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Gummy Smile — warum die Ursache darüber entscheidet, was hilft

Autorenbild: Prof. Dr. Mohamed Omar
Prof. Dr. Mohamed Omar
26. Sept.
8 Min. Lesezeit

Die meisten Menschen bemerken es zum ersten Mal auf einem Foto: Beim herzhaften Lachen liegt über den oberen Schneidezähnen ein breiter Streifen Zahnfleisch frei. Wer sich daran stört, findet dafür schnell einen Namen — Gummy Smile, auf Deutsch zahnfleischbetontes Lächeln — und meist gleich mit dem Hinweis, dass sich das mit ein paar Einheiten Botulinumtoxin beheben lasse.

Diese Verkürzung ist der Grund für die meisten enttäuschten Behandlungen in diesem Bereich. Ein Gummy Smile ist kein einzelnes Problem mit einer einzelnen Lösung. Ein zahnfleischbetontes Lächeln ist kein einheitlicher Befund, sondern ein Erscheinungsbild mit mehreren möglichen Ursachen. Nur eine davon liegt in der Muskulatur, und nur diese eine spricht auf eine Injektion an. Liegt die Ursache im Kieferbau oder im Verlauf des Zahnfleischsaums, verändert eine Injektion wenig bis nichts — bezahlt wird sie trotzdem.

Dieser Beitrag ordnet die möglichen Ursachen, erklärt, woran sie sich in der Untersuchung unterscheiden lassen, was eine Behandlung mit Botulinumtoxin im muskulären Fall tatsächlich leistet, und wo ihre Grenzen liegen. Und er sagt vorab das Wichtigste: Ein sichtbarer Zahnfleischsaum ist keine Erkrankung und braucht keine Begründung.

Was ein zahnfleischbetontes Lächeln überhaupt ist

Beim Lächeln hebt sich die Oberlippe und gibt die Zähne frei. Wie weit sie sich hebt, wie lang die Zahnkronen sind und wo der Zahnfleischsaum verläuft, entscheidet gemeinsam darüber, wie viel Zahnfleisch dabei sichtbar wird. Von einem Gummy Smile spricht man, wenn dieser Streifen deutlich hervortritt und den Blick auf sich zieht.

In der Fachliteratur wird oft ein sichtbarer Zahnfleischsaum von mehr als drei bis vier Millimetern als auffällig beschrieben. Diese Grenze ist allerdings eine Konvention und kein Messwert mit medizinischer Bedeutung. Sie taugt zur Verständigung zwischen Behandlern, nicht zur Beurteilung eines Gesichts.

Denn die Wahrnehmung ist individuell und kulturell geprägt. In manchen Ländern gilt ein zahnfleischbetontes Lächeln als jugendlich und offen, in anderen wird es kritisch gesehen. Innerhalb derselben Familie stört es die eine Person massiv und die andere überhaupt nicht. Das ist keine Frage von Millimetern, sondern von Gewöhnung und Selbstbild.

Für unsere Praxis in Hannover folgt daraus eine klare Haltung: Ein sichtbarer Zahnfleischsaum ist kein Befund, der behandelt werden müsste. Er wird nur dann behandelt, wenn er die betreffende Person selbst stört — und auch dann nur, wenn die Ursache eine Behandlung überhaupt zugänglich macht.

Die vier Ursachen hinter einem Gummy Smile

Hinter demselben Erscheinungsbild stehen vier grundverschiedene Mechanismen. Sie zu unterscheiden ist keine akademische Übung, sondern die eigentliche Arbeit vor jeder Entscheidung.

Muskulär. Die Oberlippenhebermuskulatur arbeitet überaktiv und zieht die Oberlippe beim Lächeln weiter nach oben, als es zum Freilegen der Zähne nötig wäre. Hauptverantwortlich ist der Musculus levator labii superioris alaeque nasi, ein schmaler Muskel, der seitlich der Nasenbasis verläuft und Oberlippe und Nasenflügel gemeinsam anhebt. Beteiligt sind je nach Person auch der Musculus levator labii superioris und der Musculus zygomaticus minor. Dies ist der einzige Fall, der auf Botulinumtoxin anspricht.

