erstens die innere Alterung: Mit den Jahren bildet die Haut weniger Kollagen und elastische Fasern, sie wird dünner und weniger widerstandsfähig. Zweitens die äußere Alterung, vor allem durch UV-Licht und Rauchen, die das Bindegewebe zusätzlich schädigen.

Drittens die Mimik, die über Jahre an immer denselben Stellen faltet. Viertens der Volumenverlust, bei dem Fett und Knochen im Gesicht abnehmen und die Haut ihre Stütze verliert. Schlaffalten gehören in eine fünfte, oft übersehene Gruppe: die mechanischen Falten durch äußeren Druck.

Diese Einteilung erklärt, warum eine einzelne Behandlung selten alle Falten verändert. Wer Schlaffalten, Mimikfalten und Volumenverlust gleichzeitig hat, braucht für jeden Anteil eine eigene Überlegung. Wie man Faltenbildung insgesamt verlangsamt und ab wann eine Behandlung sinnvoll ist, erklärt der Beitrag Falten vorbeugen: was wirklich wirkt und ab wann eine Behandlung sinnvoll ist.

Schlafposition, Kissen und Seide: was wirklich hilft

Der wirksamste Schutz vor Schlaffalten ist die Rückenlage. Wer auf dem Rücken schläft, hat keinen Druck auf dem Gesicht. Das ist leicht gesagt und schwer umgesetzt, denn die bevorzugte Schlafposition ist tief verankert. Viele Menschen drehen sich im Schlaf unbewusst auf die Seite, auch wenn sie auf dem Rücken einschlafen. Ein Kissen, das den Kopf gut stützt, und eine Nackenrolle können helfen, die Rückenlage länger zu halten.

Die Umstellung braucht Geduld. Wer jahrelang auf der Seite geschlafen hat, gewöhnt sich meist erst nach einigen Wochen an die Rückenlage, und manchen gelingt es gar nicht. Ein Kissen unter den Knien entlastet den unteren Rücken und macht die Position für viele angenehmer. Wer aus gesundheitlichen Gründen, etwa wegen nächtlicher Atemaussetzer oder Rückenbeschwerden, auf der Seite liegen soll, sollte das nicht für die Haut ändern. Die Gesundheit geht in jedem Fall vor.

Für Seitenschläfer gibt es Kissen mit Aussparungen oder seitlichen Mulden, die die Wange entlasten. Ihre Wirkung ist plausibel, weil sie den Druck verringern, aber gut untersucht ist sie nicht. Seidenbezüge reduzieren die Reibung im Vergleich zu Baumwolle. Auch hier ist die Logik nachvollziehbar, belastbare Studien fehlen jedoch. Wer sich auf Seide wohler fühlt, kann sie nutzen. Ein Wundermittel ist sie nicht.

Was sich sicher sagen lässt: Je früher man den nächtlichen Druck verringert, desto weniger prägen sich Schlaffalten ein. Bei bereits tiefen Linien verhindert eine geänderte Schlafposition, dass sie tiefer werden, sie lässt sie aber nicht verschwinden.

Soll man sein Gesicht vor dem Schlafen eincremen?

Ja, eine Pflege am Abend ist sinnvoll, wenn auch aus anderen Gründen, als die Werbung oft nahelegt. Gut durchfeuchtete, geschmeidige Haut ist widerstandsfähiger gegen mechanische Belastung und erholt sich schneller. Eine reichhaltigere Nachtpflege kann die Hautbarriere stärken und morgendliche Abdrücke etwas abschwächen.

Wirkstoffe mit belegtem Nutzen für die Hautalterung sind vor allem Vitamin-A-Abkömmlinge wie Retinol, die den Kollagenaufbau anregen. Sie werden abends aufgetragen, weil sie lichtempfindlich machen. Ein Effekt zeigt sich erst nach Monaten regelmäßiger Anwendung. In Schwangerschaft und Stillzeit sollten sie nicht verwendet werden. Morgens ist dagegen Sonnenschutz die wichtigste Maßnahme, denn UV-Licht schwächt genau das Bindegewebe, das Schlaffalten widerstehen müsste.

