Nasolabialfalten: warum sie entstehen und was dagegen hilft
Aktualisiert: vor 6 Tagen
Die Nasolabialfalte ist die Linie, die vom Nasenflügel schräg nach unten zum Mundwinkel verläuft. Sie gehört zu den am häufigsten beklagten Zügen im Gesicht, und sie ist zugleich derjenige, der am häufigsten falsch verstanden wird. Denn im Gegensatz zu einer Zornesfalte oder Krähenfüßen ist die Nasolabialfalte keine Falte, die im Lauf des Lebens neu entsteht.
Sie ist von Anfang an da. Jeder Mensch hat sie, auch ein Kind, auch ein zwanzigjähriges Gesicht. Was sich mit den Jahren ändert, ist nicht ihre Existenz, sondern ihre Tiefe — und die Ursache dafür liegt in aller Regel nicht in der Falte selbst, sondern oberhalb davon.
Dieser Beitrag erklärt, was die Nasolabialfalte anatomisch ist, warum sie sich vertieft, warum das reine Auffüllen der Linie einer der häufigsten Behandlungsfehler in der ästhetischen Medizin ist, warum Botulinumtoxin hier nicht das passende Mittel ist und welche Risiken diese Region mit sich bringt.
Was die Nasolabialfalte anatomisch wirklich ist
Die Nasolabialfalte ist keine Knickfalte in der Haut, wie sie durch wiederholte Mimik entsteht. Sie ist eine Grenzlinie zwischen zwei Gewebeeinheiten: oben der Wangenfettkörper, unten die Oberlippenregion. Diese beiden Einheiten sind unterschiedlich aufgebaut, unterschiedlich beweglich und unterschiedlich mit der darunterliegenden Struktur verbunden.
Entlang dieser Grenze ist die Haut über bindegewebige Züge fest mit den darunterliegenden Schichten verwachsen. Das ist der Grund, warum genau dort eine Linie sichtbar wird und nicht zwei Zentimeter daneben. Man kann sich die Nasolabialfalte als eine Art anatomische Naht vorstellen — sie ist Bauplan, nicht Verschleiß.
Daraus folgt eine Aussage, die im Beratungsgespräch oft überrascht: Eine Nasolabialfalte lässt sich nicht beseitigen, und sie sollte auch nicht beseitigt werden. Ein Gesicht ohne diese Grenzlinie wirkt nicht jung, sondern flach und maskenhaft. Das Behandlungsziel kann nur sein, eine übermäßige Vertiefung zu mildern — nicht, die Linie zu löschen.
Warum die Nasolabialfalte mit den Jahren tiefer wird
Wenn die Linie selbst konstant bleibt, muss die Veränderung von den angrenzenden Strukturen kommen. Genau so ist es. Drei Prozesse spielen zusammen.
Der Wangenfettkörper verliert Volumen und sinkt ab. Das Fettgewebe des Mittelgesichts ist in Kompartimenten organisiert, die durch Bindegewebe getrennt sind. Mit den Jahren nimmt das Volumen dieser Kompartimente ab, und die Haltestrukturen geben nach. Das Gewebe wandert nach unten und staut sich oberhalb der festen Verwachsungslinie — also oberhalb der Nasolabialfalte. Der obere Rand der Falte wirft sich auf, der Übergang wird zur Kante.
Der Knochen bildet sich zurück. Das Mittelgesicht verliert im Lauf des Lebens an knöcherner Projektion, insbesondere im Bereich des Oberkiefers und des Jochbeins. Damit fehlt dem darüberliegenden Weichgewebe das Fundament. Es ist der stillste der drei Prozesse und einer der wirksamsten.
Die Hautspannung lässt nach. Kollagen- und Elastingehalt der Haut nehmen ab, die Rückstellfähigkeit sinkt. Sonnenexposition und Rauchen beschleunigen das erheblich. Die Haut folgt der Absenkung des Untergrunds, statt sie auszugleichen.
Der entscheidende Satz für das Verständnis der Behandlung lautet deshalb: Die Nasolabialfalte vertieft sich, weil oben etwas fehlt — nicht, weil unten etwas zu viel ist.
Der zentrale Behandlungsfehler: nur die Falte auffüllen
Wenn eine Patientin mit dem Wunsch kommt, ihre Nasolabialfalten behandeln zu lassen, ist der naheliegende Gedanke, genau in diese Linie Hyaluronsäure einzubringen. Bei einer gering ausgeprägten Falte und einem ansonsten gut gefüllten Mittelgesicht kann das auch richtig sein. Bei einer deutlich vertieften Falte ist es der Fehler, der die typischen unnatürlichen Ergebnisse produziert.
