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Die ersten Tage nach der Unterspritzung: was zu beachten ist

Autorenbild: Prof. Dr. Mohamed Omar
Prof. Dr. Mohamed Omar
30. Sept.
9 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 2 Tagen

Es ist ein vertrauter Moment: Die Behandlung ist vorbei, Sie stehen wieder auf der Straße, und erst jetzt fallen Ihnen die Fragen ein. Darf ich heute noch ins Fitnessstudio? Soll ich kühlen, und wenn ja, wie lange? Ist diese Schwellung normal? Was Sie nach der Unterspritzung tun und lassen, entscheidet über das Ergebnis mehr mit, als die meisten Menschen erwarten — und es ist der Teil der Behandlung, den Sie allein in der Hand haben.

Die Antworten stehen üblicherweise verstreut herum: ein Satz beim Verabschieden, ein Merkblatt in der Tasche, der Rest irgendwo im Internet und jedes Mal ein bisschen anders. Das ist unbefriedigend, weil die eigentlichen Regeln gar nicht vom einzelnen Verfahren abhängen, sondern vom Zeitpunkt. In den ersten Stunden gilt anderes als am ersten Tag, und am ersten Tag anderes als in der zweiten Woche.

Dieser Beitrag ordnet die Nachsorge deshalb nach dem Zeitverlauf und nicht nach der Methode. Er sagt, was man danach beachten sollte, was normal ist und was nicht — und er benennt unmissverständlich die wenigen Zeichen, bei denen nicht abgewartet, sondern sofort Kontakt aufgenommen wird. Sie können ihn vor einem Termin lesen und danach noch einmal.

Die ersten Stunden nach der Unterspritzung

In den ersten Stunden geht es um genau eine Sache: das eingebrachte Material und die frischen Einstichstellen in Ruhe zu lassen. Nicht reiben, nicht massieren, nicht prüfend darauf herumdrücken. Der Reflex, mit den Fingerkuppen nachzufühlen, ob alles gleichmäßig liegt, ist verständlich und trotzdem der häufigste Fehler dieser Phase — ein Filler, der noch nicht eingewachsen ist, lässt sich durch Druck tatsächlich verschieben. Massiert wird nur dann, wenn wir es ausdrücklich anweisen und zeigen.

Dazu gehört, in der ersten Nacht möglichst nicht auf der behandelten Seite zu liegen. Wer die Wange oder die Kieferlinie behandeln ließ, schläft die erste Nacht besser auf dem Rücken und mit leicht erhöhtem Kopf; das verringert nebenbei die Schwellung am Morgen. Ein zusätzliches Kissen genügt dafür.

Auf frische Einstichstellen gehört kein Make-up. Die winzigen Kanäle, die die Nadel hinterlässt, sind noch offen, und alles, was hineingerät, gerät unter die Haut — Pigmente ebenso wie Keime. Als grobe Regel gilt der Rest des Behandlungstages; am nächsten Morgen ist das kein Thema mehr. Sinnvoll ist deshalb, den Termin nicht direkt vor einen Anlass zu legen, zu dem Sie geschminkt erscheinen möchten.

Nach einer Behandlung mit Botulinumtoxin kommt eine Besonderheit hinzu: Bleiben Sie für einige Stunden aufrecht und vermeiden Sie es, sich flach hinzulegen oder den Kopf länger nach unten zu halten. Damit soll verhindert werden, dass sich der Wirkstoff in benachbarte Muskelgruppen verlagert — die häufigste Ursache eines hängenden Lids ist nicht die Injektion selbst, sondern die Wanderung des Wirkstoffs danach. Kühlen dürfen Sie, aber sanft und kurz: ein in ein Tuch gewickeltes Kühlelement für wenige Minuten, kein direkter Eiskontakt und kein dauerhaftes Auflegen.

Der erste Tag: Sport, Hitze, Alkohol und Schmerzmittel

Am ersten Tag zielt alles auf einen einzigen Punkt: die Durchblutung nicht unnötig anzuheizen. Wärme und körperliche Anstrengung erweitern die Gefäße, und in ein frisch punktiertes Gewebe hinein bedeutet das mehr Schwellung und größere Blutergüsse. Verzichten Sie deshalb an diesem Tag auf Sport, Sauna, Dampfbad, heiße Bäder und Solarium. Ein Spaziergang ist ausdrücklich erlaubt; gemeint ist das, was Sie ins Schwitzen bringt.

