Bichektomie — wann die Entfernung des Wangenfetts sinnvoll ist und wann nicht
Aktualisiert: vor 22 Stunden
Die Bichektomie ist in den letzten Jahren vom Randthema der Gesichtschirurgie zu einem Trendbegriff geworden. Unter dem englischen Namen Buccal Fat Removal wird sie in sozialen Medien als Weg zu markanten Wangenknochen und einem schmalen, kantigen Gesicht gezeigt. Entfernt wird dabei ein Teil des Wangenfettkörpers, eines tief liegenden Fettpolsters zwischen den Kaumuskeln.
Aus chirurgischer Sicht ist die Bichektomie ein kleiner Eingriff mit einer großen Konsequenz: Was entfernt wird, kommt nicht wieder. Für manche Gesichter ist das eine sinnvolle Korrektur, für viele andere ein Volumenverlust, der zehn Jahre später als Alterung sichtbar wird. Dieser Beitrag erklärt, was der Wangenfettkörper ist, für wen eine Bichektomie in Frage kommt, welche Nachteile und Risiken sie hat und welche Alternativen es gibt, wenn das Gesicht eigentlich aus einem anderen Grund rund wirkt.
Was der Wangenfettkörper ist
Der Wangenfettkörper, nach dem französischen Anatomen Bichat auch Bichat-Fettpfropf genannt, liegt tief in der Wange. Er sitzt zwischen dem Kaumuskel außen und dem Wangenmuskel innen und reicht mit Ausläufern bis in die Schläfe und unter den Jochbogen. Anders als das Unterhautfett liegt er unter der Muskulatur und ist von einer eigenen dünnen Hülle umgeben.
Seine Aufgabe ist vor allem mechanisch. Er polstert die Gleitbewegung der Kaumuskeln ab und füllt den Raum zwischen den Muskelschichten. Bei Säuglingen ist er im Verhältnis besonders groß und unterstützt das Saugen, deshalb wirken Babys so pausbäckig. Mit dem Alter wird er kleiner und kann zudem nach unten absinken. Ein abgesunkener Anteil kann im Untergesicht zur Fülle neben dem Mundwinkel beitragen, die viele als Hängebäckchen wahrnehmen. Auch das ist ein Grund, warum das Thema Wangenfett im Alter anders zu bewerten ist als in jungen Jahren.
Wichtig für die Frage nach einer Entfernung: Der Wangenfettkörper reagiert kaum auf Gewichtsabnahme. Wer abnimmt, verliert zuerst Unterhautfett, der tiefe Fettkörper bleibt weitgehend erhalten. Das erklärt, warum Diät und Sport ein rundes Mittelgesicht manchmal kaum verändern, während der übrige Körper deutlich schlanker wird. Deshalb behalten manche schlanke Menschen ein rundes Mittelgesicht, obwohl sie sonst kaum Fett haben.
Für wen eine Bichektomie in Frage kommt
Die Bichektomie passt zu einem bestimmten, recht engen Befund. Typisch ist ein jüngeres Gesicht mit ausgeprägter Fülle in der unteren Wange, bei normalem Körpergewicht, mit guter Hautqualität und ohne Zeichen beginnender Erschlaffung. Die Rundung sitzt dabei unterhalb des Jochbeins, zwischen Mundwinkel und Ohr, und lässt sich beim Ansaugen der Wangen von innen deutlich verringern.
Wichtig ist die Unterscheidung, woher die Rundung tatsächlich kommt. Ein breites Untergesicht entsteht häufig nicht durch den Wangenfettkörper, sondern durch einen kräftigen Kaumuskel. Dann bringt eine Bichektomie wenig, und eine Behandlung des Muskels wäre der passendere Ansatz. Wie das funktioniert, beschreibt der Beitrag Masseter-Behandlung — wie der Kaumuskel das Untergesicht schmaler macht.
Ebenso häufig steckt Unterhautfett oder ein allgemein höheres Körpergewicht hinter einem runden Gesicht. Hier verändert eine Gewichtsabnahme mehr, und eine Bichektomie würde ein Gesicht hinterlassen, das nach dem Abnehmen eingefallen wirkt. Auch ein fliehendes Kinn oder eine wenig definierte Kieferlinie können ein Gesicht runder erscheinen lassen, als es ist.