Der Grund ist einfach. Wenn die Falte deshalb tief ist, weil das Gewebe darüber abgesunken ist, dann füllt man mit einer Injektion in die Falte den Graben auf, ohne die Ursache zu berühren. Um die Linie optisch auszugleichen, braucht es viel Material. Das Ergebnis ist ein schweres, aufgepolstertes Mittelgesicht: Die Linie ist flacher, aber die Region wirkt breiter, praller und unruhig — besonders beim Lächeln, wenn der aufgefüllte Bereich mitbewegt wird. Wiederholt man das über Jahre, verstärkt sich der Effekt.
Die ursächliche Behandlung setzt deshalb häufig nicht an der Falte an, sondern eine Etage höher. Wird das verlorene Volumen dort wieder aufgebaut, wo es fehlt — am Wangen- und Jochbeinbereich —, hebt sich das abgesunkene Gewebe an, der Stau oberhalb der Falte löst sich, und die Nasolabialfalte wird flacher, ohne dass sie selbst behandelt wurde. Häufig genügt anschließend eine deutlich geringere Materialmenge direkt in der Nasolabialfalte, manchmal ist sie ganz entbehrlich.
An diesem Punkt unterscheidet sich eine befundorientierte Behandlung von einer, die nur dem Wunsch folgt. Wer eine Nasolabialfalte behandelt, ohne das Mittelgesicht insgesamt zu beurteilen, behandelt ein Symptom. Ein Beratungsgespräch, das ausschließlich über die Linie spricht, die die Patientin im Spiegel sieht, hat den Befund nicht erhoben.
Warum Botulinumtoxin bei Nasolabialfalten nicht das richtige Mittel ist
Die Frage nach einer Behandlung mit Botulinumtoxin kommt in dieser Region regelmäßig, und die Antwort ist klar: Für die Nasolabialfalte ist dieser Wirkstoff nicht das geeignete Mittel.
Botulinumtoxin entspannt gezielt Muskeln und wirkt deshalb bei Falten, die durch wiederholte Mimik in die Haut eingeprägt werden — etwa im Bereich der Stirn oder zwischen den Augenbrauen. Die Nasolabialfalte ist keine solche Falte. Sie entsteht nicht durch die Faltbewegung eines Muskels, sondern durch eine anatomische Gewebegrenze und durch Volumenverschiebung. An der Ursache kann eine Muskelentspannung deshalb nichts ändern.
Hinzu kommt ein funktionelles Risiko. Die Muskeln, die in dieser Region ansetzen, heben die Oberlippe und den Mundwinkel und sind maßgeblich am Lächeln beteiligt. Werden sie geschwächt, kann das Lächeln asymmetrisch oder schief wirken, die Oberlippe kann herabhängen, und es kann zu Beeinträchtigungen beim Sprechen, Trinken oder beim Schließen des Mundes kommen. Diese Effekte bilden sich zwar mit dem Abklingen der Wirkung zurück, bestehen aber über Wochen bis Monate.
Es gibt eng umschriebene Anwendungen von Botulinumtoxin im Bereich von Nase und Oberlippe, die ganz anderen Zielen dienen. Die klassische Nasolabialfalte gehört nicht dazu. Wer ein solches Angebot erhält, sollte nachfragen, welches anatomische Ziel damit verfolgt wird.
Nasolabialfalten, Marionettenfalten und absinkende Mundwinkel
Die Nasolabialfalte tritt selten allein auf. Derselbe Absenkungsprozess, der sie vertieft, wirkt auch weiter unten: Das Gewebe wandert über die Kieferlinie, die Mundwinkel sinken ab, und vom Mundwinkel nach unten bildet sich die Marionettenfalte.
Das ist wichtig für die Behandlungsplanung. Wird nur die Nasolabialfalte betrachtet und aufgefüllt, während die Mundwinkel absinken, entsteht ein Gesicht, dessen obere Hälfte gefüllt und dessen untere Hälfte müde wirkt. Der Gesamteindruck verbessert sich dadurch nicht zwingend — er kann sogar unstimmiger werden.
Umgekehrt heißt das nicht, dass alles gleichzeitig behandelt werden müsste. Es heißt, dass die Beurteilung das ganze Mittel- und Untergesicht umfassen sollte und dass daraus eine Reihenfolge entsteht: erst dort, wo die Ursache liegt, dann dort, wo der verbleibende Rest sichtbar ist.
Was Hautqualitätsverfahren beitragen — und was nicht
Verfahren, die die Hautqualität verbessern, werden im Zusammenhang mit Nasolabialfalten häufig genannt. Ihre Rolle sollte man realistisch einordnen.
