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Fadenlifting — was die Fäden leisten und wo ihre Grenze liegt

Autorenbild: Prof. Dr. Mohamed Omar
Prof. Dr. Mohamed Omar
6. Okt.
8 Min. Lesezeit

Ein Fadenlifting verspricht, was viele sich wünschen: ein strafferes Gesicht ohne Schnitt, ohne Narkose und ohne lange Ausfallzeit. Resorbierbare Fäden werden mit feinen Kanülen unter die Haut gelegt, sie halten das Gewebe in einer neuen Position und sollen zugleich einen Umbau im Bindegewebe anstoßen. Das klingt nach einem Mittelweg zwischen Unterspritzung und Operation, und genau so wird das Verfahren oft vermarktet.

Aus chirurgischer Sicht ist die Lage nüchterner. Das Fadenlifting kann bei einem bestimmten Ausgangsbefund eine sichtbare, aber begrenzte und zeitlich befristete Anhebung bewirken. Es ersetzt kein Facelift, und bei deutlich erschlaffter Haut stößt es schnell an seine Grenze. Dieser Beitrag erklärt, wie die Fäden wirken, für wen das Verfahren in Frage kommt, welche Nachteile und Risiken es hat und wann ein anderer Weg sinnvoller ist.

Was beim Fadenlifting im Gewebe passiert

Beim Fadenlifting werden dünne Fäden aus resorbierbarem Material in die Unterhaut eingeführt. Verwendet werden vor allem Polydioxanon, Polymilchsäure oder Polycaprolacton. Diese Stoffe kennt die Chirurgie seit Jahrzehnten als Nahtmaterial, sie werden im Körper über Monate abgebaut.

Für die Anhebung entscheidend sind die Fäden mit Widerhaken oder kleinen Kegeln. Sie werden entlang eines Vektors gelegt, also in der Richtung, in die das Gewebe angehoben werden soll. Die Widerhaken greifen in das Unterhautfett und halten es in der neuen Lage. Glatte Fäden ohne Widerhaken heben dagegen kaum an, sie werden eher in einem Gitter gelegt und sollen die Festigkeit der Haut verbessern. Ob dieser Effekt sichtbar ist, wird in der Literatur unterschiedlich bewertet. Wer vor allem eine Anhebung sucht, sollte wissen, dass glatte Fäden dafür nicht gedacht sind und eine Behandlung damit allein keine Kontur verändert.

Wichtig ist, was die Fäden nicht tun. Sie straffen keine Haut im Sinne einer Verkürzung, sie entfernen kein Gewebe und sie verändern die Knochen und die tiefen Fettkompartimente nicht. Das Gesicht altert auf mehreren Ebenen zugleich: Knochen bauen ab, Fettpolster schrumpfen und verlagern sich, Haltebänder werden länger und die Haut verliert Elastizität. Fäden setzen nur an einer dieser Ebenen an.

Neben der mechanischen Wirkung löst jeder Faden eine milde Fremdkörperreaktion aus. Um ihn herum bildet sich neues Bindegewebe. Diese Reaktion ist gewollt, sie ist aber in ihrem Ausmaß begrenzt und lässt sich nicht genau steuern. Aussagen, die Fäden würden die Haut dauerhaft verjüngen, gehen über das hinaus, was die Studienlage belegt.

Für wen ein Fadenlifting in Frage kommt

Das Verfahren passt am besten zu einem Gesicht, das erst beginnt nachzugeben. Typisch sind eine leicht abgesunkene Wangenpartie, eine weicher werdende Kieferlinie oder Brauen, die etwas tiefer stehen als früher. Die Haut ist noch elastisch, das Unterhautfett noch vorhanden, und es geht um wenige Millimeter.

Gute Voraussetzungen sind eine mittlere Hautdicke, keine starke Lichtalterung und ein Gesicht ohne großen Volumenverlust. Wer schlank ist und sehr dünne Haut hat, bei dem zeichnen sich Fäden eher ab. Wer sehr kräftiges, schweres Gewebe hat, bei dem tragen die Fäden das Gewicht oft nicht lange.