Dazu gehört auch ein Blick auf die Gesichtsform insgesamt. Ein langes, schmales Gesicht verträgt eine Entnahme schlechter als ein kurzes, breites. Bei einem ohnehin hohen, ausgeprägten Jochbein verstärkt die Bichektomie eine Kontur, die schon da ist. Bei einem flachen Jochbein dagegen fehlt die Struktur, an der sich nach der Entnahme ein Schatten bilden könnte, und das Ergebnis bleibt oft blass.
Wie eine Bichektomie abläuft
Vor dem Eingriff steht eine gründliche Untersuchung in Ruhe und beim Lächeln, von vorn, schräg und seitlich. Dazu gehört die Frage nach Gewichtsverlauf, früheren Behandlungen im Gesicht, Zähneknirschen und Erkrankungen der Speicheldrüsen. Standardisierte Fotos dienen der Planung und der späteren Kontrolle.
Der Eingriff erfolgt in der Regel in örtlicher Betäubung, auf Wunsch mit zusätzlicher Sedierung. Der Zugang liegt in der Mundschleimhaut auf Höhe der oberen Backenzähne, ein kleiner Schnitt von etwa einem Zentimeter je Seite. Von außen entsteht keine Narbe, und auch die Narbe in der Mundschleimhaut ist nach der Abheilung kaum noch zu ertasten.
Durch den Schnitt wird der Wangenmuskel stumpf auseinandergedrängt, bis der Fettkörper sichtbar wird. Mit leichtem Druck von außen tritt er hervor, und ein Teil wird vorsichtig herausgelöst. Entscheidend ist, wie viel entfernt wird. Es wird nie der gesamte Fettkörper entnommen, sondern nur der Anteil, der vorfällt, und zwar auf beiden Seiten in vergleichbarer Menge. Danach wird die Schleimhaut mit resorbierbaren Fäden verschlossen.
Der Eingriff dauert meist eine halbe bis eine Stunde. Danach sind die Wangen geschwollen, das Kauen ist einige Tage unangenehm, und für etwa eine Woche wird weiche Kost empfohlen. Mundspülungen nach jeder Mahlzeit halten die Wunde sauber. Das endgültige Ergebnis zeigt sich erst nach Abklingen der Schwellung, also nach mehreren Wochen bis wenigen Monaten. In den ersten Tagen wirkt das Gesicht wegen der Schwellung oft sogar runder als vorher, das ist normal. Sport, Sauna und starke körperliche Belastung sollten für etwa zwei Wochen pausieren, und auf Rauchen sollte in dieser Zeit verzichtet werden, weil es die Wundheilung im Mund stört.
Wie lange hält das Ergebnis einer Bichektomie
Das Ergebnis ist im Grundsatz dauerhaft, weil der entfernte Anteil des Fettkörpers nicht nachwächst. Das bedeutet aber nicht, dass das Gesicht so bleibt, wie es einige Monate nach dem Eingriff aussieht. Das Gesicht verändert sich weiter, und die Bichektomie ist nur einer von vielen Faktoren in dieser Entwicklung.
Mit den Jahren baut der Knochen im Mittelgesicht leicht ab, die oberflächlichen Fettpolster schrumpfen und verlagern sich nach unten, und die Haut verliert an Spannkraft. Ein Gesicht, das mit Ende zwanzig nach der Bichektomie markant wirkt, durchläuft diese Veränderungen mit weniger Reserve. Wie stark sich das zeigt, hängt von Veranlagung, Gewicht, Hautqualität und Lebensstil ab und lässt sich im Einzelfall nicht sicher vorhersagen.
Auch Gewichtsschwankungen spielen eine Rolle. Wer nach dem Eingriff deutlich zunimmt, lagert Fett vor allem im Unterhautgewebe ein, und das Gesicht kann wieder runder wirken, obwohl der tiefe Fettkörper verkleinert ist. Wer später stark abnimmt, verliert zusätzlich oberflächliches Volumen, und die Wangen können hohl erscheinen.
