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Falten vorbeugen: was wirklich wirkt und ab wann eine Behandlung sinnvoll ist

Autorenbild: Prof. Dr. Mohamed Omar
Prof. Dr. Mohamed Omar
vor 4 Tagen
8 Min. Lesezeit

Falten vorbeugen ist ein Wunsch, der oft schon mit Mitte zwanzig beginnt. Eine erste Linie auf der Stirn, ein Schatten zwischen den Augenbrauen, und plötzlich stellt sich die Frage, ob man jetzt etwas tun sollte und was überhaupt wirkt. Die Angebote reichen von teuren Cremes über Gesichtsgymnastik bis zu vorbeugenden Injektionen.

Die gute Nachricht ist, dass sich die Entstehung von Falten tatsächlich beeinflussen lässt. Die weniger bequeme Nachricht: Die wirksamsten Schritte sind meist unspektakulär, und sie wirken nur, wenn man sie über Jahre beibehält. Einzelne Behandlungen ersetzen diese Grundlage nicht.

Dieser Beitrag erklärt, wie Falten entstehen, ab wann Vorbeugen sinnvoll ist, was Sonnenschutz, Pflege und Lebensstil leisten und wann eine vorbeugende Behandlung in Frage kommt. Er beschreibt auch, wann wir davon abraten, weil die Erwartung nicht zur Methode passt.

Wie Falten entstehen: drei verschiedene Wege

Falten haben nicht eine einzige Ursache. Grob lassen sich drei Wege unterscheiden, die im Lauf des Lebens zusammenwirken. Wer Falten vorbeugen möchte, sollte wissen, welcher Weg bei ihm im Vordergrund steht.

Mimikfalten entstehen durch wiederholte Bewegung. Die Muskeln der Stirn, zwischen den Augenbrauen und um die Augen ziehen die Haut bei jedem Stirnrunzeln, Lachen oder Zusammenkneifen zusammen. In jungen Jahren glättet sich die Haut danach sofort wieder. Mit der Zeit bleiben die Linien auch in Ruhe sichtbar.

Lichtbedingte Falten entstehen durch UV-Strahlung. Sie schädigt das Kollagen und die elastischen Fasern der Haut über Jahrzehnte. Die Haut wird dünner, verliert an Spannkraft und bildet feine, knittrige Linien. Dieser Anteil ist der größte, auf den man selbst Einfluss hat.

Falten durch Volumenverlust entstehen, wenn Fettpolster und Knochen im Gesicht mit den Jahren abnehmen. Die Haut liegt dann weniger gestützt auf und bildet tiefere Falten, etwa die Nasolabialfalte oder die Marionettenfalten. Diesen Anteil kann man durch Vorbeugen kaum aufhalten, wohl aber durch ein stabiles Gewicht und gute Hautqualität abmildern.

Bei den meisten Menschen wirken alle drei Wege gleichzeitig, nur in unterschiedlicher Gewichtung. Wer viel in der Sonne war, zeigt früher feine Linien und Pigmentflecken. Wer eine sehr lebhafte Mimik hat, bekommt früher Stirn- und Zornesfalten. Und wer von Natur aus ein schmales Gesicht mit wenig Fettpolster hat, bemerkt den Volumenverlust eher. Diese Unterscheidung bestimmt, welche Vorbeugung sich lohnt.

Ab wann man Falten vorbeugen sollte

Die einfache Antwort lautet: Sonnenschutz ist in jedem Alter sinnvoll, auch schon in der Kindheit. Der größte Teil der lichtbedingten Hautalterung entsteht über viele Jahre, und jeder Sonnenbrand trägt dazu bei. Wer früh beginnt, profitiert am stärksten.

Für alles andere gibt es kein festes Alter. Viele Menschen bemerken die ersten Mimikfalten zwischen fünfundzwanzig und fünfunddreißig, manche früher, manche deutlich später. Entscheidend ist nicht das Alter, sondern der Befund: Bleibt eine Linie auch in Ruhe sichtbar, oder zeigt sie sich nur bei Bewegung?

Wer mit fünfundzwanzig Falten vorbeugen möchte, braucht in aller Regel keine Behandlung, sondern eine gute Routine. Ab dreißig kann es sinnvoll sein, die Pflege um Wirkstoffe zu ergänzen, die die Hauterneuerung anregen. Behandlungen kommen erst in Frage, wenn sich bestimmte Linien zu verfestigen beginnen.

