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Cellulite behandeln: was wirklich hilft und wo die Grenzen liegen

Autorenbild: Prof. Dr. Mohamed Omar
Prof. Dr. Mohamed Omar
14. Okt.
8 Min. Lesezeit

Kaum ein ästhetisches Thema wird so stark beworben wie Cellulite. Cremes, Massagegeräte, Kuren und Behandlungen versprechen glatte Oberschenkel, und die meisten Menschen, die Cellulite behandeln möchten, haben schon einiges davon ausprobiert. Die Enttäuschung ist entsprechend häufig, und sie hat einen nachvollziehbaren Grund: Cellulite ist keine Hauterkrankung, die man heilt, sondern eine Eigenschaft des Bindegewebes, die man allenfalls abmildern kann.

Das heißt nicht, dass nichts hilft. Es heißt aber, dass man genau wissen sollte, was eine Methode leisten kann, bevor man Zeit und Geld in sie steckt. Manche Verfahren verbessern das Hautbild für einige Monate, andere wirken nur über den Tag, und manche bringen nach heutigem Wissen gar nichts.

Dieser Beitrag erklärt, wie Cellulite entsteht, wie man sie von einem Lipödem unterscheidet, was Sport, Ernährung und Pflege bewirken, welche ärztlichen Behandlungen es gibt und wo ihre Grenzen liegen. Wir schreiben das als Praxis in Hannover, die lieber ehrlich abrät als eine Serie zu verkaufen, die das Ziel nicht erreicht.

Was ist Cellulite und warum entsteht sie?

Unter der Haut liegt eine Fettschicht, die von bindegewebigen Strängen durchzogen ist. Diese Stränge verbinden die Haut mit der tieferen Muskelhülle und teilen das Fett in kleine Kammern. Bei Frauen verlaufen sie überwiegend senkrecht, wie Pfeiler. Wenn sich die Fettkammern zwischen diesen Pfeilern nach oben wölben, während die Stränge die Haut an einzelnen Punkten nach unten ziehen, entsteht die typische unebene Oberfläche.

Bei Männern verlaufen die Bindegewebsstränge eher schräg und netzartig. Das Fett wird dadurch gleichmäßiger gehalten. Das ist der wichtigste Grund, warum Cellulite fast ausschließlich bei Frauen auftritt, und zwar bei einem großen Teil von ihnen nach der Pubertät, unabhängig vom Körpergewicht.

Hormone, vor allem Östrogen, beeinflussen die Fettverteilung und die Festigkeit des Bindegewebes. Hinzu kommt die Veranlagung: Wie ausgeprägt Cellulite ist, hängt stark von der Familie ab. Mit dem Alter wird die Haut dünner und weniger elastisch, sodass die Unebenheiten deutlicher durchscheinen.

Für die Beurteilung hilft eine einfache Einteilung in Schweregrade. Beim ersten Grad sieht man die Unebenheiten nur, wenn man die Haut zusammendrückt. Beim zweiten Grad sind sie im Stehen sichtbar, im Liegen aber kaum. Beim dritten Grad bleiben die Dellen auch im Liegen deutlich. Je höher der Grad, desto geringer ist erfahrungsgemäß die Veränderung, die eine einzelne Methode erreichen kann. Diese Einordnung ist deshalb ein guter Ausgangspunkt, um über realistische Ziele zu sprechen.

Ist Cellulite eine Krankheit?

Nein. Cellulite ist eine normale anatomische Erscheinung und hat keinen Krankheitswert. Sie schmerzt nicht, sie schadet der Gesundheit nicht, und sie ist kein Zeichen dafür, dass jemand etwas falsch macht. Viele sehr schlanke und sportliche Frauen haben Cellulite.

Das ist wichtig, weil der Begriff oft mit Schuld verknüpft wird. Wer glaubt, Cellulite sei die Folge von zu wenig Disziplin, wird von jeder Methode enttäuscht sein, die nicht alles verschwinden lässt. Wer dagegen weiß, dass es sich um eine Bauweise des Gewebes handelt, kann realistisch einschätzen, was eine Behandlung verändern kann.

Einen medizinischen Krankheitswert hat dagegen das Lipödem, das häufig mit Cellulite verwechselt wird.

