Eigenfett im Gesicht — wann es sinnvoll ist und was es nicht leisten kann
Aktualisiert: vor 22 Stunden
Wer über Eigenfett im Gesicht nachdenkt, hat meist eine von zwei Fragen im Kopf. Die erste: Gibt es eine natürlichere Alternative zu Hyaluronsäure, ohne Fremdmaterial und ohne regelmäßige Auffrischung? Die zweite: Was ist dran an den Versprechen rund um Stammzellen aus Fettgewebe, die die Haut von innen verjüngen sollen?
Beide Fragen verdienen eine ehrliche Antwort. Die Behandlung mit Eigenfett ist ein etabliertes chirurgisches Verfahren mit echten Vorteilen. Sie ist aber auch ein Eingriff an zwei Stellen des Körpers, mit einem Ergebnis, das sich weniger genau vorhersagen lässt als bei einem Filler. Und bei den Aussagen über Stammzellen klafft zwischen Werbung und Studienlage eine deutliche Lücke.
Dieser Beitrag erklärt, wie die Behandlung abläuft, wann Eigenfett im Gesicht sinnvoll ist, wie es sich von Hyaluronsäure unterscheidet, was es nicht kann und für wen wir es nicht empfehlen.
Wie die Behandlung mit Eigenfett funktioniert
Bei einer Eigenfettbehandlung, auch Lipofilling oder Eigenfetttransfer genannt, wird zunächst eine kleine Menge Fett an einer anderen Körperstelle entnommen, meist an Bauch, Hüfte oder Innenseite der Oberschenkel. Die Entnahme erfolgt über eine dünne Kanüle mit geringem Unterdruck, damit die Fettzellen möglichst wenig geschädigt werden. Es handelt sich also um eine kleine Fettabsaugung.
Anschließend wird das Fett aufbereitet. Blut, Flüssigkeit und freies Öl werden abgetrennt, übrig bleibt gereinigtes Fettgewebe. Je nach Ziel wird es in unterschiedlicher Feinheit verwendet: gröbere Anteile für Volumen, fein aufbereitete Anteile für flache Regionen und die Haut. Das Fett wird dann über feine, stumpfe Kanülen in kleinen Portionen und in mehreren Schichten in das Gesicht eingebracht.
Das Prinzip dahinter ist einfach: Fettgewebe, das an seinem neuen Ort Anschluss an die Blutversorgung findet, bleibt dort erhalten. Fettgewebe, das keinen Anschluss findet, wird vom Körper abgebaut. Deshalb wird in dünnen Strängen gearbeitet und nicht in großen Depots.
Die Behandlung erfolgt in der Regel in örtlicher Betäubung, bei größerem Umfang gegebenenfalls in einem leichten Dämmerschlaf. Wie lange sie dauert, hängt davon ab, wie viele Regionen behandelt werden und wie viel Fett entnommen werden muss. Anders als bei einem Filler geht man nicht nach einer halben Stunde wieder in den Alltag zurück. Die Entnahmestelle wird mit einem Kompressionsverband oder einer Kompressionswäsche versorgt, die einige Tage getragen werden sollte.
Wann ist Eigenfett im Gesicht sinnvoll?
Eigenfett eignet sich vor allem dann, wenn im Gesicht an mehreren Stellen Volumen fehlt. Typisch sind eingefallene Schläfen, abgeflachte Wangen, eine Vertiefung unter den Augen, die in die Wange übergeht, und ein insgesamt hageres, müdes Gesicht, etwa nach einer deutlichen Gewichtsabnahme. Hier kann Eigenfett größere Mengen natürlich verteilen, die mit Fillern nur mit viel Material zu erreichen wären.
Ein weiterer Einsatzbereich sind Narben und Dellen, etwa nach Unfällen, Operationen oder einer früheren Fettabsaugung, bei denen Gewebe fehlt. Hier kann Eigenfett die Kontur ausgleichen. Ob und wie weit das gelingt, hängt davon ab, wie fest die Narbe mit dem Untergrund verwachsen ist. Manchmal muss die Narbe dafür zunächst gelöst werden.