Auch mit vierzig oder fünfzig ist es nicht zu spät. Sonnenschutz und Pflege verlangsamen den weiteren Verlauf in jedem Alter. Was sich bereits gebildet hat, verschwindet dadurch nicht, aber die Haut altert langsamer weiter.

Ein einfacher Selbsttest hilft bei der Einordnung. Betrachten Sie Ihr Gesicht morgens in Ruhe, ohne Mimik, bei gleichmäßigem Tageslicht. Linien, die Sie dabei sehen, sind bereits Ruhefalten. Linien, die erst beim Stirnrunzeln oder Lachen erscheinen, sind reine Bewegungsfalten. Für Letztere reicht in aller Regel die Routine.

Sonnenschutz: der wirksamste Schritt beim Falten vorbeugen

Unter allen Maßnahmen ist der tägliche Sonnenschutz die mit der solidesten Studienlage. Untersuchungen haben gezeigt, dass Menschen, die regelmäßig Sonnenschutz im Gesicht auftragen, über die Jahre weniger Zeichen der Hautalterung entwickeln als Menschen, die das nur gelegentlich tun.

Wichtig ist die Regelmäßigkeit, nicht der höchste Lichtschutzfaktor. Ein Produkt mit Breitbandschutz gegen UVA- und UVB-Strahlung, das täglich und in ausreichender Menge aufgetragen wird, wirkt mehr als ein sehr hoher Schutz, der nur im Urlaub verwendet wird. UVA-Strahlung dringt auch durch Wolken und Fensterglas, deshalb gilt das auch im Winter und im Büro.

Ergänzend helfen ein Hut mit breiter Krempe und eine Sonnenbrille. Die Sonnenbrille schützt nicht nur die Haut um die Augen, sondern verhindert auch das ständige Zusammenkneifen, das die Krähenfüße vertieft.

Solarien sind beim Falten vorbeugen das Gegenteil dessen, was man möchte. Sie beschleunigen die Hautalterung und erhöhen das Risiko für Hautkrebs. Wer gebräunte Haut möchte, ist mit Selbstbräunern besser beraten.

Praktisch bewährt hat sich, den Sonnenschutz fest mit einem anderen Schritt zu verbinden, etwa dem Zähneputzen am Morgen. Wer ihn nur bei Sonnenschein aufträgt, vergisst ihn an den vielen Tagen, an denen die Strahlung trotzdem wirkt. Auch Hals, Dekolleté und Handrücken sollten mitgedacht werden, weil sie ähnlich altern wie das Gesicht.

Was Pflege beim Falten vorbeugen leistet

Pflege kann viel, aber nicht alles. Eine gut verträgliche Feuchtigkeitspflege lässt Trockenheitsfältchen weniger sichtbar werden und unterstützt die Schutzfunktion der Haut. Das ist eine sinnvolle Grundlage, verhindert aber keine Mimikfalten.

Unter den Wirkstoffen sind Retinoide am gründlichsten untersucht. Sie regen die Erneuerung der Haut an und können über Monate die Struktur und Elastizität verbessern. Sie machen die Haut lichtempfindlicher, deshalb gehören sie am Abend aufgetragen und mit einem konsequenten Sonnenschutz am Tag kombiniert. In der Schwangerschaft sind sie nicht geeignet.

Auch Vitamin C als Antioxidans und Niacinamid werden häufig eingesetzt. Ihre Wirkung ist weniger gut belegt als die der Retinoide, sie können aber eine sinnvolle Ergänzung sein. Bei Peptiden, Stammzellextrakten und ähnlichen Inhaltsstoffen ist die Studienlage dünn. Hier lohnt sich Skepsis gegenüber großen Versprechen.

Die teuerste Creme ist nicht automatisch die wirksamste. Entscheidend ist, dass ein Produkt vertragen und regelmäßig verwendet wird. Was Cremes, Pulver und Behandlungen beim Thema Kollagen tatsächlich leisten, beschreibt der Beitrag Kollagen im Gesicht.

Lebensstil: Rauchen, Schlaf, Ernährung und Gewicht

Rauchen ist nach der Sonne der stärkste äußere Faktor der Hautalterung. Es verengt die Gefäße, verschlechtert die Versorgung der Haut und beschleunigt den Abbau von Kollagen. Hinzu kommen die typischen Falten um den Mund durch das Zusammenziehen der Lippen. Wer aufhört, verlangsamt diesen Prozess.