Dentogingival. Die Zahnkronen sind sichtbar zu kurz, weil das Zahnfleisch bei der Zahnentwicklung nicht vollständig zurückgewichen ist. Man spricht von verzögerter passiver Eruption. Der Zahn selbst hat eine normale Länge, aber ein Teil davon bleibt vom Zahnfleisch bedeckt. Das Verhältnis von Zahn zu Zahnfleisch stimmt nicht, die Lippenbewegung ist unauffällig. Hier hilft eine zahnärztliche beziehungsweise parodontologische Behandlung, keine Injektion.

Skelettal. Der Oberkiefer ist vertikal zu lang gewachsen, der gesamte Zahnbogen steht dadurch zu tief im Gesicht. Das nennt sich vertikaler Überschuss des Oberkiefers und ist eine Frage des Knochenbaus. Zuständig sind Kieferorthopädie und Kieferchirurgie. Eine Injektion in die Lippenheber verfehlt hier die Ursache vollständig.

Kurze Oberlippe. Die Oberlippe ist von Natur aus kurz, ihr Abstand von der Nasenbasis zur Lippenrotkante fällt gering aus. Auch bei völlig normaler Muskelaktivität gibt sie dann beim Lächeln mehr frei. Das ist eine anatomische Gegebenheit und in der Regel kein Fall für eine Injektion.

Häufig liegt eine Mischform vor — etwa eine kurze Oberlippe zusammen mit lebhafter Muskulatur oder ein leichter vertikaler Überschuss mit dentogingivalem Anteil. Genau deshalb gilt: Ohne die Ursache zu klären, ist eine Behandlung Glückssache. Und bei skelettaler Ursache führt sie an der Sache vorbei.

Wie sich die Ursache eines Gummy Smile klären lässt

Die Untersuchung findet in Bewegung statt, nicht am ruhenden Gesicht. Ein Gummy Smile zeigt sich beim Lächeln und beim Sprechen, deshalb schauen wir zuerst das Lächeln an — mehrfach, spontan und in verschiedenen Intensitäten, weil ein gestelltes Lächeln anders aussieht als ein echtes.

Gemessen wird die Strecke, um die sich die Oberlippe zwischen Ruhe und vollem Lächeln hebt. Eine ausgeprägte Beweglichkeit spricht für einen muskulären Anteil. Ebenso aufschlussreich ist, ob sich beim Lächeln zugleich die Nasenflügel heben und die Nase sich verbreitert — das deutet auf den Musculus levator labii superioris alaeque nasi als treibende Kraft hin.

Daneben werden die Länge der Oberlippe in Ruhe, die sichtbare Länge der Zahnkronen und der Verlauf des Zahnfleischsaums beurteilt. Wirken die Kronen kurz und breit bei ruhiger Lippe, liegt der Verdacht auf einem dentogingivalen Anteil. Zeigt sich schon bei entspannten Lippen viel Zahnsubstanz und ist das Mittelgesicht auffällig lang, gehört die Frage in kieferorthopädische Hände.

Hilfreich ist außerdem der Blick auf ältere Fotos. Ein zahnfleischbetontes Lächeln, das seit der Jugend besteht und sich nicht verändert hat, spricht eher für eine anatomische oder skelettale Grundlage. Hat es dagegen im Lauf der Jahre zugenommen oder tritt es nur bei bestimmten Gesichtsausdrücken auf, ist ein muskulärer Anteil wahrscheinlicher.

Bei zusammengesetzten Bildern ist die ehrliche Antwort oft eine geteilte: Ein Teil des sichtbaren Zahnfleischs lässt sich muskulär beeinflussen, ein anderer nicht. Wer diese Aufteilung vor der Behandlung ausspricht, erspart der Patientin die Enttäuschung danach — und mitunter die Ausgabe ganz, weil der beeinflussbare Anteil zu klein ist, um den Aufwand zu rechtfertigen.

Was Botulinumtoxin beim muskulären Gummy Smile leistet

Botulinumtoxin schwächt die Übertragung vom Nerv auf den Muskel. Wird eine sehr kleine Menge gezielt in die Oberlippenheber gesetzt, heben diese die Lippe beim Lächeln etwas weniger weit an. Der Zahnfleischsaum bleibt dadurch teilweise von der Lippe bedeckt, und der Streifen wird schmaler.