Weniger geeignet sind ausgeprägte Hautüberschüsse, tiefe Hängebäckchen und ein deutlich erschlaffter Hals. Auch das Alter allein entscheidet nicht. Eine Frau Ende fünfzig mit fester Haut kann besser geeignet sein als eine Frau Mitte vierzig mit dünner, lichtgeschädigter Haut. Entscheidend ist der Befund, nicht das Geburtsdatum.

Bei Hautüberschuss und erschlafftem Hals liegt das Problem nicht in der Position des Fetts, sondern in überschüssiger Haut und gelockerten Haltebändern. Was zu viel ist, lässt sich mit Fäden nicht entfernen. Mehr zu den Ursachen einer weicher werdenden Kontur lesen Sie im Beitrag Hängebäckchen — warum die Kieferlinie weicher wird und was dagegen hilft.

Fadenlifting oder Facelift: der eigentliche Unterschied

Ein Facelift arbeitet an den tiefen Strukturen. Der Chirurg löst die Haut, strafft das darunterliegende Muskel-Bindegewebs-System und entfernt überschüssige Haut. Die neue Position wird mit Nähten an festen Strukturen verankert. Das Ergebnis hält in der Regel viele Jahre, weil die Ursache des Absinkens operativ behandelt wird.

Das Fadenlifting arbeitet dagegen nur in der Unterhaut. Es verschiebt Gewebe, ohne etwas zu entfernen und ohne die tiefen Haltebänder neu zu befestigen. Deshalb ist der Effekt kleiner und kürzer. Er kann ein Facelift hinauszögern, aber er kann es nicht ersetzen, wenn der Befund eine Operation verlangt.

Für die Belastung gilt das Umgekehrte. Ein Facelift bedeutet eine Operation mit längerer Erholung, sichtbaren Schwellungen über Wochen und den Risiken eines chirurgischen Eingriffs. Das Fadenlifting ist kürzer und leichter, dafür ist der Gewinn kleiner. Beide Wege haben ihre Berechtigung, aber sie beantworten unterschiedliche Fragen.

In der Beratung lohnt sich deshalb ein ehrlicher Blick auf die Frage, welches Problem eigentlich vorliegt. Ist es Volumenverlust, hilft oft eher ein Aufbau mit Hyaluronsäure an Wangen oder Kieferlinie. Ist es Hautüberschuss, ist eine Operation die konsequente Antwort. Das Fadenlifting liegt in einem schmalen Bereich dazwischen.

Häufig wird das Fadenlifting mit anderen Verfahren kombiniert. Ein gezielter Volumenaufbau an der Wange kann die Anhebung unterstützen, weil er dem Gewebe von unten Halt gibt. Eine Behandlung der Hautqualität kann die Oberfläche verbessern, die Fäden nicht erreichen. Kombinationen sind sinnvoll, wenn jede Maßnahme ein eigenes Problem löst, und nicht, um ein schwaches Einzelergebnis aufzufüllen. Wie sich die Kontur des Unterkiefers gezielt definieren lässt, beschreibt die Seite zur Jawline.

Wie ein Fadenlifting abläuft und wie schmerzhaft es ist

Vor der Behandlung steht die Untersuchung im Sitzen und im Liegen. Im Liegen fällt das Gewebe zurück, im Sitzen zeigt sich, wohin es tatsächlich absinkt. Daraus ergeben sich die Vektoren, entlang derer die Fäden gelegt werden. Die Einstichpunkte und Verläufe werden auf der Haut markiert, damit beide Seiten vergleichbar behandelt werden.

Die Behandlung erfolgt in örtlicher Betäubung. Über wenige kleine Einstiche wird eine stumpfe Kanüle unter die Haut geführt, in der der Faden liegt. Ist die Kanüle zurückgezogen, bleibt der Faden im Gewebe, und das Gewebe wird vorsichtig in die gewünschte Richtung modelliert. Je nach Region dauert der Eingriff etwa eine halbe bis eine Stunde.

