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Biostimulatoren: wie sie die Kollagenbildung anregen und für wen sie sich eignen

Autorenbild: Prof. Dr. Mohamed Omar
Prof. Dr. Mohamed Omar
vor 2 Tagen
8 Min. Lesezeit

Biostimulatoren werden in der ästhetischen Medizin gerade häufig genannt, oft mit dem Versprechen, das Gesicht wirke danach frischer, ohne aufgefüllt auszusehen. Gemeint sind Substanzen, die nicht in erster Linie selbst Volumen bringen, sondern das Bindegewebe anregen sollen, mehr eigenes Kollagen zu bilden. Das klingt nach einer eleganten Lösung für ein Problem, das viele Menschen ab Mitte vierzig beschreiben: Die Haut wirkt dünner, weniger fest, und das Gesicht verliert an Spannung, obwohl keine einzelne Falte besonders auffällt.

Dieser Beitrag erklärt, was Biostimulatoren sind, welche Substanzen dazu zählen und wie sie im Gewebe arbeiten. Er beschreibt auch, was man realistisch erwarten kann, wie lange es dauert, welche Risiken bestehen und in welchen Fällen eine andere Behandlung oder gar keine Behandlung der bessere Weg ist. Am Ende sollen Sie einschätzen können, ob die Methode zu Ihrem Anliegen passt.

Was sind Biostimulatoren?

Unter dem Begriff Biostimulatoren fasst man injizierbare Substanzen zusammen, die eine Reaktion des Gewebes auslösen. Der Körper reagiert auf die eingebrachten Partikel mit einer kontrollierten, milden Entzündungs- und Reparaturantwort. In deren Verlauf bilden Fibroblasten, die Bindegewebszellen der Haut, neues Kollagen. Die Wirkung entsteht also nicht durch das Material selbst, sondern durch das, was der Körper daraufhin aufbaut.

Damit unterscheiden sich Biostimulatoren grundsätzlich von klassischen Fillern. Ein Filler aus vernetzter Hyaluronsäure füllt einen Bereich direkt auf, das Ergebnis zeigt sich unmittelbar und hängt davon ab, wie viel Material eingebracht wird. Ein Biostimulator dagegen wirkt zeitversetzt und indirekt. Er ist kein Werkzeug, um eine bestimmte Kontur gezielt zu formen, sondern ein Ansatz, um die Gewebequalität über eine größere Fläche zu verbessern.

Der Begriff selbst ist nicht geschützt und wird in der Werbung großzügig verwendet. Manche Anbieter zählen auch Skinbooster, Polynukleotide oder Eigenblutverfahren dazu. Medizinisch sauberer ist es, von Biostimulatoren im engeren Sinn nur bei Substanzen zu sprechen, deren kollagenbildende Wirkung gut untersucht ist. Das sind vor allem Calciumhydroxylapatit und Poly-L-Milchsäure.

Für Sie als Patientin oder Patient bedeutet das: Fragen Sie bei jedem Angebot nach, welche Substanz konkret gemeint ist. Die Bezeichnung allein sagt wenig darüber aus, wie gut die Methode belegt ist und was sie leisten kann. Fragen Sie auch, wie viele Sitzungen geplant sind, in welcher Verdünnung gearbeitet wird und wie die Nachkontrolle aussieht. Eine Praxis, die diese Fragen ruhig und konkret beantwortet, hat sich mit der Methode in der Regel gründlich beschäftigt.

Welche Substanzen gibt es und worin unterscheiden sie sich?

Calciumhydroxylapatit besteht aus winzigen Kügelchen eines Minerals, das auch natürlicherweise in Knochen und Zähnen vorkommt. Die Kügelchen sind in ein Trägergel eingebettet. Direkt nach der Behandlung gibt das Gel einen gewissen Stütz- und Volumeneffekt, der in den folgenden Wochen abgebaut wird. Parallel regen die Partikel die Kollagenbildung an, die den Effekt über Monate trägt. Verdünnt eingesetzt, wird Calciumhydroxylapatit vor allem zur Verbesserung von Hautdichte und Festigkeit genutzt, unverdünnt eher zur Stützung von Konturen. Mehr dazu auf unserer Seite zu Calciumhydroxylapatit.

