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PRP-Behandlung für die Haare — was sie leisten kann und wo ihre Grenze liegt

Autorenbild: Prof. Dr. Mohamed Omar
Prof. Dr. Mohamed Omar
vor 2 Tagen
8 Min. Lesezeit

Haarausfall meldet sich selten an einem einzelnen Tag. Zuerst sind es ein paar Haare mehr in der Bürste, dann bleibt beim Föhnen der Blick am Scheitel hängen, der breiter geworden ist, und irgendwann lässt sich das Bild im Spiegel nicht mehr wegerklären. Bis dahin sind meist Monate vergangen — und mit ihnen eine Reihe von Shampoos, Ampullen und Nahrungsergänzungsmitteln, die nichts verändert haben. Spätestens dann taucht die Frage auf, ob eine PRP Behandlung Haare wieder dichter wachsen lässt.

Wer an diesem Punkt weitersucht, stößt früher oder später auf die Eigenbluttherapie für die Kopfhaut, meist unter dem Kürzel PRP. Der Gedanke dahinter klingt einleuchtend: körpereigenes Material, kein dauerhaft einzunehmendes Medikament, kein operativer Eingriff. Genau diese Plausibilität ist die Falle, denn sie überspringt die eigentlich entscheidende Frage — nämlich, ob an der betroffenen Stelle überhaupt noch etwas vorhanden ist, das sich unterstützen ließe.

Dieser Beitrag beantwortet, was eine PRP Behandlung an den Haaren realistisch bewirken kann, warum die Abklärung der Ursache vor der ersten Injektion steht, wie ein sinnvolles Behandlungsintervall aussieht und woher die vielen kritischen Berichte kommen, die man zu diesem Thema im Netz findet. Manches davon spricht gegen eine Behandlung. Das gehört ebenso dazu.

PRP Behandlung Haare: was an der Kopfhaut geschieht

Am Anfang steht eine gewöhnliche Blutentnahme aus der Armvene. Die Probe wird in einer Zentrifuge in ihre Bestandteile getrennt, sodass sich ein Plasmaanteil gewinnen lässt, in dem die Blutplättchen — die Thrombozyten — deutlich stärker konzentriert sind als im Ausgangsblut. Dieses thrombozytenreiche Plasma wird anschließend in vielen kleinen Depots in die Kopfhaut eingebracht, dorthin, wo die Haarwurzeln sitzen.

Der Wirkgedanke liegt in den Thrombozyten selbst. Sie enthalten Wachstumsfaktoren, die im Körper an Reparatur- und Umbauvorgängen beteiligt sind. In der Kopfhaut sollen sie die Durchblutung im Umfeld der Haarwurzel anregen und geschwächte Follikel dabei unterstützen, länger in der Wachstumsphase zu bleiben, statt vorzeitig in die Ruhephase überzugehen. Wie PRP im Grundsatz funktioniert, welche Aufbereitungsschritte dazugehören und wo es sonst noch eingesetzt wird, ist im Beitrag zur Eigenbluttherapie im Überblick ausführlich beschrieben.

Ein Punkt daran ist für die Entscheidung wichtiger als alles andere: Es entstehen dabei keine neuen Haarwurzeln. Eine Injektion kann einen vorhandenen, aber müde gewordenen Follikel unterstützen — sie kann keinen erzeugen, der nicht mehr da ist. Wo die Haarwurzel bereits vernarbt oder endgültig verloren ist, richtet auch PRP nichts mehr aus.

Praktisch dauert der Termin knapp eine Stunde, wovon der größere Teil auf Entnahme, Aufbereitung und Vorbereitung entfällt. Die Injektionen selbst nehmen wenige Minuten in Anspruch. Die Kopfhaut ist empfindlich, spürbar sind kurze Einstiche und ein Druckgefühl; eine betäubende Creme und Kühlung machen das gut erträglich. Danach können Sie den Alltag unmittelbar fortsetzen, sollten die Kopfhaut aber für den Rest des Tages in Ruhe lassen und auf Sauna, intensiven Sport und Haarfärbung einige Tage verzichten.

Warum die Ursache vor der ersten Injektion geklärt gehört

Haarausfall ist kein Krankheitsbild, sondern ein Symptom, und es hat sehr unterschiedliche Auslöser. Eine Schilddrüsenfunktionsstörung, ein Eisenmangel mit niedrigem Ferritin, ein ausgeprägter Vitamin-D-Mangel, bestimmte Medikamente, eine zurückliegende schwere Erkrankung, eine radikale Diät oder eine hormonelle Umstellung können jeweils zu einem Bild führen, das im Spiegel gleich aussieht, medizinisch aber etwas völlig anderes ist.