Die meisten Patientinnen beschreiben die Betäubung als den unangenehmsten Teil. Während der Behandlung spüren sie Druck und Zug, aber selten Schmerz. In den Tagen danach ist ein Spannungs- und Muskelkatergefühl typisch, das sich mit einfachen Schmerzmitteln gut beherrschen lässt. Blutverdünnende Schmerzmittel sollten dabei nur nach Rücksprache eingenommen werden.

Für die ersten ein bis zwei Wochen gelten einige Regeln: auf dem Rücken schlafen, das Gesicht nicht massieren, keine starke Mimik, kein Sport mit hoher Belastung, keine Sauna und keine Zahnbehandlung mit weit geöffnetem Mund. Make-up ist meist nach ein bis zwei Tagen wieder möglich, sofern die Einstichstellen geschlossen sind. Diese Regeln dienen dazu, dass die Widerhaken in der neuen Lage einwachsen können, bevor das Gewebe stark bewegt wird.

Wie lange hält ein Fadenlifting wirklich

Die sichtbare Anhebung ist direkt nach der Behandlung am stärksten. In den ersten Wochen setzt sich das Gewebe, ein Teil des Effekts geht wieder verloren. Das ist normal und sollte vorher bekannt sein, damit niemand von der ersten Woche auf das Endergebnis schließt.

Die Fäden selbst werden je nach Material innerhalb von Monaten bis etwa zwei Jahren abgebaut. Die Haltewirkung endet meist früher als der vollständige Abbau, weil die Widerhaken ihre Spannung verlieren. Viele Fachgesellschaften nennen eine Wirkdauer im Bereich von etwa einem Jahr, mit großer Spannbreite. Verlässliche Langzeitdaten aus kontrollierten Studien sind rar.

Wovon die Dauer abhängt, lässt sich gut benennen: von der Dicke und Elastizität der Haut, vom Gewicht des Gewebes, von der Mimik und vom Material. Wer stark abnimmt oder zunimmt, verändert die Grundlage, auf der die Fäden arbeiten. Auch eine ausgeprägte Mimik, etwa häufiges kräftiges Lachen oder Kauen, beansprucht die Verankerung stärker. Nach dem Abbau kehrt das Gewebe nicht unter den Ausgangszustand zurück, die natürliche Alterung läuft aber in der Zwischenzeit weiter. Einen Vergleich der Haltbarkeit verschiedener Verfahren finden Sie im Beitrag Haltbarkeit im Vergleich: wie lange hält welche Behandlung.

Welche Nachteile hat ein Fadenlifting

Der erste Nachteil ist die begrenzte Wirkung. Wer ein deutliches Ergebnis erwartet, wird vom Fadenlifting häufig enttäuscht. Kalkulieren Sie lieber mit einer leichten Korrektur als mit einer Verjüngung, und fragen Sie in der Beratung konkret nach, welche Veränderung realistisch ist.

Der zweite Nachteil ist die Wiederholung. Weil die Fäden abgebaut werden, muss die Behandlung nach einiger Zeit erneut erfolgen, wenn der Effekt erhalten bleiben soll. Auf viele Jahre gerechnet ist das kein günstiger Weg, und jede Wiederholung bringt erneut die Risiken eines Eingriffs mit sich.

Der dritte Nachteil betrifft spätere Eingriffe. Nach mehreren Fadenbehandlungen kann sich im Unterhautgewebe vermehrt Bindegewebe bilden. Bei einem späteren Facelift erschwert das die Präparation. Das ist kein Grund zur Panik, sollte aber bei der Planung bekannt sein, wenn eine Operation langfristig absehbar ist.

Ein vierter Punkt wird oft übersehen: Fäden lassen sich nicht so einfach rückgängig machen wie eine Hyaluronsäure-Unterspritzung, die sich mit einem Enzym auflösen lässt. Ein störender Faden muss über einen Einstich herausgezogen werden, und das gelingt nicht immer vollständig, wenn er bereits eingewachsen ist.

Risiken und Nebenwirkungen

Häufig sind Schwellungen, Blutergüsse und ein Spannungsgefühl in den ersten Tagen. Beim Kauen, Gähnen oder Lachen kann es in der ersten Zeit ziehen. Die Einstichstellen sind klein, können aber einige Tage gerötet sein. Diese Beschwerden klingen in der Regel innerhalb von ein bis zwei Wochen ab und sind kein Zeichen eines Fehlers.