Für Cellulite selbst bedeutet das: Eine Behandlung ist immer eine ästhetische Entscheidung. Gesetzliche Krankenkassen übernehmen die Kosten nicht, und es gibt keinen medizinischen Grund, der eine Behandlung erforderlich macht. Umso wichtiger ist es, die Entscheidung in Ruhe und mit klaren Informationen zu treffen.

Cellulite oder Lipödem: woran man den Unterschied erkennt

Ein Lipödem ist eine Erkrankung des Fettgewebes, bei der sich Fett krankhaft und symmetrisch an Beinen und manchmal an den Armen vermehrt. Es betrifft fast nur Frauen und beginnt oft in Phasen hormoneller Umstellung. Anders als Cellulite verursacht es Beschwerden.

Schmerz und Druckempfindlichkeit. Beim Lipödem tun die betroffenen Stellen bei Druck weh, oft auch ohne Berührung. Cellulite schmerzt nicht.

Blaue Flecken. Bei einem Lipödem entstehen schon bei leichten Stößen Blutergüsse. Bei Cellulite ist das nicht der Fall.

Verteilung. Das Lipödem führt zu einem deutlichen Missverhältnis zwischen schlankem Oberkörper und kräftigen Beinen. Füße und Hände bleiben typischerweise ausgespart, sodass am Knöchel eine Art Kante entsteht. Cellulite ist dagegen eine Veränderung der Oberfläche und verändert die Proportionen nicht.

Reaktion auf Gewichtsabnahme. Ein Lipödem bildet sich durch Diät und Sport kaum zurück, während sich das übrige Körperfett reduziert.

Wer mehrere dieser Merkmale bei sich bemerkt, sollte die Diagnose ärztlich stellen lassen, etwa bei einer Fachärztin für Gefäßmedizin oder Phlebologie. Ein Lipödem gehört in eine eigene Behandlung, und kosmetische Verfahren gegen Cellulite sind dafür nicht geeignet.

Beides kann übrigens gleichzeitig vorliegen. Viele Frauen mit Lipödem haben zusätzlich Cellulite, und eine Behandlung der Oberfläche ändert dann nichts an den Beschwerden. Umgekehrt wird ein Lipödem manchmal erst spät erkannt, weil die Veränderungen lange als hartnäckige Cellulite gedeutet werden. Eine klare Diagnose ist deshalb der erste und wichtigste Schritt.

Cellulite behandeln ohne Arzt: was Sport, Cremes und Massage bringen

Bewegung und Muskelaufbau. Kräftige Muskulatur unter dem Fettgewebe gibt der Oberfläche etwas mehr Spannung, und ein niedrigerer Körperfettanteil verkleinert die Fettkammern. Beides kann die Unebenheiten mildern. Cellulite verschwindet dadurch aber selten vollständig, weil die Struktur der Bindegewebsstränge bleibt.

Gewicht. Bei deutlichem Übergewicht verbessert eine Gewichtsabnahme das Hautbild häufig. Bei sehr großem Gewichtsverlust kann die Haut allerdings erschlaffen, und dann wirkt die Oberfläche trotz weniger Fett nicht glatter.

Cremes. Viele Produkte enthalten Koffein, Retinol oder pflanzliche Extrakte. Belege für eine dauerhafte Wirkung gibt es kaum. Koffein kann das Gewebe für kurze Zeit entwässern, und Retinol kann bei längerer Anwendung die Haut etwas fester machen. Den Aufbau des Bindegewebes verändern sie nicht.

Ernährung und Rauchen. Eine bestimmte Diät gegen Cellulite gibt es nicht. Eine ausgewogene Ernährung, die ein stabiles Gewicht ermöglicht, hilft dem Gewebe aber mehr als kurzfristige Kuren mit starken Schwankungen. Rauchen schadet dem Kollagen der Haut und macht sie dünner, sodass Unebenheiten stärker sichtbar werden. Das Aufhören ist damit auch für das Hautbild ein sinnvoller Schritt.

Massage und Lymphdrainage. Massagen, Bürsten oder Geräte mit Saugwirkung verbessern kurzfristig die Durchblutung und verschieben Flüssigkeit. Die Haut wirkt danach für Stunden bis wenige Tage glatter. Ein anhaltender Effekt ist nicht belegt.