Alkohol wirkt in dieselbe Richtung. Er erweitert die Gefäße und verschlechtert zusätzlich die Gerinnung, sodass sich aus einem kleinen Einstich ein deutlich sichtbarer Bluterguss entwickeln kann. Ein Abend Verzicht ist eine der wenigen Maßnahmen, die spürbar etwas an der Erscheinung der nächsten Tage ändern und nichts kosten.

Bei Schmerzmitteln lohnt ein zweiter Blick. Acetylsalicylsäure und die klassischen entzündungshemmenden Schmerzmittel hemmen die Blutgerinnung und begünstigen damit genau die blauen Flecken, die Sie vermeiden möchten. Wenn Sie in den ersten Tagen etwas brauchen, ist Paracetamol in der Regel die verträglichere Wahl. Das gilt allerdings ausschließlich für Mittel, die Sie selbst zur Bedarfsmedikation nehmen.

Ärztlich verordnete Blutverdünner werden davon nicht berührt. Sie werden nie eigenmächtig abgesetzt, weder vor noch nach einer Behandlung — das Risiko eines Absetzens übersteigt das eines Blutergusses um ein Vielfaches. Solche Medikamente gehören stattdessen offen ins Vorgespräch, damit Technik und Terminwahl darauf abgestimmt werden können. Welche Fragen sonst noch vorher geklärt gehören, haben wir im Beitrag zu Ablauf und Beratung vor der ersten Behandlung zusammengestellt.

Die ersten Tage nach der Unterspritzung: hier wird nicht beurteilt

Schwellung und kleine Blutergüsse sind in den ersten Tagen normal und kein Zeichen dafür, dass etwas schiefgelaufen ist. Eine Nadel durchtrennt beim Einstich zwangsläufig feinste Gefäße, das Gewebe reagiert mit Wassereinlagerung, und beides braucht Zeit. Bei Fillern ist die Schwellung in den ersten beiden Tagen am stärksten ausgeprägt und geht dann über etwa eine Woche zurück; Blutergüsse verfärben sich und verschwinden meist innerhalb von ein bis zwei Wochen.

Entscheidend ist, was daraus folgt. Die endgültige Form nach einer Behandlung mit Hyaluronsäure lässt sich erst nach etwa zwei Wochen beurteilen, wenn die Schwellung abgeklungen ist und sich das Material im Gewebe gesetzt hat. Bei Botulinumtoxin ist es ähnlich, nur andersherum: Die Wirkung setzt überhaupt erst nach einigen Tagen ein und entfaltet sich vollständig nach ungefähr zwei Wochen. Was Sie an Tag drei sehen, ist bei dem einen Verfahren zu viel und bei dem anderen zu wenig.

Daraus ergibt sich der wichtigste Satz dieses Beitrags: In den ersten Tagen wird nicht beurteilt und nicht nachgespritzt. Wer zu früh korrigiert, korrigiert eine Schwellung — und zahlt für Material, das er in zwei Wochen nicht mehr gebraucht hätte. Genau deshalb legen wir Nachkontrollen frühestens zwei Wochen nach dem Termin, und genau deshalb ist ein Nachsetzen am dritten Tag kein Entgegenkommen, sondern ein Fehler.

Halten Sie sich in dieser Zeit auch vom vergrößernden Spiegel und vom Frontkameralicht fern. Beides zeigt Ihnen eine Zwischenstufe, die niemand sonst wahrnimmt, und verleitet zu Entscheidungen, die auf einem vorläufigen Zustand beruhen. Wie eine Behandlung mit Hyaluronsäure abläuft und woran sich ein Ergebnis überhaupt bemisst, ordnet unser Beitrag zu Hyaluronsäure-Fillern und ihrem Ablauf genauer ein.

Zahnbehandlungen und Impfungen in den ersten zwei Wochen

Zwei Termine sollten in den ersten beiden Wochen nach einer Fillerbehandlung möglichst nicht stattfinden: eine größere Zahnbehandlung und eine Impfung. Der Grund ist derselbe. Beides fordert das Immunsystem heraus, und ein noch frisch eingebrachter Filler kann in diese Reaktion einbezogen werden — mit verzögerter Schwellung, Rötung oder Knotenbildung an einer Stelle, an der zuvor alles unauffällig war.

Solche verzögerten Reaktionen sind selten, aber sie sind gut beschrieben und lassen sich in der Regel behandeln. Ärgerlich sind sie vor allem, weil sie vermeidbar gewesen wären: Zwei Wochen Abstand in die eine oder andere Richtung genügen meistens. Planen Sie den Zahnarzttermin also lieber vor die Unterspritzung oder deutlich danach.

