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Erdbeerkinn: warum das Kinn dellig wirkt und was dagegen hilft

Autorenbild: Prof. Dr. Mohamed Omar
Prof. Dr. Mohamed Omar
27. Sept.
8 Min. Lesezeit

Es fällt meistens nicht im Spiegel auf, sondern auf einem Foto oder in einem Video: Die Haut über dem Kinn wirkt nicht glatt, sondern unruhig, übersät mit kleinen Grübchen und Einziehungen, wie eine gepflasterte Fläche. Wer diesen Eindruck bei sich bemerkt, sucht die Ursache fast immer in der Haut — zu trocken, zu schlaff, zu wenig gepflegt. Für ein Erdbeerkinn ist das die falsche Fährte, und genau deshalb bleiben Cremes, Peelings und Hautbehandlungen an dieser Stelle wirkungslos.

Die Oberfläche des Kinns wird nicht von der Haut geformt, sondern von einem kleinen Muskel darunter. Er zieht die dünne Haut in Grübchen zusammen, sobald er anspannt — und bei manchen Menschen ist er auch dann angespannt, wenn das Gesicht eigentlich ruht. Was aussieht wie eine Textur der Haut, ist in Wahrheit ein Zugmuster von unten.

Dieser Beitrag ordnet, wie dieses Bild entsteht, warum eine sehr kleine Menge Botulinumtoxin die passende Antwort auf eine muskuläre Ursache ist, wo die häufigste und teuerste Verwechslung liegt, welche Risiken die Behandlung mitbringt — und in welchen Fällen wir davon abraten, weil ein delliges Kinn schlicht kein Befund ist.

Was ein Erdbeerkinn ist und wann es auffällt

Gemeint ist eine unruhige, dellige Oberfläche der Haut über dem Kinn. Statt einer glatten, gleichmäßig gewölbten Fläche zeigen sich zahlreiche kleine Einziehungen dicht nebeneinander, dazwischen bleiben kleine Erhebungen stehen. Der Vergleich mit der Oberfläche einer Erdbeere trifft das Bild gut, weshalb sich die Bezeichnung Erdbeerkinn eingebürgert hat. Gebräuchlich sind auch die Begriffe Pflastersteinkinn, weil die Fläche wie gepflastert wirkt, und Orangenhaut-Kinn, weil das Muster an die Struktur einer Orangenschale erinnert. Alle drei Bezeichnungen meinen dasselbe.

Entscheidend für die Einordnung ist, wann das Muster sichtbar wird. Bei vielen Menschen zeigt es sich ausschließlich in starker Mimik: beim Schmollen, beim Zusammenpressen der Lippen, beim Sprechen bestimmter Laute. Sobald das Gesicht wieder ruht, verschwindet es vollständig. Bei anderen bleibt eine Restunruhe auch im entspannten Zustand bestehen, sichtbar besonders im Streiflicht und auf Fotos.

Diese Unterscheidung ist keine akademische Feinheit, sondern die eigentliche Weichenstellung. Ein Erdbeerkinn, das nur in ausgeprägter Mimik auftritt, ist ein normales Bewegungsmuster eines gesunden Gesichts. Ein Erdbeerkinn, das im Ruhezustand stehen bleibt, ist etwas, das sich behandeln lässt — behandelt werden muss es deshalb trotzdem nicht.

Der Musculus mentalis — warum das Kinn dellig wird

Verantwortlich ist der Musculus mentalis, ein kleiner, paariger Muskel, der am Unterkieferknochen entspringt und nach unten in die Haut des Kinns einstrahlt. Seine Aufgabe ist, das Weichgewebe des Kinns anzuheben und nach oben zu schieben; dadurch stülpt er die Unterlippe vor. Es ist der Muskel des Schmollens und, funktionell betrachtet, ein Muskel, der die Unterlippe gegen die Oberlippe drückt.

Weil er direkt in die Haut einstrahlt und die Haut über dem Kinn dünn ist und dem Knochen eng aufliegt, überträgt sich jede Anspannung unmittelbar auf die Oberfläche. Der Muskel zieht punktförmig an vielen Stellen zugleich, und dazwischen wölbt sich das Gewebe vor. Das Ergebnis ist genau jenes gepflasterte Muster. Bei hoher Grundspannung des Muskels — oder wenn er beim Sprechen, beim konzentrierten Nachdenken oder beim Unterdrücken einer Gefühlsregung dauerhaft leicht mitarbeitet — bleibt das Muster auch dann bestehen, wenn das Gesicht sich entspannt anfühlt.