Poly-L-Milchsäure ist ein biologisch abbaubares Polymer, das seit Jahrzehnten auch in resorbierbarem chirurgischem Nahtmaterial verwendet wird. Es wird als Pulver geliefert, vor der Behandlung mit Flüssigkeit angemischt und flächig injiziert. Einen Soforteffekt gibt es kaum, die anfängliche Fülle durch die Flüssigkeit verschwindet nach wenigen Tagen. Das eigentliche Ergebnis baut sich erst über Wochen auf. Poly-L-Milchsäure eignet sich besonders für einen über das Gesicht verteilten Volumenverlust. Einzelheiten finden Sie auf der Seite zu Poly-L-Milchsäure.

Daneben gibt es Hybridprodukte, die Hyaluronsäure mit stimulierenden Partikeln kombinieren, sowie neuere Substanzen, deren Datenlage noch dünner ist. Bei diesen sollten Sie besonders genau nachfragen, welche Studien vorliegen und wie lange die Erfahrungen zurückreichen.

Welche Substanz in Frage kommt, hängt weniger von Vorlieben ab als von der Ausgangslage. Fehlt vor allem Hautqualität, ist der Ansatz ein anderer, als wenn tieferes Volumen an Schläfen oder Wangen fehlt. Diese Unterscheidung gehört an den Anfang jeder Beratung.

Wie wirken Biostimulatoren im Gewebe?

Kollagen ist das wichtigste Strukturprotein der Haut. Es gibt ihr Festigkeit und Dichte. Ab etwa dem dreißigsten Lebensjahr nimmt die körpereigene Produktion langsam ab, die Haut wird dünner, und das Stützgerüst unter ihr verliert an Spannkraft. Hinzu kommen Veränderungen an Fettpolstern und Knochen, die zusammen das typische Bild eines alternden Gesichts ergeben. Ausführlicher beschreibt das unser Beitrag zu schlaffer Haut im Gesicht.

Biostimulatoren setzen an der Kollagenbildung an. Die eingebrachten Partikel werden vom Körper als Fremdmaterial erkannt und langsam abgebaut. Während dieses Abbaus entsteht rund um die Partikel neues Bindegewebe. Studien mit Gewebeproben zeigen, dass sich nach einer solchen Behandlung tatsächlich mehr Kollagen nachweisen lässt. Wie stark der Effekt ausfällt, schwankt allerdings von Mensch zu Mensch erheblich.

Entscheidend ist, dass der Körper selbst die Arbeit leistet. Das hat einen Vorteil: Das Ergebnis wirkt in der Regel natürlich, weil es aus eigenem Gewebe besteht. Es hat aber auch einen Nachteil: Wie gut jemand reagiert, lässt sich vorher nicht exakt vorhersagen. Alter, Hautbeschaffenheit, Rauchen, starke Sonnenschäden und der allgemeine Gesundheitszustand beeinflussen, wie viel neues Kollagen entsteht.

Deshalb ist es ehrlich, von einer Verbesserung der Gewebequalität zu sprechen und nicht von einer Verjüngung. Eine Haut von sechzig Jahren wird durch Biostimulatoren nicht zu einer Haut von vierzig Jahren. Sie kann aber fester und dichter werden, als sie es ohne Behandlung wäre.

Wann sieht man ein Ergebnis und wie lange hält es?

Wer Biostimulatoren wählt, braucht Geduld. Bei Poly-L-Milchsäure zeigt sich eine Veränderung frühestens nach sechs bis acht Wochen, das volle Ergebnis oft erst nach drei bis vier Monaten. Bei Calciumhydroxylapatit gibt das Trägergel einen kleinen Soforteffekt, die Kollagenwirkung folgt ebenfalls über Wochen.

In den meisten Fällen reicht eine einzelne Sitzung nicht. Üblich sind zwei bis drei Behandlungen im Abstand von einigen Wochen, je nach Substanz und Ausgangslage. Kalkulieren Sie also von Anfang an eine Serie ein und nicht einen einzelnen Termin. Wer nach der ersten Sitzung enttäuscht abbricht, hat das Verfahren meist zu früh beurteilt.