Wenn sich ein Termin nicht verschieben lässt, sagen Sie es vorher — sowohl uns als auch der behandelnden Praxis. Bei einer Zahnbehandlung ist das relevant für die Frage, wie lange und mit welchem Druck im Bereich der Wange gearbeitet wird; bei einer Impfung ist es eine Information, die im Fall einer Reaktion die Einordnung erheblich erleichtert. Umgekehrt gilt dasselbe: Wenn Sie in den Wochen vor einem geplanten Termin bei uns geimpft wurden oder eine Zahnbehandlung hatten, gehört auch das ins Vorgespräch.

Warnzeichen, bei denen Sie sofort Kontakt aufnehmen

Dieser Abschnitt ist der wichtigste des Beitrags, und er ist bewusst ohne Beschwichtigung formuliert. Die allermeisten Verläufe sind unauffällig. Es gibt aber einige wenige Zeichen, bei denen nicht abgewartet und nicht bis zum nächsten Werktag zugewartet wird, sondern umgehend Kontakt aufgenommen wird — telefonisch, außerhalb der Sprechzeiten über den Notfallweg.

Starker, zunehmender oder unverhältnismäßiger Schmerz. Ein Spannungsgefühl und eine Druckempfindlichkeit sind normal. Ein Schmerz, der über Stunden zunimmt, der in keinem Verhältnis zum Eingriff steht oder der auf Schmerzmittel nicht anspricht, ist es nicht.

Eine weißliche, blasse oder fleckig-livide Verfärbung der Haut. Wenn sich ein Bereich weiß abzeichnet, ungewöhnlich blass wirkt oder eine netzartige, bläulich-marmorierte Zeichnung annimmt, ist das ein Alarmzeichen und kein Bluterguss.

Sehstörungen jeder Art. Verschwommenes Sehen, Doppelbilder, ein Gesichtsfeldausfall oder Schmerzen im Auge nach einer Behandlung im Gesicht sind immer ein Grund für sofortigen Kontakt, auch wenn die Beschwerden wieder nachzulassen scheinen.

Zunehmende Rötung mit Überwärmung, Fieber oder allgemeinem Krankheitsgefühl sowie eine Schwellung, die sich ausbreitet statt zurückzugehen. Beides deutet auf ein entzündliches Geschehen hin, das behandelt werden muss und sich nicht von selbst erledigt.

Hintergrund der ersten drei Punkte ist der Gefäßverschluss: Material gerät in oder neben ein Gefäß und unterbricht die Durchblutung eines Hautareals, in seltenen Fällen auch am Auge. Das ist selten, aber es ist ein Notfall, und der entscheidende Faktor ist die Zeit. Wird früh gehandelt, lässt sich Hyaluronsäure gezielt mit dem Enzym Hyaluronidase auflösen und die Durchblutung meist wiederherstellen. Nach Stunden des Abwartens sind die Aussichten schlechter. Rufen Sie deshalb an, auch wenn Sie befürchten, sich umsonst zu melden — ein Fehlalarm kostet uns fünf Minuten, das Gegenteil kostet Gewebe.

Was verunsichert, aber normal ist

Genauso wichtig ist die andere Seite der Liste, denn ein Großteil der Anrufe in den ersten Tagen betrifft Beobachtungen, die vollkommen erwartbar sind. Kleine Knötchen an den Einstichstellen gehören dazu. In den ersten Tagen ist das Material noch nicht vollständig verteilt und das Gewebe noch geschwollen; was sich jetzt tasten lässt, ist in zwei Wochen meist nicht mehr auffindbar. Tastbar ist dabei nicht gleich sichtbar — vieles, was Sie mit dem Finger finden, sieht niemand.

Eine leichte Asymmetrie in der Einwirkphase ist der zweite Klassiker, vor allem nach Botulinumtoxin. Die beiden Gesichtshälften reagieren selten exakt gleich schnell, sodass eine Seite nach fünf Tagen bereits nachgelassen hat und die andere noch arbeitet. Das gleicht sich in aller Regel bis zur zweiten Woche an; erst danach ist eine Feinkorrektur überhaupt sinnvoll zu beurteilen. Welche Nebenwirkungen dabei tatsächlich auftreten können und wie sich ihre Wahrscheinlichkeit senken lässt, behandelt unser Beitrag zu Nebenwirkungen und Risiken von Botulinumtoxin.