Seltener, aber typisch für das Verfahren sind Dellen und Einziehungen der Haut über den Widerhaken. Sie bilden sich oft von selbst zurück, manchmal braucht es eine Korrektur. Ein Faden kann sich unter dünner Haut abzeichnen, verrutschen oder an der Einstichstelle durchtreten. Dann muss er entfernt werden.

Wie häufig solche Probleme auftreten, hängt stark von der Technik, vom Material und von der Erfahrung ab. Belastbare Zahlen aus großen kontrollierten Studien gibt es dafür kaum, die veröffentlichten Serien sind klein und uneinheitlich. Seriös ist deshalb nur die Aussage, dass kleinere Unregelmäßigkeiten nicht selten sind und meist beherrschbar bleiben.

Ernstere Komplikationen sind Infektionen, anhaltende Asymmetrien und in seltenen Fällen eine Reizung von Nerven oder Speicheldrüsen. Deshalb gehört die Behandlung in ärztliche Hände, die die Anatomie des Gesichts kennen und Komplikationen auch behandeln können. Eine Infektion um einen Faden heilt oft erst aus, wenn der Faden entfernt ist.

Wann wir davon abraten

Bei akuten Entzündungen oder Infektionen im Behandlungsgebiet, in Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei einer Neigung zu überschießender Narbenbildung behandeln wir nicht. Gerinnungsstörungen und blutverdünnende Medikamente erhöhen das Risiko für Blutergüsse und müssen vorher besprochen werden. Bei Autoimmunerkrankungen und bei Implantaten im Gesicht wägen wir besonders sorgfältig ab.

Wir raten auch dann ab, wenn der Befund nicht zum Verfahren passt. Wer deutlichen Hautüberschuss hat, einen erschlafften Hals oder tiefe Falten durch Lichtalterung, bekommt mit Fäden kein Ergebnis, das die Belastung rechtfertigt. Für den Hals finden Sie Hintergründe im Beitrag Falten am Hals — welche Form vorliegt und was wirklich hilft.

Und wir raten ab, wenn die Erwartung nicht stimmt. Wer sich vom Fadenlifting das Ergebnis einer Operation wünscht, wird enttäuscht sein. Ein ehrliches Gespräch darüber spart Geld und Frust, auch wenn die Antwort manchmal lautet, dass im Moment gar keine Behandlung nötig ist. Dazu gehört auch die Frage, ob der Zeitpunkt passt. Wer in wenigen Wochen einen wichtigen Termin hat, sollte die Schwellung und mögliche Unregelmäßigkeiten der ersten Zeit einplanen und nicht knapp davor behandeln lassen.

Fazit

Das Fadenlifting ist kein Wundermittel und auch kein leeres Versprechen, sondern ein Werkzeug mit engem Anwendungsbereich. Bei beginnender Erschlaffung, guter Hautqualität und realistischer Erwartung kann es eine leichte, befristete Anhebung bewirken. Bei deutlichem Hautüberschuss ist die Operation der ehrlichere Weg, bei Volumenverlust der gezielte Aufbau.

Wer sich für ein Fadenlifting interessiert, sollte drei Dinge vorher klären: welcher Befund genau vorliegt, welche Veränderung realistisch ist und wie lange sie voraussichtlich hält. Werden diese Fragen nicht konkret beantwortet, ist das ein Grund, eine zweite Meinung einzuholen.

Die Entscheidung beginnt deshalb nicht mit dem Verfahren, sondern mit der Frage, was im Gesicht tatsächlich passiert ist. Für eine Einschätzung bei uns in Hannover können Sie über die Seite Kontakt einen Termin für ein Beratungsgespräch vereinbaren. Einen Überblick über Kosten anderer Verfahren gibt unsere Preisübersicht.

Prof. Dr. Mohamed Omar, Chiq Aesthetics, Karmarschstraße 33–35, 30159 Hannover

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt kein ärztliches Beratungsgespräch. Ob eine Behandlung im Einzelfall geeignet ist, lässt sich nur nach persönlicher Untersuchung beurteilen.


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