Ausreichend Schlaf und ein vernünftiger Umgang mit Stress wirken sich auf das Hautbild aus, auch wenn die Effekte schwerer zu messen sind. Wer dauerhaft zu wenig schläft, sieht nicht nur müde aus, sondern zeigt auch eine schlechtere Hautbarriere.

Bei der Ernährung gibt es keine einzelnen Lebensmittel, die Falten verhindern. Eine ausgewogene Kost mit Gemüse, Obst, Eiweiß und gesunden Fetten unterstützt die Haut, ein hoher Zuckerkonsum kann die Alterung der Fasern über einen Prozess namens Glykation begünstigen. Wunder sollte man von keiner Diät erwarten.

Ähnlich zurückhaltend sind Nahrungsergänzungsmittel zu bewerten. Für Kollagenpulver und ähnliche Präparate gibt es einzelne Studien mit kleinen Effekten auf die Feuchtigkeit der Haut, oft von den Herstellern finanziert. Eine verlässliche faltenvorbeugende Wirkung ist nicht belegt.

Auch das Gewicht spielt eine Rolle. Starke Schwankungen dehnen die Haut und lassen Volumen im Gesicht verloren gehen. Ein stabiles Gewicht ist für die Haut günstiger als wiederholte Phasen des Zu- und Abnehmens. Gesichtsgymnastik wird oft empfohlen, belastbare Belege für eine faltenvorbeugende Wirkung gibt es bisher kaum.

Vorbeugend behandeln: was Botulinumtoxin und Hautqualität leisten

Manche Menschen möchten Mimikfalten nicht erst entstehen lassen. Für sie wird häufig eine vorbeugende Behandlung mit Botulinumtoxin in niedriger Dosis angeboten. Die Überlegung dahinter: Wenn ein Muskel weniger stark zieht, gräbt sich die Falte langsamer in die Haut ein.

Die Idee ist anatomisch nachvollziehbar, die Studienlage zur langfristigen Vorbeugung aber begrenzt. Es gibt Hinweise, dass regelmäßige Behandlungen das Fortschreiten von Mimikfalten verlangsamen können. Ob sich das über Jahrzehnte auszahlt und ob es bei jungen Menschen ohne sichtbare Ruhefalten einen Vorteil bringt, ist nicht sicher belegt. Wir besprechen das offen.

Sinnvoll kann eine Behandlung sein, wenn eine Mimikfalte beginnt, sich in Ruhe zu zeigen, etwa die Zornesfalte zwischen den Augenbrauen. Dann lässt sich mit einer niedrigen Dosis verhindern, dass die Linie tiefer wird, ohne die Mimik zu verlieren. Mehr dazu auf den Seiten zur Zornesfalte und zu den Stirnfalten. Wie schnell der Wirkstoff wirkt und wie lange die Wirkung anhält, beschreibt der Beitrag Wann wirkt Botulinumtoxin.

Für den lichtbedingten Anteil kommen Verfahren in Frage, die die Hautqualität verbessern. Skinbooster mit nicht vernetzter Hyaluronsäure, Microneedling oder Polynukleotide setzen an Feuchtigkeit, Elastizität und Struktur der Haut an. Sie ersetzen keinen Sonnenschutz, können aber eine Ergänzung sein, wenn die Haut beginnt, an Spannkraft zu verlieren.

Wer vorbeugend behandelt, sollte wissen, dass die Wirkung nicht dauerhaft ist. Botulinumtoxin wirkt einige Monate, Verfahren für die Hautqualität brauchen eine Serie und eine Auffrischung. Rechnen Sie das von Anfang an mit ein.

Eine vorbeugende Behandlung ersetzt auch nicht die regelmäßige Einschätzung. Das Gesicht verändert sich, und was mit dreißig sinnvoll war, ist mit vierzig vielleicht nicht mehr nötig oder muss anders gemacht werden. Wir sehen deshalb lieber in größeren Abständen genau hin, als nach festem Takt zu behandeln.

Risiken und Nebenwirkungen

Pflegeprodukte können Reizungen, Rötungen oder Allergien auslösen, vor allem Retinoide in der Anfangsphase. Wer empfindliche Haut hat, sollte neue Produkte langsam einführen und auf Brennen oder Schuppung achten.

