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Hyaluron Pen: warum die nadelfreie Methode mehr Risiken birgt als sie verspricht

Autorenbild: Prof. Dr. Mohamed Omar
Prof. Dr. Mohamed Omar
vor 5 Tagen
8 Min. Lesezeit

Der Hyaluron Pen wird seit einigen Jahren als sanfte Alternative zur Spritze angeboten. Kein Nadelstich, keine Kanüle, nur ein kurzer Druckstoß, und schon soll die Lippe voller oder die Falte flacher sein. In Kosmetikstudios, in Onlinekursen mit Zertifikat und sogar als Gerät für zu Hause wird er beworben. Viele Menschen fragen sich deshalb, ob das eine gute Lösung für den Einstieg ist.

Die Antwort fällt aus ärztlicher Sicht deutlich aus. Das Problem ist nicht die Hyaluronsäure selbst, sondern die Art, wie sie in die Haut gelangt. Ohne Nadel lässt sich weder die Tiefe noch die Verteilung zuverlässig steuern. Genau davon hängt aber ab, ob ein Ergebnis gleichmäßig wird und ob es sicher ist.

Dieser Beitrag erklärt, wie ein Hyaluron Pen funktioniert, warum er so beliebt geworden ist, wo die Hyaluronsäure tatsächlich landet, was rechtlich gilt und welche Risiken bestehen. Er beschreibt auch, was zu tun ist, wenn nach einer solchen Behandlung Probleme auftreten.

Was ein Hyaluron Pen ist und wie er funktioniert

Ein Hyaluron Pen ist ein Gerät, das Flüssigkeit mit hohem Druck durch die Haut presst. Im Inneren wird eine Feder gespannt und beim Auslösen schlagartig entspannt. Dadurch wird eine kleine Menge Hyaluronsäure aus einer Ampulle mit so viel Kraft herausgeschossen, dass sie die oberste Hautschicht durchdringt.

Die Technik stammt ursprünglich aus der Medizin. Sogenannte Jet-Injektoren wurden entwickelt, um Impfstoffe oder Insulin ohne Nadel zu verabreichen. Dort geht es aber um Flüssigkeiten, die sich im Gewebe ohnehin verteilen und deren genaue Lage keine Rolle spielt. Bei einem Filler ist das grundlegend anders.

Die Geräte, die für ästhetische Zwecke verkauft werden, unterscheiden sich stark in Bauart und Qualität. Viele lassen sich in der Stärke einstellen, doch was die Einstellung tatsächlich im Gewebe bewirkt, hängt von der Hautdicke, der Stelle und dem verwendeten Material ab. Eine verlässliche Angabe, in welcher Tiefe die Hyaluronsäure ankommt, gibt es nicht.

Auch die verwendeten Ampullen sind sehr unterschiedlich. Manche enthalten Präparate, die für die Injektion mit Nadel oder Kanüle entwickelt wurden und für die Anwendung mit einem Druckgerät gar nicht vorgesehen sind. Bei anderen ist kaum nachvollziehbar, was sie genau enthalten und wie sie hergestellt wurden.

Warum der Hyaluron Pen so beliebt geworden ist

Der wichtigste Grund ist die Angst vor der Nadel. Viele Menschen, die sich eine kleine Veränderung an den Lippen oder eine Glättung einer Falte wünschen, schrecken vor einer Spritze zurück. Ein Gerät ohne Nadel wirkt harmloser und weniger medizinisch.

Hinzu kommen die Anbieter. Der Hyaluron Pen wird häufig in Kosmetikstudios eingesetzt, oft mit dem Hinweis, man habe eine Schulung mit Zertifikat absolviert. Die Kurse dazu werden online und in Wochenendseminaren angeboten. Für Menschen ohne medizinische Ausbildung ist das ein vergleichsweise einfacher Weg, eine solche Leistung anzubieten.

Auch der Preis spielt eine Rolle. Behandlungen mit dem Pen werden oft günstiger angeboten als eine ärztliche Unterspritzung. Wer nur ein kleines Ergebnis möchte, sieht darin einen niedrigschwelligen Einstieg. Dabei wird übersehen, dass die Kosten für eine spätere Korrektur das Ersparte schnell übersteigen können.