Der ehrliche Rat lautet: Bewegung lohnt sich ohnehin, auch für das Hautbild. Für teure Cremes und Geräte, die eine dauerhafte Glättung versprechen, sollten Sie dagegen kein Geld ausgeben.

Cellulite behandeln: welche ärztlichen Verfahren es gibt

Ärztliche Verfahren setzen an unterschiedlichen Stellen an: an der Hautqualität, am Bindegewebe oder an den Strängen, die die Haut nach unten ziehen. Keines davon beseitigt Cellulite dauerhaft. Einige können das Hautbild aber für einen längeren Zeitraum verbessern.

Verfahren zur Hautqualität. Behandlungen, die die Kollagenbildung anregen, etwa Microneedling oder Radiofrequenz, können die Haut etwas dicker und fester machen. Dadurch scheinen die Unebenheiten weniger stark durch. Die Wirkung ist moderat und braucht mehrere Sitzungen.

Radiofrequenz und Stoßwelle. Geräte, die das Gewebe mit Radiofrequenz erwärmen oder mit Druckwellen behandeln, werden häufig gegen Cellulite angeboten. Die Wärme soll das Kollagen straffen, die Stoßwellen das Bindegewebe lockern. In Studien zeigen beide Ansätze teils messbare, aber meist moderate Verbesserungen, die ohne Wiederholung nachlassen. Sie eignen sich am ehesten für leichte bis mittlere Ausprägungen und für Menschen, die mit einer sichtbaren, aber begrenzten Verbesserung zufrieden sind.

Mesotherapie. Bei der Mesotherapie werden Wirkstoffe in kleinen Mengen in die Haut eingebracht. Für das Gesicht ist sie gut etabliert. Bei Cellulite ist die Studienlage dünn und uneinheitlich. Wer sie dafür in Betracht zieht, sollte das wissen und nicht mit einer deutlichen Veränderung rechnen.

Lösen der Bindegewebsstränge. Bei der sogenannten Subzision werden die Stränge, die einzelne Dellen nach unten ziehen, mit einer feinen Nadel oder Kanüle unter der Haut durchtrennt. Das ist das Verfahren, das am direktesten an der Ursache tiefer, einzelner Dellen ansetzt. Es eignet sich weniger für flächige, feine Unebenheiten und ist mit Blutergüssen und einer Erholungszeit verbunden.

Kollagenstimulierende Injektionen. In verdünnter Form werden Substanzen wie Calciumhydroxylapatit eingesetzt, um das Bindegewebe der Haut anzuregen. Die Erfahrungen sind teils ermutigend, die Datenlage für Cellulite aber noch begrenzt.

Was alle diese Verfahren gemeinsam haben: Sie wirken nicht nach einer einzigen Sitzung, und ihre Wirkung hält nicht für immer. Realistisch ist eine sichtbare Glättung, die über Monate anhält und dann aufgefrischt werden muss. Wie stark sie ausfällt, hängt vom Schweregrad, von der Hautdicke und davon ab, ob gleichzeitig Gewicht und Muskeltonus stabil bleiben.

Sinnvoll ist es, vor Beginn Fotos unter immer gleichem Licht und in gleicher Haltung zu machen. Cellulite verändert sich mit Tageszeit, Wassereinlagerung und Licht so stark, dass man sich ohne Vergleichsbilder leicht täuscht, in beide Richtungen. Auch die Kosten sollten vorher realistisch eingeplant werden, weil fast alle Verfahren eine Serie brauchen.

Hilft die Fettwegspritze gegen Cellulite?

Diese Frage wird oft gestellt, und die Antwort ist nein. Die Fettwegspritze löst Fettzellen in einem umschriebenen Polster auf, etwa unter dem Kinn. Cellulite ist aber kein Problem eines einzelnen Fettpolsters, sondern der Struktur, in der das Fett eingebettet ist. Eine Injektionslipolyse an Oberschenkeln oder Po verändert diese Struktur nicht und kann die Oberfläche durch ungleichmäßigen Abbau sogar unruhiger machen. Wofür das Verfahren geeignet ist, beschreibt unser Beitrag zur Fettwegspritze.

Ähnliches gilt für die klassische Fettabsaugung. Sie entfernt Volumen, glättet aber keine Cellulite. Wird zu oberflächlich oder ungleichmäßig abgesaugt, können neue Dellen entstehen. Eine Fettabsaugung ist daher nur sinnvoll, wenn es um störende Fettdepots geht, und nicht als Mittel gegen die Struktur der Haut.