Entscheidend sind Menge und Ort. Injiziert wird an wenigen Punkten seitlich der Nasenbasis, dort, wo der Musculus levator labii superioris alaeque nasi verläuft. Die Mengen liegen deutlich unter dem, was in der Stirn oder zwischen den Brauen üblich ist — es handelt sich um Bruchteile davon. Diese Region verzeiht Ungenauigkeit nicht: Wenige Millimeter Abweichung ändern das Ergebnis sichtbar.

Der Effekt setzt nicht sofort ein. Erste Veränderungen zeigen sich nach einigen Tagen, das endgültige Bild nach etwa zwei Wochen. Die Wirkung hält in dieser Region typischerweise drei bis vier Monate, danach kehrt die Muskelaktivität schrittweise zurück. Wer den Effekt halten möchte, braucht eine Wiederholung — es handelt sich um eine wiederkehrende Entscheidung, nicht um eine einmalige.

Praktisch dauert die Behandlung selbst nur wenige Minuten. Betäubt wird in aller Regel nicht, weil die verwendeten Nadeln sehr fein sind und nur oberflächlich eingesetzt werden; unangenehm ist der Einstich seitlich der Nasenbasis dennoch. Danach sollten Sie die Region einige Stunden nicht kräftig massieren und am Behandlungstag auf Sauna, intensiven Sport und Bauchlage verzichten, damit das Präparat dort bleibt, wo es gesetzt wurde.

Die Kosten hängen davon ab, wie viele Punkte behandelt werden und ob die Oberlippenregion allein oder gemeinsam mit angrenzenden Bereichen versorgt wird. Wie sich der Aufwand im Einzelfall zusammensetzt, besprechen wir vor der Behandlung; die Übersicht dazu steht auf der Seite Preise. Was in der Region rund um die Oberlippe möglich ist, beschreibt auch die Behandlungsseite zum Gummy Smile im Einzelnen.

Risiken: wenn zu viel oder zu weit seitlich gespritzt wird

Die Risiken einer Behandlung am Gummy Smile liegen nicht in seltenen Zwischenfällen, sondern im Ergebnis selbst. Fällt die Dosis zu hoch aus, wird die Oberlippe insgesamt schwerfällig. Das Lächeln wirkt dann flach, die Lippe bewegt sich beim Sprechen weniger mit, und der Ausdruck verliert an Lebendigkeit — die eigentliche Bewegung, die ein Lächeln ausmacht, fehlt.

Wird zu weit seitlich injiziert, betrifft die Schwächung Muskelanteile, die den Mundwinkel heben. Die Folge ist ein asymmetrisches Lächeln: Eine Seite hebt sich weiter als die andere, was im Gesicht deutlich stärker auffällt als der ursprünglich behandelte Zahnfleischsaum. Auch ein einseitig herabhängender Eindruck der Oberlippe ist möglich.

Dazu kommen die üblichen Begleiterscheinungen einer Injektion: kleine Blutergüsse, eine vorübergehende Schwellung an den Einstichstellen, gelegentlich ein Druckgefühl. Diese klingen innerhalb weniger Tage ab. Auch allgemeine Nebenwirkungen einer Behandlung mit Botulinumtoxin sind möglich; sie sind an anderer Stelle ausführlich beschrieben — siehe dazu Nebenwirkungen von Botulinumtoxin.

Ein weiterer Punkt betrifft die Aussprache. Die Oberlippe ist an der Bildung der Lippenlaute beteiligt, und eine zu stark geschwächte Lippe kann für einige Wochen dazu führen, dass Wörter mit p, b und m weniger präzise klingen. Wer beruflich viel spricht, singt oder ein Blasinstrument spielt, sollte das vor der Entscheidung ansprechen.

Entscheidend ist eine Tatsache, die gerne verschwiegen wird: Es gibt kein Gegenmittel. Anders als Hyaluronsäure, die sich mit Hyaluronidase auflösen lässt, ist eine zu hohe Dosis Botulinumtoxin nicht rückholbar. Man kann sie nur abwarten, und das bedeutet in dieser Region drei bis vier Monate mit einem Lächeln, das sich fremd anfühlt.