Druckempfindlichkeit und ein Spannungsgefühl runden das Bild ab. Behandelte Bereiche fühlen sich in den ersten Tagen fremd an, an den Lippen besonders deutlich, weil dort ohnehin viele Nervenendigungen liegen und die Schwellung stärker ausfällt als anderswo. Auch ein leichtes Wärmegefühl oder eine geringe Rötung um die Einstichstellen ist unbedenklich, solange beides abnimmt statt zuzunehmen. Die Richtung der Entwicklung ist der zuverlässigste Maßstab, den Sie zu Hause haben: Was täglich weniger wird, ist Heilung. Was täglich mehr wird, gehört angesehen.

Wann wir davon abraten

Es gibt Situationen, in denen wir eine Unterspritzung nicht durchführen, und sie liegen alle vor der Nachsorge. Nicht behandelt wird bei einer Infektion oder Entzündung im Behandlungsgebiet, einschließlich eines aktiven Lippenherpes, bei bekannter Überempfindlichkeit gegen Bestandteile des Materials, bei relevanten Gerinnungsstörungen und in Schwangerschaft und Stillzeit. Botulinumtoxin scheidet zusätzlich aus bei Erkrankungen der neuromuskulären Übertragung wie der Myasthenia gravis. Eine akute fieberhafte Erkrankung verschiebt den Termin ebenfalls.

Ein eigener Fall ist die Terminplanung. Von einer Behandlung wenige Tage vor einer Hochzeit, einem Fototermin oder einer wichtigen Präsentation raten wir regelmäßig ab. Nicht weil etwas schiefgehen müsste, sondern weil Schwellung und Blutergüsse zum normalen Verlauf gehören und niemand vorhersagen kann, wie ausgeprägt sie in einem Einzelfall ausfallen. Zwei bis drei Wochen Abstand nehmen den Druck aus der Situation — und ohne diesen Puffer werden aus normalen Begleiterscheinungen Katastrophen.

Am häufigsten raten wir jedoch ab, wenn die Erwartung an die Zeit nicht stimmt. Wer verlangt, das Ergebnis am nächsten Tag zu sehen, und am dritten Tag auf einer Nachkorrektur besteht, wird mit einer Unterspritzung nicht zufrieden werden — er wird eine Schwellung nachbehandeln lassen und anschließend zu viel Material im Gesicht haben. In solchen Fällen sagen wir lieber vorher Nein, als hinterher aufzulösen. Das ist keine Zurückweisung, sondern der Versuch, Ihnen einen Umweg zu ersparen, der Geld und Nerven kostet.

Fazit

Die Nachsorge nach einer Unterspritzung besteht aus wenigen, sehr einfachen Regeln, und fast alle laufen auf dasselbe hinaus: dem Gewebe Zeit lassen und es nicht stören. Ein Tag ohne Sport, Sauna und Alkohol, eine Nacht auf dem Rücken, kein Make-up auf frische Einstichstellen und die Finger von der behandelten Region — mehr ist es im Normalfall nicht.

Der schwierigere Teil ist die Geduld. Zwei Wochen sind der Maßstab, an dem sich ein Ergebnis messen lässt, und jede Beurteilung davor bezieht sich auf einen Zwischenzustand. Wer das aushält, spart sich Material, Geld und die Korrektur einer Korrektur. Und wer die Warnzeichen kennt, muss sich in den Tagen dazwischen nicht ständig fragen, ob das noch normal ist — er weiß, worauf er achtet, und kann den Rest sein lassen.

Wenn Sie unsicher sind, ob eine Beobachtung in die eine oder in die andere Spalte gehört, dann rufen Sie an, statt zu suchen. Unsere Patientinnen und Patienten in Hannover erreichen uns dafür über Kontakt, und wir sehen uns lieber einmal zu viel an als einmal zu spät. Diese Nachricht ist wichtiger als jede Regel in diesem Beitrag: Im Zweifel fragen Sie, und zwar früh.

Prof. Dr. Mohamed Omar, Chiq Aesthetics, Karmarschstraße 33–35, 30159 Hannover

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt kein ärztliches Beratungsgespräch. Ob eine Behandlung im Einzelfall geeignet ist, lässt sich nur nach persönlicher Untersuchung beurteilen.

Kleine Verhärtungen in den ersten Tagen sind meist harmlos und gehen von selbst zurück, später auftretende Knoten haben dagegen oft andere Ursachen. Warum Knubbel auch nach Monaten entstehen können und was dann hilft, beschreibt der Beitrag Hyaluron Knoten: warum Knubbel auch nach Monaten entstehen und was hilft.


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