Damit ist die Ursache benannt: Ein Erdbeerkinn ist eine muskuläre Erscheinung, keine Hautveränderung. Es fehlt kein Kollagen an der Oberfläche, es ist keine Struktur der Haut geschädigt, und es hat mit Pflege nichts zu tun. Aus dieser Feststellung folgt unmittelbar die passende Behandlung.

Botulinumtoxin schwächt gezielt die Anspannung eines Muskels, ohne ihn auszuschalten. Genau das ist hier gefragt: eine sehr kleine Menge in den Musculus mentalis senkt dessen Grundspannung so weit, dass der Zug an der Haut nachlässt und die Oberfläche des Kinns ruhiger wird. Die Menge ist deutlich kleiner als in vielen anderen Regionen des Gesichts, und das ist kein Detail, sondern der Kern der Sache — dieser Muskel wird für Sprechen, Essen und Lippenschluss gebraucht.

Erdbeerkinn oder Volumenverlust — die Verwechslung, die Geld kostet

Ein delliges, unruhiges Kinn kann noch eine zweite Ursache haben, die auf den ersten Blick sehr ähnlich aussieht: fehlendes Volumen. Nimmt die knöcherne Projektion des Kinns ab und schwindet das Fettpolster darüber, sinkt die Haut ein, wirft kleine Unregelmäßigkeiten und verliert ihre gleichmäßige Wölbung. Das Bild ähnelt einem muskulär bedingten Erdbeerkinn, hat aber eine völlig andere Ursache — und braucht eine völlig andere Antwort.

Fehlt Volumen, hilft kein Botulinumtoxin. Dann ist ein Hyaluronsäure-Filler das passende Mittel, weil er die verlorene Grundlage ersetzt und die Haut wieder von innen glättet. Wer in dieser Konstellation nur den Muskel behandeln lässt, wird mit dem Ergebnis nicht zufrieden sein: Die Anspannung lässt nach, die eingesunkene Fläche bleibt.

Häufig liegt beides gleichzeitig vor, und das ist der eigentliche Grund für die Untersuchung vor der Behandlung. Wir sehen uns das Kinn im entspannten Zustand und in Bewegung an, im normalen Licht und im Streiflicht, von vorn und im Profil, und tasten die knöcherne Grundlage. Zeigt sich das Muster nur bei Anspannung, spricht das für den Muskel. Bleibt eine flächige Einsenkung auch bei völlig ruhigem Gesicht bestehen, fehlt Volumen. Was ein gezielter Aufbau am Kinn leisten kann und was nicht, entscheidet sich an diesem Befund und nicht an der Behandlungswunschliste.

In der Praxis heißt das oft: erst das Volumen, dann der Muskel — oder beides in einer abgestimmten Reihenfolge mit Abstand dazwischen. Diese Einordnung vor der ersten Injektion ist der wirksamste Weg, unnötige Behandlungen zu vermeiden.

Das Muster drumherum — Mundwinkel und Kinn-Lippen-Furche

Ein überaktiver Musculus mentalis steht selten allein. Die Muskeln des unteren Gesichtsdrittels arbeiten als Gruppe, und wer den Mentalis dauerhaft stark anspannt, spannt in aller Regel auch seine Nachbarn mit an. Sichtbar wird das an zwei Stellen: Die Mundwinkel sinken ab, weil der Musculus depressor anguli oris mitzieht, und die Furche zwischen Unterlippe und Kinn tritt tiefer und schärfer hervor.

Der Gesamteindruck, der daraus entsteht, hat mit der Stimmung der betreffenden Person nichts zu tun: Das Gesicht wirkt in Ruhe verschlossen, angestrengt oder unzufrieden, auch wenn es das nicht ist. Genau dieser Eindruck ist es, der die meisten Menschen überhaupt erst auf das Thema bringt — und er lässt sich nicht auflösen, indem nur das Kinn behandelt wird.