Was Pflege nicht kann: eine bereits eingeprägte Schlaffalte glätten. Dafür reicht die Wirkung von außen aufgetragener Produkte nicht in die Tiefe der Lederhaut.

Für frische Abdrücke am Morgen hilft etwas anderes: Zeit, ein wenig Kühlung und eine leichte Feuchtigkeitspflege. Die Haut entspannt sich dann schneller. Wer bemerkt, dass solche Abdrücke immer länger sichtbar bleiben, erhält damit einen frühen Hinweis, dass die Elastizität nachlässt, und kann mit Vorbeugung beginnen, bevor die Linien bleiben.

Welche Behandlungen bei Schlaffalten sinnvoll sind

Weil Schlaffalten keine Muskelfalten sind, hilft Botulinumtoxin bei ihnen kaum. Eine Muskelentspannung verändert eine Falte nicht, die durch Kissendruck entsteht. Gelegentlich lohnt sie sich trotzdem, wenn an derselben Stelle zusätzlich eine Mimikfalte liegt. Das muss aber im Einzelfall geprüft werden, und die Erwartung an die Schlaffalte selbst sollte niedrig bleiben.

Sinnvoller sind Verfahren, die die Hautqualität verbessern. Skinbooster mit nicht vernetzter oder leicht vernetzter Hyaluronsäure werden flächig in die oberen Hautschichten gegeben. Sie verbessern Feuchtigkeit, Elastizität und Spannkraft und können feine Linien weicher machen. Mehr dazu auf der Seite zu den Skinboostern und im Beitrag Skinbooster: Hyaluronsäure für die Hautqualität und warum das kein Filler ist.

Microneedling regt durch feine Verletzungen den Kollagenaufbau an. Es eignet sich für feine Linien und eine insgesamt schlaffere Hautoberfläche. Feine Unterspritzungen mit weicher Hyaluronsäure können eine einzelne, tiefere Schlaffalte direkt auffüllen. Hier ist Zurückhaltung wichtig, denn an Stellen mit dünner Haut und viel Bewegung sind Unebenheiten schnell sichtbar.

Für alle diese Verfahren gilt: Sie verbessern die Haut, ändern aber nichts am nächtlichen Druck. Wer weiter jede Nacht auf derselben Seite liegt, wird die Falte über die Zeit wieder vertiefen. Die sinnvollste Strategie verbindet deshalb Behandlung und Vorbeugung. Kalkulieren Sie bei Skinboostern und Microneedling mehrere Sitzungen ein, meist als Serie im Abstand einiger Wochen, gefolgt von Auffrischungen.

Eine Behandlung mit Skinboostern dauert meist eine halbe Stunde. Nach der Reinigung und Desinfektion wird eine betäubende Creme aufgetragen, danach werden viele kleine Mengen in einem gleichmäßigen Raster in die Haut gegeben. Bei Microneedling wird die Fläche Abschnitt für Abschnitt behandelt. In beiden Fällen ist die Haut am selben Tag gerötet, am nächsten Tag sind die meisten wieder gesellschaftsfähig. Make-up sollte für etwa einen Tag, Sauna, Sport mit starkem Schwitzen und intensive Sonne für einige Tage gemieden werden.

Risiken und Nebenwirkungen

Nach Injektionen mit Hyaluronsäure, ob als Skinbooster oder als feine Unterspritzung, sind kleine Quaddeln, Rötungen, Schwellungen und blaue Flecken in den ersten Tagen häufig. Die Quaddeln der Skinbooster flachen meist innerhalb von ein bis zwei Tagen ab. Möglich sind außerdem Knötchen, Unebenheiten, ein leicht bläulicher Schimmer bei zu oberflächlicher Lage, Infektionen und allergische Reaktionen. Sehr selten kommt es zu einem Gefäßverschluss. Deshalb muss für den Notfall das Enzym Hyaluronidase vorhanden sein.