Skinbooster mit schwach vernetzter Hyaluronsäure verbessern die Feuchtigkeitsbindung und die Elastizität der Haut. Kollagenstimulierende Verfahren wirken über einen langsamen Umbau in der Lederhaut. Beides führt dazu, dass die Haut dichter, glatter und weniger knittrig wirkt, und beides kann das Erscheinungsbild der Region insgesamt verbessern.
Was diese Verfahren nicht leisten: Sie heben kein abgesunkenes Gewebe an und sie glätten keine tiefe Nasolabialfalte. Wer eine deutlich ausgeprägte Falte hat und eine Serie hautverbessernder Behandlungen erhält, wird eine bessere Hautbeschaffenheit sehen — und dieselbe Falte. Als Ergänzung sind sie sinnvoll, als Ersatz für einen Volumenaufbau sind sie es nicht.
Nasolabialfalten unterspritzen: Ablauf, Zeiträume, Haltbarkeit
Am Anfang steht die Befundung, und zwar im Sitzen und bei aufrechter Kopfhaltung, weil sich die Weichgewebe im Liegen verlagern. Beurteilt werden die Falte selbst, das Volumen des Mittelgesichts, die Hautbeschaffenheit, die Symmetrie und die Mimik in Bewegung.
Die Behandlung selbst dauert je nach Umfang etwa 20 bis 40 Minuten. Verwendet wird vernetzte Hyaluronsäure, deren Festigkeit zur Behandlungsebene passen muss — für den Volumenaufbau am Knochen ein anderes Material als für eine oberflächennahe Korrektur. Injiziert wird mit einer feinen Nadel oder mit einer stumpfen Kanüle; die Kanüle wird in gefäßnahen Regionen häufig bevorzugt, weil sie Gefäße eher zur Seite schiebt als sie zu durchstechen. Ein Lokalanästhetikum ist in vielen Produkten bereits enthalten, zusätzlich kann eine betäubende Creme aufgetragen werden.
Direkt danach sind leichte Schwellungen und kleine Einstichstellen sichtbar. Der Befund ist in den ersten Tagen noch nicht der endgültige: Das Material verteilt sich, die Schwellung geht zurück. Das Ergebnis lässt sich realistisch nach etwa zwei Wochen beurteilen, und erst dann ist eine sinnvolle Nachkorrektur möglich. Wer für ein Ereignis behandelt werden möchte, plant diesen Zeitraum ein.
Zur Haltbarkeit lässt sich keine Zusage machen, nur eine übliche Spanne: Je nach Material, Injektionsebene, Materialmenge und individuellem Stoffwechsel bleibt das Ergebnis typischerweise etwa neun bis achtzehn Monate erhalten, an knochennahen Positionen im Mittelgesicht eher länger als in beweglichen Arealen. Der Abbau erfolgt allmählich, nicht plötzlich.
Risiken der Unterspritzung — und die Besonderheit dieser Region
Häufig und harmlos sind Schwellung, Rötung, Druckempfindlichkeit und Blutergüsse an den Einstichstellen. Blutergüsse können mehrere Tage bis gut eine Woche sichtbar bleiben. Blutverdünnende Medikamente und bestimmte Schmerzmittel erhöhen dieses Risiko und gehören ins Vorgespräch.
Seltener kommt es zu Asymmetrien, zu tastbaren oder sichtbaren Knötchen bei zu oberflächlicher oder ungleichmäßiger Einbringung, zu einer verzögerten entzündlichen Reaktion auf das Material oder zu einer Infektion im Behandlungsgebiet.
Die ernsteste Komplikation ist der Gefäßverschluss: Gelangt Material in ein Blutgefäß oder wird ein Gefäß von außen komprimiert, kann die Durchblutung des versorgten Areals unterbrochen werden. Folgen können Hautnekrosen sein, in sehr seltenen Fällen Sehstörungen bis hin zum Sehverlust. Die Nasolabialregion gehört dabei zu den Risikoregionen des Gesichts, weil hier die Arteria angularis verläuft, die über ihre Verbindungen Anschluss an die Blutversorgung des Auges hat. Das ist kein Grund, von der Behandlung abzusehen — es ist der Grund, warum sie in ärztliche Hände gehört, warum die anatomischen Ebenen bekannt sein müssen und warum langsam, mit geringem Druck und unter Aspirationskontrolle beziehungsweise mit Kanüle gearbeitet wird.
Ein Vorteil der Hyaluronsäure ist, dass sie auflösbar ist. Mit dem Enzym Hyaluronidase lässt sich eingebrachtes Material abbauen — sowohl bei einem ästhetisch unbefriedigenden Ergebnis als auch notfallmäßig beim Verdacht auf einen Gefäßverschluss. Entscheidend ist, dass es schnell verfügbar ist und dass die Anzeichen erkannt werden: starker, zunehmender Schmerz, eine auffällige Blässe oder eine livide Verfärbung nach der Behandlung sind Gründe, sich umgehend zu melden — nicht am nächsten Tag.