Weniger gut geeignet ist Eigenfett für feine, präzise Korrekturen. Die Lippenkontur, ein kleiner Höcker am Nasenrücken oder eine exakt definierte Kinnspitze lassen sich mit einem Filler besser steuern. Auch für bewegungsabhängige Falten, etwa an der Stirn oder zwischen den Augenbrauen, ist Eigenfett nicht die richtige Methode, weil dort nicht Volumen, sondern Muskelaktivität die Ursache ist.
Was ist besser, Hyaluron oder Eigenfett?
Keine der beiden Methoden ist grundsätzlich besser. Sie haben unterschiedliche Stärken, und die Wahl hängt vom Befund und von den Wünschen ab.
Vorhersagbarkeit. Ein Hyaluronsäure-Filler bleibt dort, wo er platziert wurde, in der eingebrachten Menge. Das Ergebnis ist direkt nach dem Abklingen der Schwellung sichtbar und gut steuerbar. Bei Eigenfett wird ein Teil des übertragenen Gewebes in den ersten Wochen abgebaut. Wie groß dieser Anteil ist, ist von Mensch zu Mensch verschieden und lässt sich vorher nicht genau sagen. Manchmal ist deshalb eine zweite Sitzung nötig.
Haltbarkeit. Filler werden über Monate bis wenige Jahre abgebaut und müssen aufgefrischt werden. Eigenfett, das angewachsen ist, bleibt als lebendes Gewebe erhalten. Es altert aber mit dem Gesicht und verändert sich mit dem Körpergewicht. Wer nach einer Eigenfettbehandlung deutlich zunimmt, kann auch im Gesicht an Volumen zulegen.
Umkehrbarkeit. Hyaluronsäure lässt sich mit einem Enzym auflösen, wenn das Ergebnis nicht gefällt. Eigenfett lässt sich nicht einfach auflösen. Eine Korrektur ist aufwendiger, etwa durch Absaugen oder eine Operation.
Aufwand. Ein Filler wird in einer kurzen Sitzung ohne Entnahme gesetzt. Eigenfett erfordert einen Eingriff an zwei Stellen, eine längere Behandlungsdauer und eine längere Erholung.
Eine ausführlichere Einordnung der Filler finden Sie in unserem Beitrag Hyaluron in Hannover – was Filler leisten, wie eine Behandlung abläuft und worauf es bei der Wahl der Praxis ankommt.
Was Stammzellen im Fettgewebe leisten und was nicht
Fettgewebe enthält neben Fettzellen auch Vorläuferzellen, die oft als Stammzellen bezeichnet werden, dazu Gefäßzellen und Botenstoffe. Aus Laborversuchen und Tiermodellen ist bekannt, dass diese Zellen die Bildung neuer Blutgefäße und die Wundheilung beeinflussen können. Daraus leitet sich die Annahme ab, dass übertragenes Fett auch die Hautqualität darüber verbessern könnte.
Beim Menschen ist diese Wirkung auf die Hautqualität bisher nicht zuverlässig belegt. Es gibt Beobachtungen und kleinere Studien, die über eine Verbesserung von Hautbild und Narben berichten, aber keine belastbaren Daten, die eine Verjüngung der Haut auf Zellebene nachweisen. Wie groß der Beitrag der Vorläuferzellen im Vergleich zum reinen Volumeneffekt ist, ist wissenschaftlich offen.
Wir benennen das so klar, weil Stammzellen in der Werbung gern als Verjüngung von innen dargestellt werden. Was sich sicher sagen lässt: Eigenfett ersetzt verlorenes Volumen mit körpereigenem Gewebe. Alles, was darüber hinaus versprochen wird, sollte man mit Vorsicht betrachten.
Dazu kommt eine rechtliche und fachliche Unterscheidung. Wird Fettgewebe nur mechanisch aufbereitet, etwa durch Waschen, Filtern oder Zerkleinern, bleibt es ein körpereigenes Transplantat. Werden Zellen dagegen im Labor isoliert, vermehrt oder verändert, gelten dafür strenge arzneimittelrechtliche Vorgaben. Fragen Sie vor einer Behandlung nach, welches Verfahren angewendet wird und was es nach heutigem Wissensstand leisten kann.
Wie lange hält eine Eigenfettunterspritzung im Gesicht?