Daraus folgt das Vorgehen, das wir für richtig halten und das für den benachbarten Lip Flip genauso gilt: bewusst niedrig einsteigen, das Ergebnis nach zwei Wochen ansehen und dann bei Bedarf nachjustieren. Nachlegen ist jederzeit möglich, wegnehmen nicht. Wer beim ersten Termin die vermeintlich wirksame Dosis fordert, verwechselt Geschwindigkeit mit Sicherheit.

Wann wir davon abraten

Nicht behandelt wird in der Schwangerschaft und Stillzeit, bei Erkrankungen der neuromuskulären Übertragung wie Myasthenia gravis oder dem Lambert-Eaton-Syndrom, bei bekannter Unverträglichkeit gegen einen Bestandteil des Präparats und bei einer Infektion oder entzündeten Haut im Injektionsgebiet. Bestimmte Medikamente, etwa manche Antibiotika aus der Gruppe der Aminoglykoside, können die Wirkung verstärken und gehören ins Vorgespräch.

Wir raten außerdem ab, wenn die Untersuchung eine überwiegend skelettale Ursache zeigt. Ein vertikaler Überschuss des Oberkiefers lässt sich mit einer Injektion nicht ausgleichen — die Lippe kann diese Strecke nicht überbrücken. Dasselbe gilt für einen deutlich dentogingivalen Anteil: Hier ist die zahnärztliche Abklärung der richtige erste Schritt, und sie führt zu einem Ergebnis, das bleibt, statt alle drei bis vier Monate erneuert zu werden.

Der zweite Grund für ein Abraten ist die falsche Erwartung. Wer sich vorstellt, dass ein Gummy Smile durch eine Injektion vollständig verschwindet, wird enttäuscht. Die Behandlung reduziert die Hebung um wenige Millimeter — das reicht bei mäßiger Ausprägung, um den Eindruck zu ändern, und es reicht bei starker Ausprägung nicht aus. Ebenso wenig sinnvoll ist die Behandlung, wenn der Wunsch nicht von der Person selbst kommt, sondern von einer Bemerkung aus dem Umfeld oder von einem Bild aus dem Netz.

Und schließlich raten wir ab, wenn die Behandlung als Kette weiterer Eingriffe gedacht ist. Ein zahnfleischbetontes Lächeln lässt sich nicht dadurch verbessern, dass zusätzlich die Oberlippe aufgefüllt und der Mundwinkel angehoben wird. Was an der Oberlippe mit einem Lip Flip technisch möglich ist, ist nicht automatisch das, was einem einzelnen Gesicht guttut.

Fazit

Ein Gummy Smile ist keine Diagnose, sondern eine Beobachtung — und die eigentliche Arbeit besteht darin, herauszufinden, was dahintersteckt. Muskulär, dentogingival, skelettal oder schlicht eine kurze Oberlippe: Diese vier Wege führen zu vier unterschiedlichen Zuständigkeiten, und nur einer davon endet bei einer Injektion.

Wer diese Klärung überspringt, kauft eine Behandlung auf Verdacht. Im günstigen Fall wirkt sie, im ungünstigen verändert sie nichts, und im ungünstigsten macht sie das Lächeln steifer als vorher. Die zehn Minuten, die eine ordentliche Untersuchung der Lippenbewegung kostet, sind deshalb der wertvollste Teil des Termins — auch dann, wenn sie zu dem Ergebnis führt, dass die Zuständigkeit bei einer Zahnärztin oder einem Kieferorthopäden liegt.

Und es bleibt der Satz vom Anfang: Ein zahnfleischbetontes Lächeln ist nichts, was korrigiert werden muss. Es wird nur dann zum Thema, wenn es die Person, die damit lebt, dauerhaft stört. Wenn Sie unsicher sind, welche Ursache bei Ihnen im Vordergrund steht, klären wir das im Gespräch und sagen Ihnen offen, ob eine Behandlung hier überhaupt der richtige Weg ist — Termin und Kontakt.

Prof. Dr. Mohamed Omar, Chiq Aesthetics, Karmarschstraße 33–35, 30159 Hannover

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt kein ärztliches Beratungsgespräch. Ob eine Behandlung im Einzelfall geeignet ist, lässt sich nur nach persönlicher Untersuchung beurteilen.


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