Schließlich sorgen soziale Netzwerke für Verbreitung. Kurze Videos zeigen scheinbar mühelose Behandlungen und schnell erkennbare Veränderungen. Was diese Videos nicht zeigen, sind die Wochen danach, die ungleichmäßigen Verläufe und die Fälle, in denen etwas schiefgeht.

Wo die Hyaluronsäure beim Hyaluron Pen landet

Bei einer ärztlichen Unterspritzung wird die Hyaluronsäure mit einer Nadel oder einer stumpfen Kanüle gezielt in eine bestimmte Schicht eingebracht. An der Lippe etwa in den Lippenkörper oder an den Übergang zum Lippenrot, bei einer Falte in die Lederhaut oder darunter. Die Menge pro Stelle ist kontrolliert, und der Arzt spürt, wo er sich befindet.

Beim Hyaluron Pen ist das nicht möglich. Der Druckstoß öffnet einen kleinen Kanal, und das Material verteilt sich entlang des geringsten Widerstands. Oft bleibt ein Teil sehr oberflächlich in der Haut liegen, ein anderer Teil gelangt etwas tiefer, ein Teil tritt wieder aus. Erste Untersuchungen an Gewebe deuten darauf hin, dass die Hyaluronsäure dabei häufig in kleinen Depots in sehr oberflächlichen Schichten verbleibt.

Diese oberflächlichen Depots sind der Grund für viele Probleme. Sie können als kleine Knötchen tastbar oder sichtbar sein, bläulich durchschimmern oder sich ungleichmäßig anfühlen. Weil die Haut dort dünn ist, fällt jede Unregelmäßigkeit stärker auf als bei einer tiefer liegenden Injektion.

Auch die Menge ist kaum zu steuern. Bei jedem Auslösen wird eine kleine Portion abgegeben, aber wie viel davon im Gewebe bleibt, schwankt. Das macht ein symmetrisches Ergebnis an zwei Lippenhälften oder zwei Gesichtsseiten schwer.

Bei einer Falte kommt ein weiteres Problem hinzu. Eine Falte entsteht meist nicht nur an der Oberfläche, sondern durch Muskelzug, Volumenverlust oder nachlassende Elastizität in tieferen Schichten. Ein oberflächliches Depot kann eine solche Ursache nicht beeinflussen. Es hebt die Haut allenfalls punktuell an, was die Falte unruhiger statt glatter wirken lassen kann.

Was rechtlich beim Hyaluron Pen gilt

In Deutschland gilt das Einbringen von Hyaluronsäure unter die Haut als Ausübung der Heilkunde. Sie ist Ärztinnen und Ärzten sowie, mit Einschränkungen, Heilpraktikern vorbehalten. Verwaltungsgerichte haben entschieden, dass dies auch für die Anwendung mit einem nadelfreien Gerät gilt, weil die Haut dabei ebenso durchdrungen wird.

Ein Zertifikat aus einem Kurs ändert daran nichts. Es bescheinigt die Teilnahme an einer Schulung, ersetzt aber keine Erlaubnis zur Ausübung der Heilkunde. Wer ohne diese Erlaubnis behandelt, handelt nach der geltenden Rechtsprechung unzulässig, unabhängig davon, wie sorgfältig er arbeitet.

Daneben stellt sich die Frage nach dem Material. Hyaluronsäure-Filler sind Medizinprodukte, deren Hersteller festlegen, wofür und auf welche Weise sie angewendet werden dürfen. Wird ein Präparat mit einem Gerät eingebracht, für das es nicht vorgesehen ist, fehlt die Grundlage für eine sichere Anwendung. Fragen Sie deshalb immer, welches Präparat verwendet wird, und lassen Sie sich die Bezeichnung geben.

Für Patienten hat das praktische Folgen. Bei Komplikationen fehlt oft ein Ansprechpartner, der die Folgen fachgerecht behandeln kann. Hyaluronidase, das Enzym, mit dem sich Hyaluronsäure auflösen lässt, ist verschreibungspflichtig und darf nur von Ärzten eingesetzt werden. Ein Kosmetikstudio kann im Notfall also gar nicht selbst eingreifen.