In den ersten Wochen nach der Behandlung ist das Gesicht geschwollen, und ein Teil des übertragenen Fetts wird abgebaut. Das endgültige Ergebnis lässt sich deshalb erst nach etwa drei bis sechs Monaten beurteilen. Was dann noch vorhanden ist, ist angewachsenes Gewebe und bleibt in der Regel über lange Zeit erhalten.
Dauerhaft im Sinne von unveränderlich ist das Ergebnis trotzdem nicht. Das Gesicht altert weiter, Knochen und Weichteile verändern sich, und das übertragene Fett macht diese Veränderungen mit. Auch Gewichtsschwankungen wirken sich aus, weil sich übertragene Fettzellen so verhalten wie an ihrem Entnahmeort. Wer eine Eigenfettbehandlung plant, sollte deshalb möglichst ein stabiles Körpergewicht haben.
Kalkulieren Sie ein, dass eine zweite Sitzung nötig werden kann, wenn nach dem Abbau weniger Volumen geblieben ist als geplant. Seriös ist, das vor der ersten Behandlung offen zu besprechen.
Einfluss auf das Einheilen haben auch die ersten Wochen nach der Behandlung. Kühlen, eine etwas erhöhte Kopfposition in den ersten Nächten und der Verzicht auf Massagen, starken Druck und Sport in der behandelten Region helfen, das übertragene Gewebe nicht zu belasten. Rauchen verschlechtert die Durchblutung und damit die Chance, dass das Fett anwächst. Wer raucht, sollte in den Wochen vor und nach der Behandlung darauf verzichten.
Risiken und Nebenwirkungen von Eigenfett im Gesicht
Die Behandlung mit Eigenfett ist ein chirurgischer Eingriff. An der Entnahmestelle sind Blutergüsse, Schwellungen, Druckschmerz und vorübergehende Taubheit häufig. Selten entstehen dort Unebenheiten oder Dellen. Im Gesicht klingen Schwellungen und Blutergüsse meist innerhalb von ein bis zwei Wochen deutlich ab, eine leichte Restschwellung kann länger bestehen.
Möglich sind außerdem Knötchen, Ölzysten oder Verhärtungen, wenn Fett an einer Stelle nicht einheilt. Eine ungleiche Verteilung oder Asymmetrie kann eine Nachkorrektur erfordern. Infektionen sind selten. Sehr selten, aber ernst ist die Verstopfung eines Blutgefäßes durch eingebrachtes Fett, die zu einer Durchblutungsstörung der Haut und im äußersten Fall zu einer Schädigung des Sehvermögens führen kann. Deshalb wird im Gesicht mit stumpfen Kanülen, in kleinen Portionen und mit genauer Kenntnis der Gefäßverläufe gearbeitet. Auch eine Überkorrektur ist möglich, wenn mehr Fett einheilt als erwartet. Sie zeigt sich meist erst nach einigen Monaten und lässt sich dann nur mit einem erneuten Eingriff verringern. Deshalb gilt bei Eigenfett im Gesicht: lieber in zwei zurückhaltenden Sitzungen arbeiten als in einer zu großzügigen.
Anders als bei Hyaluronsäure gibt es kein Enzym, das übertragenes Fett im Notfall auflöst. Das ist ein Grund mehr, die Behandlung in erfahrene chirurgische Hände zu legen.
Wann wir davon abraten
Es gibt Situationen, in denen wir von einer Eigenfettbehandlung im Gesicht abraten.
Bei sehr wenig Körperfett. Wer sehr schlank ist, hat oft nicht genug geeignetes Fettgewebe für eine Entnahme. Dann ist ein Filler meist der bessere Weg.
Bei stark schwankendem Gewicht oder geplanter Gewichtsabnahme. Das übertragene Fett verändert sich mit dem Körpergewicht. Wer in den nächsten Monaten deutlich abnehmen möchte, sollte die Behandlung verschieben.
Bei feinen, präzisen Korrekturwünschen. Für die Lippenkontur, kleine Unebenheiten am Nasenrücken oder eine exakt definierte Kinnlinie ist ein Filler besser steuerbar.