Wer ausschließlich den Mentalis schwächt, übersieht das Muster und wundert sich, dass der abweisende Zug im unteren Gesicht bleibt. Sinnvoll ist deshalb, das untere Gesichtsdrittel als Einheit zu betrachten und zu entscheiden, ob das Anheben der Mundwinkel dazugehört. Warum die Mundwinkel absinken und welche Rolle dabei auch Volumen und Hautqualität spielen, ist im Beitrag zu den Marionettenfalten ausführlicher beschrieben.

Wie die Behandlung des Erdbeerkinns abläuft

Die Behandlung selbst ist kurz. Nach der Untersuchung und dem Anzeichnen wird die Haut desinfiziert, dann folgen ein oder zwei Einstiche mit einer sehr feinen Nadel. Injiziert wird tief, unmittelbar am Knochen, und mittig in der Vertiefung unterhalb der Kinnspitze — ausdrücklich nicht in Richtung Unterlippe und nicht oberflächlich. Diese Vorgabe ist der wichtigste Punkt der gesamten Behandlung, und der Grund dafür steht im nächsten Abschnitt.

Die Dosis bleibt bewusst klein. Ziel ist, die Grundspannung zu senken, nicht den Muskel lahmzulegen; er wird für den Lippenschluss und für die Aussprache gebraucht. Aus demselben Grund ist es sinnvoll, eher niedrig zu beginnen und nach der Kontrolle bei Bedarf nachzujustieren, statt beim ersten Termin zu viel zu setzen.

Die Wirkung setzt nicht sofort ein. Erste Veränderungen zeigen sich meist nach drei bis fünf Tagen, das endgültige Ergebnis lässt sich nach etwa zwei Wochen beurteilen. Deshalb liegt die Kontrolle bewusst in diesem Abstand — vorher lässt sich nicht seriös entscheiden, ob nachgesetzt werden sollte. Was in unserer Praxis in Hannover für ein Erdbeerkinn konkret infrage kommt, hängt von diesem Befund und vom Ergebnis der ersten Behandlung ab.

Für die ersten Stunden gelten die üblichen Regeln: nicht auf der Stelle reiben oder massieren, an diesem Tag kein Sport, keine Sauna, kein starkes Bücken über längere Zeit. Ein kleiner Bluterguss oder eine leichte Schwellung an der Einstichstelle kann auftreten und vergeht innerhalb weniger Tage.

Risiken, Nebenwirkungen und Wirkdauer

Das entscheidende Risiko dieser Behandlung ist die Beteiligung der Unterlippe. Wird zu oberflächlich oder zu weit oben injiziert, verteilt sich das Präparat in die Muskulatur, die die Unterlippe bewegt. Die Folgen sind ein schwacher Lippenschluss, veränderte Aussprache bei bestimmten Lauten, Schwierigkeiten beim Trinken aus einem Glas oder mit einem Strohhalm und ein asymmetrisches Lächeln. Diese Beschwerden bilden sich zurück, aber sie bilden sich über Wochen zurück und lassen sich nicht abkürzen — das ist der Grund für die tiefe, mittige Injektionstechnik und für kleine Mengen.

Dazu kommen die allgemeinen Nebenwirkungen jeder Injektion: Schmerz beim Einstich, Rötung, Schwellung, Bluterguss, in seltenen Fällen eine Infektion an der Einstichstelle. Kopfschmerzen und ein allgemeines Krankheitsgefühl in den ersten Tagen kommen vor. Allergische Reaktionen auf Bestandteile des Präparats sind selten, aber möglich. Sehr selten kann sich der Wirkstoff über die Behandlungsregion hinaus verteilen und Beschwerden an entfernteren Stellen verursachen; Schluckbeschwerden oder Muskelschwäche nach einer Behandlung gehören ärztlich abgeklärt. Ausführlicher sind diese Punkte im Beitrag zu den Nebenwirkungen von Botulinumtoxin dargestellt.

Die Wirkung hält typischerweise drei bis vier Monate. Danach kehrt die ursprüngliche Muskelspannung zurück, und das Erdbeerkinn zeigt sich wieder wie zuvor. Es baut sich in der Zwischenzeit nichts auf und es verschlechtert sich nichts — die Behandlung ist vollständig rückläufig. Wer das Ergebnis halten möchte, muss die Behandlung wiederholen, und das ist eine Entscheidung, die sich jedes Mal neu stellt.