Auch der Kauf eines Geräts für die Anwendung zu Hause ist kein Freibrief. Die Ampullen stammen nicht selten aus unklaren Quellen, und wer sich selbst behandelt, trägt das gesamte Risiko allein. Was beim Auflösen von Hyaluronsäure zu beachten ist, beschreibt der Beitrag Hyaluron auflösen.

Risiken und Nebenwirkungen

Die häufigsten Folgen sind Schwellungen, Rötungen und kleine Blutergüsse an den Auftreffstellen. Typisch für den Pen sind außerdem kleine punktförmige Male, die einige Tage sichtbar bleiben, und ein Gefühl von Unebenheit, wenn sich die Schwellung zurückbildet.

Knötchen und Verhärtungen gehören zu den häufigsten Problemen nach einer Behandlung mit dem Pen. Sie entstehen, wenn sich das Material in oberflächlichen Depots sammelt. Manche bilden sich mit der Zeit zurück, andere bleiben über Monate bestehen. In einigen Fällen reagiert das Gewebe mit einer Entzündung oder einer Kapsel um das Material.

Weil die Haut beim Druckstoß verletzt wird und die Behandlung oft unter nicht sterilen Bedingungen erfolgt, sind Infektionen möglich. Bei Menschen, die zu Lippenherpes neigen, kann ein Ausbruch ausgelöst werden.

Die ernsteste Komplikation ist der Verschluss eines Gefäßes. Auch ohne Nadel kann Hyaluronsäure in ein Blutgefäß gelangen oder ein Gefäß von außen zusammendrücken. Solche Fälle sind in der Fachliteratur auch nach Behandlungen mit dem Pen beschrieben worden. Zeichen sind starke Schmerzen, eine weiße oder bläulich-marmorierte Verfärbung der Haut und bei Beteiligung der Augenregion Sehstörungen. Das ist ein Notfall, der sofort ärztlich behandelt werden muss.

Langfristig können Narben, dauerhafte Verfärbungen oder Pigmentstörungen zurückbleiben, vor allem wenn eine Infektion oder ein Gefäßverschluss nicht rechtzeitig behandelt wurde.

Hyaluron Pen an den Lippen: was dort besonders ist

Die meisten Behandlungen mit dem Pen betreffen die Lippen. Gerade dort ist die Steuerung besonders wichtig. Die Lippe besteht aus mehreren Schichten, ist stark durchblutet und reagiert auf jede Unregelmäßigkeit sichtbar. Ein natürliches Ergebnis entsteht, wenn die Hyaluronsäure in der richtigen Menge an der richtigen Stelle liegt.

Mit dem Pen gelingt das meist nur an der Oberfläche. Die Lippe wirkt kurz nach der Behandlung voller, vor allem durch die Schwellung. Wenn diese abklingt, bleibt häufig weniger Volumen als erwartet, dafür aber eine unruhige Oberfläche mit kleinen Erhebungen.

Am Übergang vom Lippenrot zur Haut, der sogenannten Lippenkontur, verlaufen Gefäße dicht unter der Oberfläche. Eine Behandlung an dieser Stelle verlangt genaue Kenntnis der Anatomie. Wie eine ärztliche Behandlung der Lippen abläuft und wie ein natürliches Ergebnis entsteht, beschreibt der Beitrag Lippen aufspritzen mit Hyaluronsäure. Unser Angebot zu den Lippen steht auf der Behandlungsseite.

Wer sich eine leichte Veränderung wünscht, braucht keinen Pen. Eine ärztliche Behandlung mit feiner Nadel und kleiner Menge ist kontrollierter, und eine örtliche Betäubung macht sie für die meisten gut erträglich.

Hinzu kommt die Planung. Vor einer ärztlichen Behandlung der Lippen sehen wir uns Form, Proportion und Symmetrie an und besprechen, was zum Gesicht passt. Manchmal ist die Antwort, dass gar keine Hyaluronsäure nötig ist, sondern eine andere Maßnahme besser zum Wunsch passt. Diese Einschätzung fehlt, wenn ein Gerät nach Kurs und Zertifikat einfach angesetzt wird.