Bei Botulinumtoxin sind kleine Blutergüsse, leichte Kopfschmerzen und eine vorübergehende Schwere der Stirn möglich. Seltener kann ein Lid oder eine Augenbraue für einige Wochen absinken, wenn der Wirkstoff in benachbarte Muskeln gelangt. Diese Wirkungen gehen zurück, halten aber so lange an wie die Wirkung selbst.

Bei Verfahren für die Hautqualität stehen Rötung, Schwellung und kleine Blutergüsse im Vordergrund. Infektionen sind selten, wenn steril gearbeitet wird. Allergische Reaktionen auf Inhaltsstoffe sind möglich und werden vorher abgefragt.

Ein eigenes Risiko ist die Überbehandlung. Wer sehr früh und sehr regelmäßig behandelt, riskiert ein Gesicht, das weniger ausdrucksstark wirkt, als es sein müsste. Vorbeugen heißt nicht, jede Bewegung auszuschalten.

Hinzu kommt ein Gewöhnungseffekt. Wer früh beginnt, gewöhnt sich leicht an ein sehr glattes Spiegelbild und empfindet jede natürliche Linie bald als Makel. Das führt nicht selten zu immer häufigeren und stärkeren Behandlungen. Ein ruhiger Blick von außen, der auch einmal zu einer Pause rät, ist deshalb Teil jeder seriösen Begleitung.

Wann wir davon abraten

Von vorbeugenden Injektionen raten wir ab, wenn keine Ruhefalte erkennbar ist und der Wunsch vor allem aus Unsicherheit entsteht. In diesem Fall ist eine gute Routine aus Sonnenschutz und Pflege der sinnvollere Weg.

In der Schwangerschaft und Stillzeit behandeln wir nicht. Auch bei akuten Infektionen im Gesicht, bei neuromuskulären Erkrankungen, bekannten Unverträglichkeiten, Gerinnungsstörungen oder der Einnahme von Blutverdünnern ist Zurückhaltung geboten. Bei Autoimmunerkrankungen und einer Neigung zu überschießender Narbenbildung wägen wir sehr genau ab.

Wir raten außerdem ab, wenn die Erwartung nicht zur Methode passt. Keine Behandlung verhindert das Altern. Wer erwartet, mit regelmäßigen Injektionen ein faltenfreies Gesicht zu behalten, wird enttäuscht und riskiert ein unnatürliches Bild.

Und wir raten ab, wenn der Sonnenschutz fehlt. Eine vorbeugende Behandlung bei gleichzeitig ungeschützter Haut ist wie ein neues Dach bei offenem Fenster.

Fazit

Falten vorbeugen beginnt nicht in der Praxis, sondern im Badezimmer. Täglicher Sonnenschutz, eine verträgliche Pflege, gegebenenfalls ein Retinoid und der Verzicht aufs Rauchen haben mehr Einfluss auf die Haut als jede einzelne Behandlung. Das ist wenig aufregend, aber gut belegt.

Wer diese Grundlage konsequent umsetzt, gewinnt über die Jahre mehr als mit jeder kurzfristigen Maßnahme. Die Haut bleibt länger elastisch, Pigmentflecken treten später auf, und spätere Behandlungen kommen mit weniger aus.

Eine vorbeugende Behandlung ist erst dann ein sinnvoller Schritt, wenn sich eine bestimmte Linie zu verfestigen beginnt. Dann kann eine niedrige Dosis Botulinumtoxin oder ein Verfahren für die Hautqualität helfen, die Entwicklung zu verlangsamen, ohne die Mimik zu verlieren. Wie man die Falten an der Stirn behandelt, ohne zu viel zu tun, beschreibt der Beitrag Stirnfalten behandeln.

Wenn Sie wissen möchten, ob bei Ihnen schon etwas sinnvoll ist oder ob die Routine reicht, nehmen wir uns in unserer Praxis in Hannover Zeit für eine ehrliche Einschätzung. Sie erreichen uns über die Seite Kontakt.

Prof. Dr. Mohamed Omar, Chiq Aesthetics, Karmarschstraße 33–35, 30159 Hannover

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt kein ärztliches Beratungsgespräch. Ob eine Behandlung im Einzelfall geeignet ist, lässt sich nur nach persönlicher Untersuchung beurteilen.


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