Wann wir davon abraten

Es gibt Situationen, in denen wir nicht behandeln. Dazu gehören eine Schwangerschaft und die Stillzeit, weil belastbare Daten fehlen. Ebenso Erkrankungen der neuromuskulären Übertragung wie Myasthenia gravis oder das Lambert-Eaton-Syndrom, bei denen Botulinumtoxin die Muskelschwäche verstärken kann. Eine bekannte Unverträglichkeit gegenüber Bestandteilen des Präparats, eine Entzündung oder eine Hautinfektion im Behandlungsgebiet und eine akute schwere Erkrankung sprechen ebenfalls dagegen. Bestimmte Medikamente, etwa einige Antibiotika aus der Gruppe der Aminoglykoside oder Muskelrelaxanzien, können die Wirkung verstärken und gehören vorher besprochen.

Genauso oft raten wir aus einem anderen Grund ab: weil die Erwartung nicht zur Methode passt. Wer sich von der Behandlung eine bessere Hautqualität erhofft, feinere Poren oder eine straffere Haut am Kinn, wird enttäuscht — Botulinumtoxin verändert die Haut nicht, es verändert nur den Zug darauf. Wer eine andere Kinnform möchte, eine stärkere Projektion oder eine klarere Kontur zum Hals, braucht Volumen und keine Muskelentspannung. Und wer nach einer deutlichen Gewichtsabnahme überschüssige, lockere Haut am Kinn hat, wird mit einer Injektion in den Muskel nichts daran ändern.

Der wichtigste Fall aber ist der einfachste. Ein Erdbeerkinn ist kein Befund und keine Erkrankung. Bei sehr vielen Menschen tritt das Muster ausschließlich in starker Mimik auf, verschwindet in Ruhe vollständig und braucht keine Behandlung. Wenn Sie es nur auf einem einzelnen unglücklichen Foto entdeckt haben und es Sie im Alltag nicht stört, ist die ehrliche Empfehlung, nichts zu tun. Behandelt wird sinnvollerweise dann, wenn das Muster im Ruhezustand sichtbar ist und die betreffende Person es tatsächlich als störend empfindet — nicht, weil es benannt werden kann.

Fazit

Die Konsequenz aus alldem ist eine Frage der richtigen Zuordnung. Ein Erdbeerkinn, das auf einer hohen Grundspannung des Musculus mentalis beruht, lässt sich mit einer sehr kleinen, tief und mittig gesetzten Menge Botulinumtoxin zuverlässig beruhigen. Ein delliges Kinn, dem Volumen fehlt, lässt sich damit nicht beruhigen — und wer diese beiden Bilder verwechselt, zahlt für eine Behandlung, die an der Ursache vorbeigeht.

Ebenso gehört dazu, das untere Gesichtsdrittel nicht in Einzelteile zu zerlegen. Hängende Mundwinkel und eine betonte Kinn-Lippen-Furche gehören häufig zum selben Muster, und ein Ergebnis, das im Gesicht stimmig wirkt, entsteht aus der Betrachtung der ganzen Region statt aus der Behandlung eines einzelnen Muskels.

Und schließlich bleibt der Punkt, der am wenigsten nach Behandlung klingt und trotzdem der ehrlichste ist: Ein gepflastertes Kinn in starker Mimik ist normal und muss nicht korrigiert werden. Wenn Sie einordnen möchten, ob bei Ihnen der Muskel, das Volumen oder beides dahintersteckt — oder ob eine Behandlung in Ihrem Fall überhaupt sinnvoll ist —, sehen wir uns das in Ruhe an; Sie erreichen uns über Kontakt. Es kann gut sein, dass die Empfehlung am Ende lautet, es dabei zu belassen.

Prof. Dr. Mohamed Omar, Chiq Aesthetics, Karmarschstraße 33–35, 30159 Hannover

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt kein ärztliches Beratungsgespräch. Ob eine Behandlung im Einzelfall geeignet ist, lässt sich nur nach persönlicher Untersuchung beurteilen.


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