Bei medizinischen Gegenanzeigen. Dazu gehören Schwangerschaft und Stillzeit, akute Infektionen oder Entzündungen an Entnahme- oder Behandlungsstelle, Gerinnungsstörungen und blutverdünnende Medikamente ohne ärztliche Rücksprache, starkes Rauchen, das die Einheilung verschlechtert, sowie schwere Allgemeinerkrankungen, die einen Eingriff in örtlicher Betäubung riskant machen.
Bei falschen Erwartungen. Eigenfett ersetzt Volumen, es strafft keine Haut und hebt kein abgesunkenes Gewebe an. Wer deutlich erschlaffte Haut hat, bekommt durch mehr Volumen allein kein gestrafftes Gesicht. Auch wer eine Verjüngung der Haut durch Stammzellen erwartet, sollte die offene Studienlage kennen.
Was vor der Behandlung geklärt werden muss
Vor einer Eigenfettbehandlung steht eine gründliche Untersuchung. Dabei geht es um die Frage, wo im Gesicht Volumen fehlt und wie viel, wie elastisch die Haut ist und ob abgesunkenes Gewebe zusätzlich eine Straffung erfordern würde. Ebenso wird geprüft, ob an geeigneten Entnahmestellen genug Fett vorhanden ist.
Hilfreich sind ältere Fotos, am besten aus verschiedenen Lebensjahrzehnten. Sie zeigen, wie das Gesicht früher aufgebaut war und welche Regionen an Volumen verloren haben. Das Ziel ist nicht ein volleres Gesicht, sondern eines, das wieder zu Ihnen passt. Wie Volumenverlust das Gesicht verändert, beschreibt unser Beitrag Volumenverlust im Gesicht – warum Wangen unterspritzen oft mehr verändert als die Behandlung einzelner Falten. Für eingefallene Schläfen ist auch die Seite zur Behandlung der Schläfen aufschlussreich.
Besprochen werden außerdem der Ablauf am Behandlungstag, die Erholungszeit und der Umgang mit einer möglichen zweiten Sitzung. Planen Sie nach der Behandlung einige Tage ein, in denen Sie sich nicht öffentlich zeigen möchten.
Zur Frage der Kosten: Eine Eigenfettbehandlung ist als Eingriff aufwendiger als eine einzelne Unterspritzung mit einem Filler, weil Entnahme, Aufbereitung und Einbringen dazugehören. Dafür entfällt die regelmäßige Auffrischung. Ob sich das über die Jahre rechnet, hängt davon ab, wie viel Volumen fehlt und ob eine zweite Sitzung nötig wird. Ein fairer Vergleich betrachtet deshalb nicht den Preis einer Sitzung, sondern den gesamten Behandlungsweg über mehrere Jahre.
Fazit
Eigenfett im Gesicht ist eine gute Methode, um größere Volumenverluste mit körpereigenem Gewebe auszugleichen, besonders wenn mehrere Regionen betroffen sind. Das Ergebnis ist langlebig, aber weniger genau vorhersagbar als bei einem Filler, und es lässt sich nicht einfach rückgängig machen.
Die Aussagen über eine Verjüngung der Haut durch Stammzellen sind wissenschaftlich nicht belegt. Wer sich für Eigenfett entscheidet, sollte das wegen des Volumens tun, nicht wegen eines Versprechens. Für kleine, präzise Korrekturen bleibt ein Filler meist die bessere Wahl. Die richtige Methode ergibt sich aus dem Befund, nicht aus dem Trend.
Wenn Sie wissen möchten, ob Eigenfett in Ihrem Fall infrage kommt, können Sie über unsere Kontaktseite einen Termin zur Untersuchung in unserer Praxis in Hannover vereinbaren. Eine Übersicht der Leistungen und Kosten finden Sie auf der Preisseite.
Prof. Dr. Mohamed Omar, Chiq Aesthetics, Karmarschstraße 33–35, 30159 Hannover
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt kein ärztliches Beratungsgespräch. Ob eine Behandlung im Einzelfall geeignet ist, lässt sich nur nach persönlicher Untersuchung beurteilen.
Den umgekehrten Eingriff, bei dem Fettgewebe aus der Wange entfernt wird, und warum er gut überlegt sein will, beschreibt der Beitrag Bichektomie: wann die Entfernung des Wangenfetts sinnvoll ist und wann nicht.