Für Menschen, die mit Cellulite unzufrieden sind, ist das eine wichtige Information. Wer zu einem Verfahren greift, das für etwas anderes gedacht ist, zahlt unter Umständen für ein Ergebnis, das schlechter ist als der Ausgangszustand.

Risiken und Nebenwirkungen

Auch bei Behandlungen, die als sanft gelten, gibt es Nebenwirkungen. Nach Microneedling und Radiofrequenz sind Rötungen, Schwellungen und ein Spannungsgefühl üblich. Selten kommt es zu Entzündungen oder zu Pigmentverschiebungen, vor allem bei dunklerer Haut oder Sonnenexposition kurz nach der Behandlung.

Nach Injektionen und nach einer Subzision sind Blutergüsse, Schwellungen und Druckschmerz die Regel. Möglich sind außerdem Verhärtungen, tastbare Knötchen, Infektionen und eine ungleichmäßige Oberfläche, wenn sich das Gewebe anders umbaut als geplant. Bei kollagenstimulierenden Substanzen ist eine Knötchenbildung ein bekanntes Risiko.

Gegen alle Verfahren sprechen Schwangerschaft und Stillzeit, akute Hautentzündungen oder Infektionen im Behandlungsgebiet, eine erhöhte Blutungsneigung, blutverdünnende Medikamente ohne Rücksprache, Keloidneigung und bekannte Unverträglichkeiten gegenüber den verwendeten Substanzen.

Wann wir davon abraten

Wir raten von jeder Cellulite-Behandlung ab, solange ein Lipödem nicht ausgeschlossen ist. Wer Schmerzen, Blutergüsse ohne Anlass und ein deutliches Missverhältnis der Proportionen bemerkt, braucht zuerst eine ärztliche Diagnose und keine kosmetische Behandlung.

Wir raten ebenso ab, wenn die Erwartung eine vollständig glatte Haut ist. Das erreicht keine der heute verfügbaren Methoden dauerhaft. Wer mit diesem Ziel in eine Behandlung geht, wird nach mehreren Sitzungen unzufrieden sein, auch wenn sich das Hautbild objektiv verbessert hat.

Von Behandlungen mit dünner Studienlage raten wir ab, wenn sie als Wundermittel angeboten werden oder wenn lange Serien im Voraus bezahlt werden sollen. Seriös ist es, eine Methode zunächst in wenigen Sitzungen zu prüfen und dann anhand von Fotos unter gleichen Lichtbedingungen zu beurteilen, ob sich der Aufwand lohnt.

Und wir raten ab, wenn eine Gewichtsabnahme geplant ist. Dann verändert sich das Hautbild ohnehin, und eine Behandlung sollte erst geplant werden, wenn das Gewicht stabil ist. Sonst bezahlt man für eine Verbesserung, die von der nächsten Veränderung des Körpers wieder überlagert wird, und kann den Effekt der Behandlung nicht mehr sicher beurteilen.

Fazit

Cellulite ist eine normale Eigenschaft des weiblichen Bindegewebes und keine Krankheit. Wer sie behandeln möchte, sollte zuerst ein Lipödem ausschließen und dann wissen, dass keine Methode sie dauerhaft beseitigt. Bewegung und ein stabiles Gewicht verbessern das Hautbild am zuverlässigsten. Ärztliche Verfahren können es für Monate glätten, wobei das Lösen einzelner Bindegewebsstränge bei tiefen Dellen am direktesten wirkt und Verfahren zur Hautqualität eher flächig und moderat helfen.

Am meisten Geld spart, wer Versprechen einer vollständigen Glättung misstraut und Behandlungen wählt, die zur Art der Cellulite passen. Wenn Sie das Hautbild an Ihren Beinen einmal ärztlich einschätzen lassen möchten, erreichen Sie uns über Kontakt; eine Übersicht über unsere Leistungen finden Sie unter Preise.

Prof. Dr. Mohamed Omar, Chiq Aesthetics, Karmarschstraße 33–35, 30159 Hannover

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt kein ärztliches Beratungsgespräch. Ob eine Behandlung im Einzelfall geeignet ist, lässt sich nur nach persönlicher Untersuchung beurteilen.


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