Die Haltbarkeit wird in Studien häufig mit ein bis zwei Jahren angegeben, teilweise auch länger. Das neu gebildete Kollagen unterliegt danach denselben Alterungsprozessen wie das übrige Gewebe. Viele Patientinnen entscheiden sich deshalb nach einiger Zeit für eine Auffrischung. Einen Überblick über die Haltbarkeit verschiedener Verfahren finden Sie in unserem Vergleich wie lange welche Behandlung hält.

Wichtig ist auch, was nicht passiert: Biostimulatoren heben keine erschlaffte Haut an, wie es eine Operation tut. Sie verändern keine Gesichtsproportionen und ersetzen keine gezielte Konturierung. Wer eine unmittelbare, deutliche Veränderung erwartet, wird mit dieser Methode nicht zufrieden sein.

Biostimulatoren oder Hyaluronsäure: was passt wann?

Die Frage nach dem Unterschied zu Hyaluronsäure stellen viele, und sie ist berechtigt. Beide Verfahren werden injiziert, beide sollen dem Gesicht mehr Frische geben. Ihr Ansatz ist aber ein anderer.

Hyaluronsäure-Filler eignen sich, wenn an einer umschriebenen Stelle Volumen fehlt oder eine Kontur betont werden soll, etwa am Kinn, an den Lippen oder an der Tränenrinne. Das Ergebnis zeigt sich unmittelbar und ist gut steuerbar. Bei unerwünschtem Ergebnis kann Hyaluronsäure mit einem Enzym aufgelöst werden. Das ist ein echter Sicherheitsvorteil.

Biostimulatoren eignen sich eher, wenn die Haut insgesamt dünn und weniger fest geworden ist oder ein leichter, flächiger Volumenverlust besteht. Sie lassen sich nicht auflösen. Ist das Material einmal eingebracht, muss man die Reaktion des Körpers abwarten. Das verlangt eine sorgfältige Indikation und Erfahrung bei der Technik.

In der Praxis schließen sich beide Methoden nicht aus. Häufig ist eine Kombination sinnvoll, bei der die Hautqualität über einen Biostimulator verbessert und eine einzelne Stelle mit Hyaluronsäure gezielt ergänzt wird. Abzugrenzen sind außerdem Skinbooster aus nicht vernetzter Hyaluronsäure, die vor allem Feuchtigkeit und Elastizität verbessern. Wie sich diese von Fillern unterscheiden, beschreibt unser Beitrag zu Skinboostern.

Welche Nebenwirkungen und Risiken gibt es?

Wie bei jeder Injektion können Rötungen, Schwellungen, Druckempfindlichkeit und Blutergüsse auftreten. Sie klingen meist innerhalb weniger Tage ab. Nach einer Behandlung mit Poly-L-Milchsäure wird häufig empfohlen, die behandelten Bereiche in den ersten Tagen regelmäßig zu massieren, damit sich das Material gleichmäßig verteilt.

Ein spezifisches Risiko der Biostimulatoren sind Knötchen. Sie entstehen, wenn sich Partikel an einer Stelle sammeln oder das Gewebe überschießend reagiert. Knötchen können tastbar oder sichtbar sein und mitunter erst Wochen bis Monate nach der Behandlung auftreten. Manche bilden sich von selbst zurück, andere brauchen eine Behandlung. Die richtige Verdünnung, die richtige Injektionstiefe und eine Technik, die das Material fein verteilt, senken dieses Risiko deutlich, schließen es aber nicht aus.

Selten, aber ernst zu nehmen sind Gefäßkomplikationen. Gelangt Material in ein Blutgefäß oder drückt es von außen ab, kann die Durchblutung eines Hautareals gestört werden. Das ist ein Notfall, der sofort erkannt und behandelt werden muss. Anders als bei Hyaluronsäure gibt es für Biostimulatoren kein Enzym, das das Material auflöst. Genaue Kenntnis der Gefäßanatomie ist deshalb Voraussetzung.

Weitere mögliche Nebenwirkungen sind Infektionen und allergische Reaktionen, die beide selten sind. Bitte nehmen Sie das Aufklärungsgespräch ernst und fragen Sie nach, wenn Ihnen etwas unklar ist. Eine seriöse Beratung benennt diese Risiken offen und erklärt Ihnen auch, woran Sie in den Tagen nach der Behandlung erkennen, dass etwas nicht stimmt und Sie sich melden sollten.