Deshalb steht am Anfang keine Behandlung, sondern eine Untersuchung: ein Gespräch über den zeitlichen Verlauf und familiäre Muster, die Beurteilung der Kopfhaut und des Haarschafts, gegebenenfalls eine dermatoskopische Betrachtung und eine Laborbestimmung der genannten Werte. Erst daraus ergibt sich, ob überhaupt eine Situation vorliegt, in der eine Unterstützung des Follikels sinnvoll ist.

Der Grund dafür ist nicht formaler Natur, sondern schlicht wirtschaftlich. Wer bei unbehandelter Schilddrüsenerkrankung oder ausgeprägtem Eisenmangel eine Injektionsserie beginnt, behandelt gegen eine Ursache an, die weiterläuft. Das Ergebnis ist in aller Regel enttäuschend, und der Betrag ist ausgegeben, ohne dass etwas gewonnen wäre. Häufig ordnet sich das Haarbild dagegen von selbst wieder, sobald der zugrunde liegende Mangel ausgeglichen ist.

Ebenso wichtig ist die Unterscheidung zwischen einem anlagebedingten Haarausfall und einem diffusen Ausfall nach einem Auslöser. Der diffuse Verlauf nach Infekt, Operation, Entbindung oder starker Belastung erholt sich oft über Monate von allein. Eine Behandlung kann diesen Weg begleiten, sie ist aber nicht die Voraussetzung dafür — und diese Einordnung erspart manchem Menschen den Termin ganz.

Für wen eine PRP Behandlung Haare realistisch stärken kann

Am ehesten profitieren Menschen, bei denen die Haarwurzeln noch vorhanden, aber geschwächt sind. Typisch ist das beim anlagebedingten Haarausfall im frühen bis mittleren Stadium: Die Haare werden an den betroffenen Stellen zunächst dünner, kürzer und heller, bevor sie ausbleiben. Solange dieses feine Flaumhaar sichtbar ist, arbeitet der Follikel noch — und genau dort setzt PRP an.

Bei Frauen betrifft das häufig eine langsam zunehmende Ausdünnung im Scheitelbereich bei erhaltener vorderer Haarlinie. Bei Männern ist es die beginnende Lichtung am Oberkopf und an den Geheimratsecken. Auch beim diffusen Haarausfall wird die Behandlung eingesetzt, dann als Unterstützung in der Erholungsphase, nachdem die auslösende Ursache abgestellt wurde.

Sinnvoll ist ein Blick auf das Gesamtbild statt auf ein einzelnes Verfahren. Eine medikamentöse Basistherapie, wo sie indiziert ist, wird fortgeführt und nicht durch Injektionen ersetzt. Ergänzend kommen je nach Befund weitere Verfahren an der Kopfhaut in Betracht, etwa eine Mesotherapie mit Mikroverletzungen, die auf einem anderen Reizprinzip beruht. Was davon zusammenpasst, ergibt sich aus dem Befund, nicht aus dem Wunsch nach möglichst viel auf einmal.

Wer PRP bereits aus dem Gesicht kennt, sollte die beiden Anwendungen gedanklich trennen. Bei der Anwendung im Gesicht geht es um Hautqualität und Regeneration der Haut selbst; an der Kopfhaut geht es um den Haarzyklus. Gleiches Ausgangsmaterial, andere Zielstruktur, andere Erwartung.

Behandlungsplan, Intervalle und wie lange die Wirkung trägt

Eine einzelne PRP-Sitzung ergibt in dieser Indikation wenig. Üblich ist eine Grundserie aus mehreren Terminen in Abständen von einigen Wochen, an die sich Auffrischungen in größeren Abständen anschließen. Wie viele Sitzungen sinnvoll sind und in welchem Rhythmus, hängt vom Befund, vom Stadium und vom Ansprechen ab und wird im Verlauf angepasst.

Beurteilen lässt sich das Ergebnis erst nach Monaten, und das liegt an der Biologie des Haares. Ein Haar wächst etwa einen Zentimeter im Monat, und ein Follikel, der neu in die Wachstumsphase eintritt, braucht Zeit, bis daraus sichtbare Länge und Dichte werden. Realistisch ist eine erste Einschätzung nach drei bis sechs Monaten, häufig auf Grundlage standardisierter Aufnahmen derselben Stelle im gleichen Licht.