Welche Nachteile hat eine Bichektomie
Der wichtigste Nachteil ist die Dauerhaftigkeit. Der entfernte Fettkörper wächst nicht nach. Was mit Mitte zwanzig ein markantes Gesicht ergibt, kann mit Mitte vierzig zu hohlen Wangen führen, weil das Gesicht mit dem Alter ohnehin an Volumen verliert. Der natürliche Volumenverlust und der operativ geschaffene addieren sich dann.
Dieser Effekt ist der Grund, warum viele Gesichtschirurgen bei der Bichektomie zurückhaltend sind. Ein volles Mittelgesicht gilt in späteren Lebensjahrzehnten als Zeichen von Jugendlichkeit, ein eingefallenes Mittelgesicht dagegen als Zeichen von Alterung. Wer früh Volumen entfernt, verschiebt diese Rechnung zu seinen Ungunsten. Mehr dazu, warum Volumen im Gesicht mit den Jahren so wichtig wird, lesen Sie im Beitrag Volumenverlust im Gesicht — warum Wangen unterspritzen oft mehr verändert als die Behandlung einzelner Falten.
Ein zweiter Nachteil ist die schlechte Vorhersagbarkeit des Ausmaßes. Die Veränderung ist bei manchen Menschen deutlich, bei anderen kaum sichtbar, weil der Fettkörper unterschiedlich groß ist und der Effekt durch Muskeln und Unterhautfett überlagert wird. Wer eine Verwandlung erwartet, wie sie in bearbeiteten Bildern gezeigt wird, wird häufig enttäuscht. Kalkulieren Sie lieber mit einer dezenten Veränderung, die vor allem im Schräglicht und auf Fotos aus bestimmten Winkeln auffällt.
Ein dritter Punkt betrifft die Korrigierbarkeit. Ist zu viel entfernt worden, lässt sich das Volumen nur ersetzen, nicht zurückholen. Der Ersatz mit Hyaluronsäure muss regelmäßig wiederholt werden, der Ersatz mit Eigenfett ist ein weiterer Eingriff mit eigener Unsicherheit beim Einheilen. Eine Entscheidung, die in einer halben Stunde getroffen ist, kann so über Jahre Folgebehandlungen nach sich ziehen.
Risiken und Nebenwirkungen
Häufig sind Schwellung, Blutergüsse und ein Spannungsgefühl in den ersten ein bis zwei Wochen. Vorübergehend kann das Öffnen des Mundes eingeschränkt sein. Diese Beschwerden klingen in der Regel von selbst ab. Kühlen in den ersten Tagen, erhöhtes Schlafen und weiche Kost helfen dabei. Ein leichtes Taubheitsgefühl an der Wangenschleimhaut ist anfangs möglich und bildet sich meist zurück.
Seltener, aber ernst sind Verletzungen von Strukturen, die in unmittelbarer Nähe des Fettkörpers verlaufen. Dazu gehören Äste des Gesichtsnervs, die für die Bewegung von Wange und Oberlippe zuständig sind, und der Ausführungsgang der Ohrspeicheldrüse, der auf Höhe der oberen Backenzähne in den Mund mündet. Eine Verletzung des Nervs kann zu einer vorübergehenden oder bleibenden Schwäche der Mimik führen, eine Verletzung des Speichelgangs zu Schwellungen oder Fisteln. Deshalb gehört der Eingriff in chirurgische Hände, die die Anatomie der Wange genau kennen und mit schonender, stumpfer Präparation arbeiten. Wie häufig solche Verletzungen sind, lässt sich aus den veröffentlichten, meist kleinen Fallserien nicht verlässlich beziffern.
Weitere mögliche Komplikationen sind Nachblutungen, Infektionen und eine ungleiche Entnahme mit sichtbarer Asymmetrie. Eine zu großzügige Entnahme lässt sich nur schwer korrigieren, weil verlorenes Volumen später mit Fillern oder Eigenfett ersetzt werden muss.
Alternativen zur Bichektomie
Weil die Ursache eines runden Gesichts so unterschiedlich ist, gibt es keine einzelne Alternative, sondern mehrere Wege. Welcher passt, ergibt sich aus der Untersuchung.