Was die Behandlung kostet und wovon der Preis abhängt
Preisbestimmend sind im Wesentlichen zwei Faktoren: die benötigte Materialmenge und der Befund, aus dem sich ergibt, wo behandelt wird. Ein Mittelgesicht mit ausgeprägtem Volumenverlust braucht mehr Material als eine gering ausgeprägte Falte, und ein Volumenaufbau an der Wange ist eine andere Behandlung als eine Korrektur direkt in der Falte.
Deshalb ist ein pauschaler Preis für "Nasolabialfalten unterspritzen" wenig aussagekräftig, solange der Befund nicht erhoben ist. Eine Orientierung finden Sie in unserer Preisübersicht; was im Einzelfall nötig ist, ergibt das Beratungsgespräch. Von auffällig günstigen Angeboten ist Abstand zu nehmen — bei einem Verfahren, dessen Sicherheit an anatomischer Kenntnis und Sorgfalt hängt, ist der Preis der falsche Ansatzpunkt zum Sparen.
Wann wir davon abraten
Wenn die Falte vollständig verschwinden soll. Das ist anatomisch nicht möglich und ästhetisch nicht wünschenswert. Ein Gesicht ohne Nasolabialfalte wirkt nicht jünger, sondern unnatürlich. Realistisch ist eine Milderung, nicht eine Beseitigung. Wer diese Erwartung nicht teilt, wird auch mit einem technisch guten Ergebnis unzufrieden sein.
Bei ausgeprägter Hauterschlaffung. Wenn nicht mehr fehlendes Volumen, sondern deutlicher Hautüberschuss das Bild bestimmt, stößt die Unterspritzung an ihre Grenze. Mehr Material führt dann nicht zu einem strafferen, sondern zu einem schwereren Gesicht. In dieser Situation ist ein chirurgisches Verfahren der ehrlichere Weg, und darauf weisen wir hin, auch wenn wir es selbst nicht anbieten.
In Schwangerschaft und Stillzeit. Aus Vorsicht, nicht wegen belegter Schäden.
Bei akuten Infektionen oder Entzündungen im Behandlungsgebiet, etwa aktivem Herpes, sowie bei Hauterkrankungen in der Region. Hier wird verschoben, bis der Befund abgeklungen ist.
Bei bekannter Unverträglichkeit gegen Bestandteile des Präparats, bei ausgeprägten Gerinnungsstörungen und, nach individueller Abwägung, bei bestimmten Autoimmunerkrankungen.
Wenn dieselbe Region wiederholt aufgefüllt wurde, ohne dass sich der Befund verbessert hat. Das ist kein Hinweis darauf, dass zu wenig Material verwendet wurde, sondern in aller Regel darauf, dass am falschen Ort behandelt wird. Die richtige Konsequenz ist dann, den Behandlungsplan zu ändern — und gelegentlich, vorhandenes Material zunächst aufzulösen und neu zu beginnen.
Fazit
Die Nasolabialfalte ist kein Alterungsschaden, sondern eine anatomische Grenzlinie, die jeder Mensch hat. Was mit den Jahren zunimmt, ist ihre Tiefe, und die Ursache dafür liegt meist im Volumenverlust und im Absinken des Mittelgesichts, nicht in der Falte selbst.
Daraus folgt alles Weitere. Eine Behandlung, die nur die Linie auffüllt, arbeitet gegen die Anatomie und produziert bei stärkerer Ausprägung genau das schwere, aufgepolsterte Mittelgesicht, das niemand haben möchte. Eine Behandlung, die dort ansetzt, wo das Volumen fehlt, braucht weniger Material und liefert ein ruhigeres Ergebnis. Botulinumtoxin ist für diese Region nicht das passende Mittel, und Verfahren zur Hautqualität sind eine sinnvolle Ergänzung, aber kein Ersatz.
Wenn Sie wissen möchten, woher die Vertiefung in Ihrem Fall kommt und ob eine Behandlung überhaupt der richtige Weg ist, sehen wir uns das Mittelgesicht in Ruhe an — in Bewegung, im Sitzen und im Zusammenhang. In unserer Praxis in Hannover erreichen Sie uns dafür über das Kontaktformular oder telefonisch.
Prof. Dr. Mohamed Omar, Chiq Aesthetics, Karmarschstraße 33–35, 30159 Hannover
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt kein ärztliches Beratungsgespräch. Ob eine Behandlung im Einzelfall geeignet ist, lässt sich nur nach persönlicher Untersuchung beurteilen.