Die Wirkung ist nicht von Dauer, und das ist keine Schwäche der Methode, sondern eine Folge der Ausgangslage. Der anlagebedingte Haarausfall ist ein fortlaufender Prozess; er wird durch die Behandlung nicht abgeschaltet. Bleiben die Auffrischungen aus, kehrt der Verlauf nach und nach dorthin zurück, wo er ohne Behandlung stünde. Wer das nicht dauerhaft mittragen möchte, sollte gar nicht erst beginnen.

Damit hängt auch die Kostenfrage zusammen, die sich sinnvoll nur über die Serie stellen lässt und nicht über den einzelnen Termin. Der Aufwand richtet sich nach der Zahl der Sitzungen, der zu behandelnden Fläche, dem verwendeten Aufbereitungssystem und der begleitenden Diagnostik. Eine Übersicht dazu finden Sie unter Preise; verlässlich einordnen lässt sich der Umfang aber erst, wenn der Befund feststeht.

Was die Studienlage hergibt und was nicht

Zur Anwendung an der Kopfhaut gibt es eine wachsende Zahl von Untersuchungen, und viele davon berichten günstige Effekte auf Haardichte und Haardurchmesser. Zugleich sind die meisten dieser Studien klein, unterschiedlich aufgebaut und in ihren Ergebnissen nicht ohne Weiteres miteinander vergleichbar. Wer daraus eine feste Zahl ableiten möchte, überdehnt die Datenlage.

Der Kern des Problems liegt darin, dass PRP kein standardisiertes Präparat ist. Zentrifugationsdauer und -geschwindigkeit, die Zahl der Durchläufe, die erreichte Thrombozytenkonzentration, das Volumen, die Injektionstiefe und der Abstand zwischen den Sitzungen unterscheiden sich von Protokoll zu Protokoll erheblich. Zwei Behandlungen unter demselben Namen können damit fachlich unterschiedliche Dinge sein.

Daraus folgt keine Ablehnung des Verfahrens, sondern eine nüchterne Erwartungshaltung. Die Methode ist plausibel begründet und wird breit eingesetzt, aber sie ist keine Behandlung, deren Erfolg sich im Einzelfall vorhersagen ließe. Eine Zusicherung über das Ergebnis kann seriös niemand geben, und wer sie gibt, sagt damit mehr über sich als über die Methode.

Für das Gespräch in der Praxis lassen sich daraus konkrete Fragen ableiten: Welches Aufbereitungsverfahren wird verwendet, wie viele Sitzungen sind vorgesehen, in welchen Abständen, und woran soll der Erfolg gemessen werden. Wer darauf klare Antworten bekommt, kann die eigene Entscheidung besser einordnen als über jeden Erfahrungsaustausch im Internet.

Woher die Enttäuschung bei diesem Thema meistens kommt

Auffällig viele Menschen suchen gezielt nach negativen Berichten zu PRP, und diese Skepsis ist nachvollziehbar. Schaut man sich an, worauf sich die Unzufriedenheit stützt, lassen sich drei wiederkehrende Muster erkennen — und alle drei haben mit der Vorbereitung zu tun, nicht mit dem Plasma.

Falsche Ausgangslage. Behandelt wurde eine Stelle, an der die Haarwurzeln nicht mehr geschwächt, sondern verschwunden waren. Dort kann nichts wachsen, unabhängig davon, wie gut die Aufbereitung war. Diese Konstellation ist der häufigste Grund für ein Ergebnis, das ausbleibt.

Zu früh beurteilt oder zu früh beendet. Wer nach einer Sitzung oder nach acht Wochen bilanziert, bewertet einen Zeitraum, in dem der Haarzyklus noch gar nicht reagieren konnte. Ebenso häufig wird die Serie unterbrochen, weil sich zwischendurch wenig zeigt.

Unrealistischer Maßstab. Die Erwartung war die Haardichte früherer Jahre, das erreichbare Ziel ist ein Abbremsen des Verlaufs und eine kräftigere Struktur des vorhandenen Haars. Zwischen diesen beiden Größen liegt der Enttäuschungsraum.

Daneben stehen die tatsächlichen Nebenwirkungen, die unabhängig vom Ergebnis auftreten können: Druckempfindlichkeit und Spannungsgefühl der Kopfhaut für ein bis zwei Tage, Rötung an den Einstichstellen, Schwellung, die in seltenen Fällen bis zur Stirn absinken kann, Kopfschmerzen, Blutergüsse und ein kurzzeitig vermehrter Haarverlust in den ersten Wochen. Selten sind Infektionen an der Einstichstelle, sehr selten Kreislaufreaktionen im Zusammenhang mit der Blutentnahme.