Wann wir davon abraten

Es gibt klare Gründe, auf eine Behandlung mit Biostimulatoren zu verzichten. Dazu gehören Schwangerschaft und Stillzeit, akute Entzündungen oder Infektionen im Behandlungsgebiet, eine Neigung zu Keloiden oder überschießender Narbenbildung sowie bekannte Unverträglichkeiten gegenüber einem der Bestandteile. Bei Autoimmunerkrankungen, Gerinnungsstörungen oder der Einnahme blutverdünnender Medikamente muss im Einzelfall entschieden werden, ob und wie behandelt werden kann.

Zurückhaltung ist auch geboten, wenn sich im Gesicht noch Reste früherer Filler befinden, deren Art und Lage unbekannt sind. Hier sollte zunächst geklärt werden, was bereits eingebracht wurde, bevor ein weiteres Material hinzukommt.

Ebenso wichtig ist der Fall der falschen Erwartung. Wer sich eine sichtbare Straffung wie nach einem Facelift erhofft, wird von Biostimulatoren enttäuscht sein. Bei deutlich erschlaffter Haut und stark abgesunkenem Gewebe kommt eine Injektionsbehandlung an ihre Grenze. Dann ist es fairer, das offen zu sagen, als eine Serie von Behandlungen zu beginnen, die das eigentliche Problem nicht löst.

Und schließlich: Wer ein sofortiges Ergebnis für einen bestimmten Termin braucht, sollte keine Methode wählen, die Monate bis zur vollen Wirkung braucht. Eine Hochzeit oder ein runder Geburtstag in wenigen Wochen ist kein guter Anlass, mit Biostimulatoren zu beginnen. Sinnvoller ist es, die Behandlung mit ausreichend Vorlauf zu planen oder für diesen Termin auf ein Verfahren zu setzen, dessen Wirkung sich verlässlicher abschätzen lässt.

Wie läuft eine Behandlung in Hannover ab?

Am Anfang steht ein ausführliches Gespräch. Wir schauen uns das Gesicht in Ruhe und Bewegung an, prüfen Hautdicke, Elastizität und die Verteilung des Volumens und klären Vorerkrankungen, Medikamente und frühere Behandlungen. Erst danach lässt sich sagen, ob ein Biostimulator sinnvoll ist, welche Substanz passt und ob eine Kombination mit anderen Verfahren nötig ist.

Die Behandlung selbst dauert meist zwischen dreißig und sechzig Minuten. Die Haut wird gründlich desinfiziert, bei Bedarf wird eine betäubende Creme aufgetragen. Injiziert wird mit feiner Nadel oder stumpfer Kanüle, je nach Region und Substanz. Danach können Sie in der Regel Ihren Alltag fortsetzen. Für einige Tage sollten Sie auf Sport, Sauna und starke Hitze verzichten.

Einige Wochen nach jeder Sitzung folgt eine Kontrolle. Dort wird beurteilt, wie das Gewebe reagiert hat und ob eine weitere Sitzung sinnvoll ist. Weitere Informationen zum Verfahren finden Sie auf unserer Seite zu Biostimulatoren.

Fazit

Biostimulatoren sind kein Ersatz für Filler und keine Alternative zur Operation, sondern ein eigener Ansatz: Sie verbessern über Monate die Qualität des Gewebes, indem sie die körpereigene Kollagenbildung anregen. Das passt zu Menschen, deren Haut insgesamt dünner und weicher geworden ist und die ein zurückhaltendes, natürliches Ergebnis wünschen und dafür Geduld mitbringen.

Wer dagegen eine unmittelbare Veränderung, eine gezielte Konturierung oder eine echte Straffung sucht, ist mit einem anderen Verfahren besser beraten. Die Entscheidung sollte deshalb nicht bei der Substanz beginnen, sondern bei der genauen Analyse, was im Gesicht tatsächlich fehlt. Wenn Sie das für sich klären möchten, finden Sie den Weg zu uns über die Kontaktseite.

Prof. Dr. Mohamed Omar, Chiq Aesthetics, Karmarschstraße 33–35, 30159 Hannover

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt kein ärztliches Beratungsgespräch. Ob eine Behandlung im Einzelfall geeignet ist, lässt sich nur nach persönlicher Untersuchung beurteilen.


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