Bei einem kräftigen Kaumuskel kann eine Behandlung des Muskels mit Botulinumtoxin das Untergesicht schmaler wirken lassen. Die Wirkung ist vorübergehend und lässt sich dosieren, was gerade bei jüngeren Patientinnen ein Vorteil ist. Hintergründe dazu finden Sie auf der Seite zur Masseter-Behandlung.
Bei fehlender Kontur wirkt ein Gesicht oft rund, weil Jochbein, Kinn und Kieferlinie zu wenig Struktur geben. Ein gezielter Aufbau an diesen Punkten mit Hyaluronsäure kann das Gesicht definierter erscheinen lassen, ohne Volumen zu entfernen. Das ist zunächst widersprüchlich, aber anatomisch schlüssig: Licht und Schatten entstehen an Kanten, und wo Kanten fehlen, wirkt ein Gesicht weich. Mehr dazu auf der Seite zur Jawline.
Bei Unterhautfett an Kinn oder Kieferrand kommt eher eine Behandlung dieser Fettschicht in Betracht. Was dabei möglich ist, beschreibt der Beitrag zum Doppelkinn. Der Wangenfettkörper selbst ist für Injektionen zur Fettauflösung nicht geeignet, weil er tief unter der Muskulatur liegt und von empfindlichen Strukturen umgeben ist. Und manchmal ist die ehrlichste Alternative, gar nichts zu tun. Ein volles Mittelgesicht ist mit Mitte zwanzig vielleicht nicht das, was man sich wünscht, aber mit Mitte vierzig oft genau das, was andere sich zurückwünschen.
Wann wir davon abraten
Wir raten von einer Bichektomie ab, wenn das Gesicht schmal oder bereits eher hager ist, wenn erste Zeichen von Volumenverlust oder Erschlaffung sichtbar sind oder wenn die Rundung eigentlich vom Kaumuskel oder vom Unterhautfett kommt. In diesen Fällen verschlechtert der Eingriff die Ausgangslage für die kommenden Jahrzehnte.
Wir raten außerdem ab, solange das Körpergewicht nicht stabil ist. Wer noch abnehmen möchte, sollte das zuerst tun und dann neu beurteilen, wie das Gesicht wirkt. Bei akuten Entzündungen im Mund, schlecht eingestellten Allgemeinerkrankungen, Gerinnungsstörungen, in Schwangerschaft und Stillzeit wird nicht operiert. Blutverdünnende Medikamente und Rauchen erhöhen das Risiko für Komplikationen und müssen vorher besprochen werden.
Und wir raten ab, wenn die Erwartung auf einem Bild beruht. Bearbeitete Fotos zeigen Gesichter, die es so nicht gibt. Wer sich ein bestimmtes Ergebnis von einem Foto wünscht, sollte vorher klären, ob das eigene Gesicht dafür überhaupt die Anlage mitbringt.
Fazit
Die Bichektomie ist ein kleiner Eingriff mit dauerhafter Wirkung, und genau das macht die Entscheidung schwer. Für ein junges, volles Mittelgesicht mit großem Wangenfettkörper kann sie eine sinnvolle Korrektur sein. Für die meisten Gesichter, die rund wirken, liegt die Ursache woanders, und dann ist eine Entfernung von Volumen die falsche Antwort.
Gerade weil der Eingriff klein wirkt, wird er oft unterschätzt. Die Untersuchung sollte deshalb mindestens so sorgfältig sein wie bei größeren Operationen, und eine zweite Meinung ist bei einem dauerhaften Eingriff im Gesicht immer vernünftig.
Bevor Sie sich für eine Bichektomie entscheiden, sollte klar sein, woher die Rundung kommt und wie Ihr Gesicht in zwanzig Jahren aussehen soll. Für eine Untersuchung bei uns in Hannover können Sie über die Seite Kontakt einen Termin für ein Beratungsgespräch vereinbaren.
Prof. Dr. Mohamed Omar, Chiq Aesthetics, Karmarschstraße 33–35, 30159 Hannover
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt kein ärztliches Beratungsgespräch. Ob eine Behandlung im Einzelfall geeignet ist, lässt sich nur nach persönlicher Untersuchung beurteilen.