Beim Microneedling sind Rötung, Schwellung und Spannungsgefühl für einige Tage normal. Feine Krusten und punktförmige Einblutungen können auftreten. Seltener sind Infektionen, Lippenherpes bei entsprechender Neigung und Pigmentverschiebungen, vor allem bei Sonne kurz nach der Behandlung. Konsequenter Sonnenschutz in den Wochen danach ist deshalb Teil der Behandlung.

Auch Pflegewirkstoffe haben Nebenwirkungen. Vitamin-A-Abkömmlinge können vor allem in den ersten Wochen Rötung, Brennen, Trockenheit und Schuppung verursachen. Ein langsamer Einstieg mit wenigen Anwendungen pro Woche und eine gute Feuchtigkeitspflege machen sie meist verträglich.

Wann wir davon abraten

In der Schwangerschaft und Stillzeit behandeln wir Schlaffalten nicht mit Injektionen oder Microneedling. Ebenso raten wir ab bei akuten Hautinfektionen, Entzündungen oder Lippenherpes im Behandlungsgebiet, bei unbehandelten Gerinnungsstörungen, bei bekannter Unverträglichkeit gegen Bestandteile der verwendeten Präparate und bei aktiven Autoimmunerkrankungen, die die Haut betreffen. Bei Neigung zu Keloiden ist besondere Vorsicht geboten.

Wir raten außerdem ab, wenn die Falte vor allem durch nächtlichen Druck entsteht und keine Bereitschaft besteht, an der Schlafposition etwas zu verändern, eine dauerhafte Glättung aber erwartet wird. Dann wird eine Behandlung immer wieder gegen die Ursache anarbeiten, und das Ergebnis enttäuscht.

Auch eine Behandlung mit Botulinumtoxin für eine reine Schlaffalte empfehlen wir nicht, weil sie das Problem nicht trifft. Und wer frühe, morgens noch verschwindende Abdrücke hat, braucht in der Regel überhaupt keine Behandlung, sondern eine Veränderung der Schlafgewohnheiten. In unserer Praxis in Hannover sagen wir das offen, bevor über ein Verfahren gesprochen wird.

Fazit

Schlaffalten entstehen durch Druck und Zug im Schlaf und werden mit nachlassender Elastizität der Haut dauerhaft. Sie sind keine Muskelfalten, deshalb helfen die klassischen Methoden gegen Mimikfalten bei ihnen wenig. Am wirksamsten ist es, den nächtlichen Druck zu verringern, am besten durch die Rückenlage, und die Haut durch Sonnenschutz und eine gute Abendpflege widerstandsfähig zu halten.

Ist eine Schlaffalte bereits eingeprägt, können Verfahren zur Verbesserung der Hautqualität sie weicher machen. Sie ersetzen aber nicht die Vorbeugung. Wer beides verbindet, erzielt das stabilere Ergebnis.

Der wichtigste praktische Rat lautet: Achten Sie auf die frühen Zeichen. Abdrücke, die am Morgen immer länger bleiben, sind der Zeitpunkt, an dem eine Veränderung der Schlafposition und eine konsequente Pflege am meisten bewirken. Je früher Sie ansetzen, desto weniger Behandlung brauchen Sie später. Einen Überblick über die Kosten finden Sie unter Preise. Wenn Sie Ihre Falten einordnen lassen möchten, erreichen Sie uns über die Seite Kontakt.

Prof. Dr. Mohamed Omar, Chiq Aesthetics, Karmarschstraße 33–35, 30159 Hannover

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt kein ärztliches Beratungsgespräch. Ob eine Behandlung im Einzelfall geeignet ist, lässt sich nur nach persönlicher Untersuchung beurteilen.


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