Was tun, wenn nach dem Hyaluron Pen Probleme auftreten

Bei starken oder zunehmenden Schmerzen, einer weißlichen oder bläulich-marmorierten Verfärbung oder Sehstörungen nach einer Behandlung zählt jede Stunde. Suchen Sie sofort ärztliche Hilfe, im Zweifel in einer Notaufnahme. Ein Gefäßverschluss muss rasch mit Hyaluronidase behandelt werden.

Bei Knötchen, Verhärtungen oder einem ungleichmäßigen Ergebnis ist meist keine Eile geboten. Hier lohnt es sich, einige Wochen abzuwarten, bis die Schwellung vollständig abgeklungen ist. Danach lässt sich beurteilen, was bleibt. Bitte kneten oder massieren Sie die Knötchen nicht kräftig auf eigene Faust, das kann eine Entzündung verstärken.

Bleiben Knötchen bestehen, kann Hyaluronsäure mit Hyaluronidase aufgelöst werden. Voraussetzung ist, dass es sich tatsächlich um Hyaluronsäure handelt. Bei unbekannten Präparaten ist das nicht immer sicher, deshalb fragen wir nach Herkunft und Bezeichnung des Materials. Mehr dazu auf der Seite zur Behandlung mit Hyaluronidase.

Nach einer Korrektur sollte man mit einer erneuten Behandlung warten, bis das Gewebe ausgeheilt ist. Wer zu früh wieder auffüllt, riskiert neue Probleme. Wie man eine Überbehandlung erkennt und korrigiert, beschreibt der Beitrag Zu viel Hyaluron im Gesicht.

Wann wir davon abraten

Von der Behandlung mit einem Hyaluron Pen raten wir grundsätzlich ab, weil sich Tiefe, Menge und Verteilung nicht ausreichend steuern lassen. Das gilt für die Anwendung im Studio ebenso wie für die Anwendung zu Hause.

Auch eine ärztliche Unterspritzung ist nicht für jeden geeignet. In der Schwangerschaft und Stillzeit behandeln wir nicht. Bei akuten Infektionen im Gesicht, etwa einem Herpesausbruch, warten wir ab, bis alles abgeheilt ist. Bei Gerinnungsstörungen, der Einnahme von Blutverdünnern, Autoimmunerkrankungen, einer Neigung zu überschießender Narbenbildung oder bekannten Unverträglichkeiten wägen wir sehr genau ab.

Wir raten außerdem ab, wenn die Erwartung nicht zur Methode passt. Wer sich eine deutliche Veränderung ohne jedes Risiko wünscht, findet sie weder mit dem Pen noch mit der Nadel. Jede Behandlung mit Hyaluronsäure ist ein Eingriff, der gut überlegt sein will.

Und wir raten ab, wenn kurz zuvor schon an derselben Stelle behandelt wurde, gleich mit welcher Methode. Zuerst muss klar sein, was im Gewebe liegt, bevor neues Material hinzukommt.

Fazit

Der Hyaluron Pen verspricht eine Unterspritzung ohne Nadel, kann aber das Wichtigste nicht leisten: die Hyaluronsäure kontrolliert dorthin zu bringen, wo sie hingehört. Die Folge sind oberflächliche Depots, ungleichmäßige Ergebnisse und Komplikationen, die sich im Studio oder zu Hause nicht behandeln lassen.

Die Konsequenz ist einfach. Wer eine Behandlung mit Hyaluronsäure möchte, sollte sie dort durchführen lassen, wo Tiefe und Menge gesteuert werden und wo im Fall einer Komplikation sofort gehandelt werden kann. Wer bereits mit dem Pen behandelt wurde und unzufrieden ist, sollte zuerst klären lassen, was im Gewebe liegt.

Wenn Sie nach einer solchen Behandlung eine Einschätzung möchten oder vor der Entscheidung stehen, nehmen wir uns in unserer Praxis in Hannover Zeit für Sie. Sie erreichen uns über die Seite Kontakt.

Prof. Dr. Mohamed Omar, Chiq Aesthetics, Karmarschstraße 33–35, 30159 Hannover

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt kein ärztliches Beratungsgespräch. Ob eine Behandlung im Einzelfall geeignet ist, lässt sich nur nach persönlicher Untersuchung beurteilen.


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