Der aus unserer Sicht gewichtigste Nachteil ist jedoch kein medizinischer: Es ist der finanzielle und zeitliche Aufwand einer Serie, die wiederholt werden muss und deren Wirkung im Einzelfall nicht vorhersehbar ist. Wer das vorher weiß, ist hinterher deutlich seltener unzufrieden.

Wann wir davon abraten

Es gibt Situationen, in denen wir eine PRP-Behandlung nicht durchführen. Dazu zählen Störungen der Blutgerinnung und der Thrombozytenfunktion, schwere Blutarmut, hämatologische Erkrankungen, eine laufende Krebstherapie, eine immunsuppressive Behandlung sowie Schwangerschaft und Stillzeit. Eine dauerhafte Einnahme blutverdünnender Medikamente schließt eine Behandlung nicht grundsätzlich aus, muss aber vorher besprochen werden — abgesetzt wird ein verordnetes Präparat niemals eigenmächtig.

Ebenfalls nicht behandelt wird eine Kopfhaut mit akuter Infektion, offenen Stellen oder einer aktiven entzündlichen Hauterkrankung im Injektionsgebiet. Besondere Zurückhaltung gilt bei den vernarbenden Formen des Haarausfalls, etwa dem Lichen planopilaris oder der frontal fibrosierenden Alopezie. Hier zerstört ein Entzündungsprozess den Follikel dauerhaft; im Vordergrund steht die dermatologische Behandlung dieser Entzündung, nicht eine Injektionsserie.

Der häufigere Grund für ein Abraten ist allerdings kein Risiko, sondern eine Erwartung, die das Verfahren nicht einlösen kann. Wenn eine Fläche bereits kahl und die Kopfhaut dort glatt ist, wenn eine zurückgewichene Haarlinie wieder nach vorn verlegt werden soll oder wenn ein einzelner Termin ein sichtbares Ergebnis bringen soll, ist die Antwort schlicht Nein. Dass in solchen Fällen operative Verfahren einen anderen Weg darstellen, sei sachlich erwähnt; sie sind nicht Gegenstand unseres Leistungsangebots und nicht Thema dieses Beitrags.

Und schließlich raten wir ab, wenn die Bereitschaft zur Wiederholung fehlt. Eine begonnene und nach der Hälfte abgebrochene Serie kostet Geld, ohne dass sich beurteilen ließe, ob sie etwas gebracht hätte. In dieser Lage ist es die vernünftigere Entscheidung, zunächst nichts zu tun, den Verlauf über einige Monate zu beobachten und die Frage später erneut zu stellen.

Fazit

Die entscheidende Weiche wird bei diesem Thema nicht in der Behandlung gestellt, sondern davor. Wer zuerst klären lässt, warum die Haare weniger werden, spart sich im günstigen Fall die Behandlung ganz — und weiß im anderen Fall, worauf er sich einlässt. Eine Injektionsserie ohne diese Klärung ist ein Versuch auf eigene Rechnung.

Bleibt es bei der Diagnose eines anlagebedingten oder diffusen Haarausfalls mit noch vorhandenen Follikeln, ist die PRP-Behandlung der Kopfhaut eine plausible unterstützende Maßnahme mit klaren Grenzen: Sie kann Vorhandenes stärken und einen Verlauf verlangsamen, sie kann nichts zurückholen. Wer diese Grenze akzeptiert und die Wiederholungen einplant, geht mit einer angemessenen Erwartung in die Behandlung.

Ob Ihr Befund in diesen Rahmen passt, lässt sich weder über eine Beschreibung noch über ein Foto entscheiden, sondern nur, indem Kopfhaut, Haarstruktur und Laborwerte gemeinsam betrachtet werden. Wenn Sie das klären möchten, vereinbaren Sie ein Beratungsgespräch in unserer Praxis in Hannover — auch dann, wenn am Ende des Gesprächs steht, dass eine andere Maßnahme oder zunächst gar keine die richtige ist.

Prof. Dr. Mohamed Omar, Chiq Aesthetics, Karmarschstraße 33–35, 30159 Hannover

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt kein ärztliches Beratungsgespräch. Ob eine Behandlung im Einzelfall geeignet ist, lässt sich nur nach persönlicher Untersuchung beurteilen.

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